Prozessoren: Konsoleneinfluss und des CPUdels Kern
Special
Bei Prozessoren greife ich nie zu teuren Modellen. In den letzten 20 Jahren gab ich immer zwischen etwa 150 und 230 Euro aus. Doch wie suche ich mir meine CPU aus? Wie oft sollte man aufrüsten? Was sagen Kern-Anzahl und Takt über den Prozessor aus? Dies alles erläutere ich in einer Mischung aus Ratgeber und Kolumne.
Konsoleneinfluss auf die CPU-Anforderungen
Die kommenden Spielekonsolen Playstation 5 und Xbox Series X (siehe dazu auch mein aktuelles Special zum Thema Mini-PCs als Konsolen-Ersatz) werden in Sachen Gaming neue Maßstäbe setzen. Natürlich werden aber PCs dadurch, dass es hier optional auch besonders starke Grafikkarten sowie spätestens alle drei Jahre eine klare potenzielle Leistungssteigerung durch neue Hardware gibt, stets noch eine Stufe auf die Grafik aufsetzen können.
In diesem Artikel
Aber die neuen Konsolen dürften die Mindestanforderungen, die ein Spiel an die Hardware stellt, erhöhen. Denn die aufwändigeren Games erscheinen bekanntermaßen in aller Regel für den PC, die Playstation und Xbox.
Quelle: Sony
Die neuen Konsolen wie die Playstation 5 werden langfristig die CPU-Anforderungen von Games erhöhen.
Bisher orientierten sich die Games im Kern an der Hardware der nunmehr sieben Jahre alten Konsolengeneration - daher reichte auch für die PC-Version der Spiele für die grundlegenden Dinge auch eine vergleichsweise alte CPU, denn um den großen Unterschied, die Grafik, kümmert sich zum großen Teil die Grafikkarte. Die CPU-GPU-Hybride der beiden neuen Konsolen sind nicht nur deutlich stärker als die der Playstation 4- und Xbox One-Modelle, sondern sie können auch mehr Kerne und Threads nutzen. Dies werden die Spieleentwickler natürlich auch versuchen auszunutzen. Vielleicht steigen die Anforderungen an die CPUs nicht direkt nach Release der neuen Spielekonsolen, denn viele Games sollen ja weiterhin auch auf den alten Konsolen erscheinen. Aber im Laufe der nächsten Jahre werden mit Sicherheit immer mehr Games nur noch für die Playstation 5 und/oder Xbox Series X auf den Markt kommen. Durch die CPU-Technik der neuen Konsolen werden aufwändige Games vermutlich auch immer mehr Kerne respektive Threads nutzen und dies auch verlangen. Spätestens seit den Ryzen-CPUs von AMD empfehle ich in meinen CPU-Kaufberatungen auch regelmäßig einen Ryzen 5 mit sechs Kernen und 12 Threads - aktuell den Ryzen 5 3600 oder 3600X. Diese Kombination wird für viele Jahre stark genug sein, und inzwischen gibt es auch von Intel in diesem Segment CPUs, die ihr Geld wert sind, nämlich die Core i5-10400er-Modelle für den Sockel 1200. Mit den neuen AMD Ryzen 5000er-Modellen kommt eine weitere Auswahl hinzu, deren Leistung wir nach Release auch in einem Special näher betrachten werden.
Des CPUdels Kern
Doch was ist mit Prozessoren, die noch mehr Kerne als ein Ryzen 5 3600 oder Core i5-10400 haben? Wer beim Gaming gleichzeitig noch weitere Dinge macht, zum Beispiel Streaming, der kann durchaus mit einer CPU, die acht Kerne und 16 Threads bietet, besser bedient sein.
Quelle: PC Games Hardware
Die Xeon-Prozessoren (hier ein 1230 v2 mit vier Kernen und acht Threads) konnte man eine Weile langs auf Mainstream-Mainboards einbauen - teilweise waren sie ein Schnäppchen im Vergleich zu ihren Core i-Brüdern.
Für den Sockel AMD AM4 gibt es sogar eine CPU mit 16 Kernen und 32 Threads, bei Intel immerhin eine 10-Kern-CPU (20 Threads). Beim Enthusiastensockel AMD sTRX4 sind sogar 64 Kerne (128 Threads) drin. Doch all das, was über 8 Kerne und 16 Threads hinausgeht, halte ich für völlig unnütz, außer man weiß 100-prozentig, dass die genutzte Software mit dem großen Angebot an Threads etwas anfangen kann. Spiele können das Potenzial der vielen Kerne nämlich nicht nutzen. Denn nur wenn ein Programm - und ein Spiel ist ja nichts anderes als ein Programm - so gestaltet ist, dass es mehrere Aufgaben an so viele Kerne wie möglich verteilen kann, oder wenn man mehrere Prozesse parallel laufen lassen muss, bringen die zusätzlichen Kerne einen Vorteil. Dies ist bei Games aber nicht üblich - in Spieletests bringen Prozessoren mit mehr als acht Kernen kaum einen oder sogar gar Leistungsvorteil. Der Griff zu einer Enthusiasten-CPU mit vielen Kernen kann sogar einen negativen Effekt in Spielen haben. Denn durch die Vielzahl an Kernen ist der Hersteller beim Takt häufig eher zurückhaltend. Ein Spiel kann dann auf einer Mainstream-CPU mit sechs Kernen, die im Schnitt auf 4,0 GHz taktet, schneller laufen als auf einer Enthusiasten-CPU aus der gleichen Generation, die zwar doppelt so viele Kerne, aber nur einen Takt von 3,2 GHz hat. Beim Takt muss man ohnehin aufpassen... die erläutere ich auf der nächsten Seite.
