Grafikkarten-Flaute: Meine Einschätzung zu Verfügbarkeiten sowie Perspektiven und Alternativen
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Wann gibt es endlich wieder neue Grafikkarten wie die RTX 3080 oder die AMD RX 6800 XT? Der Markt für spielefähige Grafikkarten ist seit Wochen quasi leergefegt. Die Exemplare, die lieferbar sind, werden immer teurer im Vergleich zu ihren Preisen im Herbst 2020 beziehungsweise zu ihrem Release, was die neueren Modelle Nvidia RTX 3000er und AMD 6800er-Serie angeht. In meiner Kolumne beschreibe ich die Situation und überlege, was es für Alternativen gibt.
Mangelware und mögliche Gründe
Neulich habe ich mir bei einem Fahrzeug-Händler ein neues Auto zusammengestellt. Eine wunderschöne Karosserie mit einem Top-cw-Wert, großer Kofferraum, edle Armaturen, Sportsitze, Automatik-Schaltung, tolles Soundsystem und mehr. Doch dann der Schock: Bei der Auswahl der Motorvariante sagte man mir, dass ich entweder mindestens ein halbes Jahr warten soll, um das Auto auf einem Preisniveau wie noch im letzten Herbst zu bekommen, oder aber ich müsse für den Motor so viel draufzahlen, dass das Auto mal eben 20 Prozent teurer wird.
In diesem Artikel
So was gibt's nicht? Bei Computern aber passiert genau das seit einigen Monaten, wobei der Motor eine Metapher für die Grafikkarte ist. Denn Grafikkarten werden seit etwa Oktober 2020 immer rarer und damit einhergehend immer teurer. Womit dies genau zu tun hat, lässt sich schwer sagen - natürlich steht am Ende die simple Erkenntnis, dass die Nachfrage höher als das Angebot ist. Aber warum ist das so? Es handelt sich offenbar eine Gemengelage aus mehreren Faktoren, die ich hier zu Beginn auflisten möchte, ohne dabei zu bewerten, welcher der Faktoren besonders schwer wiegt.
- Nachfrage wegen Corona - da weltweit wegen der Corona-Pandemie viele Leute ihre freie Zeit zu Hause verbringen, ist die Nachfrage nach Unterhaltungselektronik gestiegen. Dies betrifft natürlich auch den Kauf von Spiele-PCs und die Aufrüstung von vorhandenen PCs, um neuere Spiele mit angenehmen FPS-Werten genießen zu können.
- Ausweich-Reaktionen - die neuen RTX 3000er-Grafikkarten kamen ab Ende September auf den Markt, aber waren quasi sofort ausverkauft. Ebenso die im November veröffentlichten neuen AMD RX 6800er-Grafikkarten. Gleichzeitig wurde die Produktion der alten RTX 2000er-Modelle eingestellt. Bei AMD war als Alternative die RX 5700 XT das höchste der Gefühle - ab etwa 400 Euro gab es also praktisch nichts zu einem akzeptablen Preis zu kaufen. Daher sind wohl viele auf eine schwächer Grafikkarte ausgewichen, damit sie nicht ganz ohne eine für moderne Spiele geeignete Grafikkarte dastehen. Die Folge: Was noch im Herbst 140 bis 400 Euro kostete, ist ebenfalls quasi ausverkauft und kostet nun, wenn man ein Exemplar findet, teils über 100 Prozent mehr als im Oktober 2020.
- Mangelnde Produktion - sowohl bei AMD als auch bei Nvidia scheint die Produktion nicht gerade optimal zu laufen. Das Angebot mal eben hochzuschrauben scheint nicht möglich zu sein, was auch mit der steigenden Nachfrage an vielen weiteren elektronischen Produkten wegen Corona liegt, so dass alles, was mit Chipproduktion zu tun hat, stark ausgelastet ist. AMD will beispielsweise eventuell Samsung mit ins Boot holen, um genügend Chips produzieren zu können. Ob es andere unvorhersehbare Probleme sind oder ob man einfach nur die Nachfrage unterschätzt hat und nun keine freien Produktionskapazitäten findet, lässt sich schwer sagen.
- Kryptowährungen und Miner - vor allem der Kurs der Kryptowährung Bitcoin steigt in immer höhere Sphären, und da man durch das zur Verfügung stellen von Rechenpower an dem Trend mitverdienen kann - man spricht dabei auch vom "Schürfen", daher auch die Bezeichnung "Mining" - kaufen offenbar auch Miner (vor allem aus Ländern mit niedrigen Stromkosten) massenhaft Grafikkarten vom Markt weg. Es gibt dabei auch Gerüchte, laut denen Grafikkarten, ohne in den normalen Handel zu kommen, in großen Massen an Profi-Miner verkauft wurden. Im Iran soll Mining sogar zu einzelnen Stromausfällen gesorgt haben.
Quelle: Twitter
Das Bild soll teure Gaming-Notebooks zeigen, die nur für Mining angeschafft wurden.
Die Kurse der Währungen sind derzeit so hoch, dass sich eben auch der Kauf einer aus Gamer-Sicht völlig überteuerten Gaming-Grafikkarte lohnt. Selbst der Kauf von teuren Gaming-Notebooks rentiert sich offenbar, was das Bild links auch zeigen soll. Aber wie gesagt: Welcher dieser Faktoren nun besonders relevant ist, lässt sich nicht sagen. Allerdings erwarten AMD und Nvidia sowie auch zahlreiche Fachleute und Analysten keine nennenswerte Entspannung in den nächsten Monaten. AMD spricht zum Beispiel von einer geringeren Versorgung für das gesamte erste Halbjahr 2021. Und solange Miner Grafikkarten im größeren Stile nachfragen, gibt es freilich immer die Verlockung für Hersteller und Händler für sogenannte Backdoor-Geschäfte, bei denen die Grafikkarten gar nicht erst in den für normale Kunden zugänglichen Shop-Bereich gelangen.
