Grafikkarten: Preis-Leistung und Empfehlungen
Special
Wegen der weiterhin sinkenden Grafikkarten-Preise bieten wir ein Special für den Monat Juli rund um Grafikkarten. Wir zeigen euch die Preis-Entwicklung, berechnen das Preis-Leistungs-Verhältnis aktueller Grafikkarten-Reihen und klären auch auf, wie und nach welchen Kriterien wir die Grafikkarten-Preise recherchieren. Natürlich mündet dies am Ende in einer Kaufberatung zu aktuellen Modellen.
Lage entspannt sich - aber besser abwarten
Bevor wir die derzeit in Sachen Preis-Leistung besten Grafikkarten-Serien enthüllen, möchten wir zuerst einen Rat geben: Wartet am besten noch ab. Die Preise sind seit einigen Wochen sehr stark gesunken - das Niveau vom Herbst 2020 ist aber noch nicht erreicht. Da wegen Maßnahmen der chinesischen Regierung zum Beispiel gegen Bitcoin-Mining nun offenbar viele Miner aufgeben, sinkt die Nachfrage nach Grafikkarten, die zum Teil auch für Miner interessant sind, derzeit stark. Zudem verkaufen viele Miner ihre Grafikkarten. Gleichzeitig steigt die Produktion neuer Grafikkarten, und da Nvidia neu produzierte Modelle inzwischen so modifiziert, dass sie beim Mining ausgebremst werden, ist die Gefahr durch eine erneute Miner-Nachfragewelle, die nun vielleicht durch Nutzer ins Rollen kommt, die außerhalb von China anstelle von chinesischen Minern einspringen wollen, gering geworden.
In diesem Artikel
Aktuelle Kaufberatung
AMD spielt aktuell leider im Einsteiger- und Mittelklasse-Bereich keine Rolle. Durch die Chip-Krise, wegen der auch AMD und Nvidia bei der Produktion von GPUs nicht so viel herstellen konnten, wie gewünscht, fehlt noch immer eine Marktversorgung mit den ehemals sehr erschwinglichen RX 5000er-Modellen.
Quelle: PC Games Hardware
Noch immer im Handel und für unter 500 Euro halbwegs zu empfehlen: Eine Nvidia GeForce RTX 2060
Die neueren AMD Radeon RX 6000er-Grafikkarten sind hingegen verfügbar und auch ein Kauftipp - allerdings ist schon das schwächste aktuelle Modell bei der Leistung recht stark, so dass die UVP bei fast 500 Euro und der aktuelle Preis bei etwas unter 800 Euro liegt - in Relation zum aktuellen Grafikkartenmarkt ist das aber trotzdem ein guter Preis. Nur versorgt AMD damit leider nicht die Zielgruppe, die maximal 400 bis 500 Euro für eine Grafikkarte investieren kann oder will. Auch bei Nvidia sieht es ähnlich aus, allerdings gibt es mit den GTX 1600er-Modellen und der noch immer produzierten GeForce RTX 2060 etwas besser aus, was die Versorgung unterhalb der 500-Euro-Grenze angeht. Wirklich empfehlenswerte Einsteigermodelle für maximal 250 Euro gibt es aber derzeit nicht. Die GeForce GTX 1650 ist zwar gerade unter die 250 Euro-Marke gerutscht - sie wird aber für moderne, aufwändige Titel keine lange Freude bereiten.
Die gleich folgende Grafik zeigt euch eine Übersicht zur Leistung und zum Preis-Leistungs-Verhältnis von Grafikkarten. Die Nvidia GeForce RTX 3070 Ti dient uns als Basis - sie leistet 100 Prozent, was durch den graublauen Balken als Leistungsindex mit der Zahl 100 dargestellt wird. Eine 85 bedeutet also, dass die entsprechende Karte 85 Prozent der Leistung einer RTX 3070 Ti erreicht. Teilt man den Preis der jeweiligen Grafikkarte durch deren Leistungsindex, entsteht ein Preis-Leistungs-Index. Damit dieser in der Grafik besser zu sehen ist (die Werte liegen meist um etwa 9,0), haben wir diese Werte mit 10 multipliziert und durch einen gelben Balken dargestellt.
Quelle: Antonio Funes
Preis Leistungs-Index Juli 2021
Bei der AMD Radeon RX 6700 XT steht beispielsweise als Preis-Leistungs-Index die 85,9 und beim Leistungsindex die 85. Die Karte ist also schwächer als eine RTX 3070 Ti, hat aber wegen des relativ geringen Preises ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Denn je kleiner der Preis-Leistungs-Index, desto weniger "pro FPS" müsst ihr bezahlen. Wie ihr seht, liegen viele Grafikkarten bei Preis-Leistungs-Indizes von etwa 86 bis 92. Karten mit höheren Werten sind nicht zu empfehlen.
Quelle: PC Games Hardware
Eine Nvidia GeForce RTX 3070 Ti ist derzeit relativ gesehen eine recht gute Wahl, wenn man nicht mehr mit dem Kauf abwarten will.
Auch zwischen einer 92 und 86 ergibt sich für die Karte mit dem Wert 92 ein eher unnötiger Aufpreis, der - in Relation gesehen - etwa sieben Prozent beträgt. Der Index zeigt euch also sehr gut, welche Grafikkarten-Serien aktuell einen Kauf wert sind, wenn man nicht mehr abwarten will.
Unsere Empfehlungen für ambitioniertes Gaming: Unter 90 beim Preis-Leistungs-Index liegen bei den für Gaming in mindestens WQHD geeigneten Grafikkarten die AMD Radeon RX 6700 XT (ab 730 Euro) und 6800 XT (ab 1090 Euro) sowie Nvidias GeForce RTX 3070 Ti (ab 890 Euro). Diese drei Grafikkarten sind daher aktuell unsere Kauftipps, wenn man nicht mehr abwarten will. Die Nvidia GeForce RTX 3080 steht sichtbar schlecht da, hier ist auch noch die AMD RX 6800 eine Alternative, wenn man mehr Leistung als die einer RX 6700 XT braucht, aber die 1000-Euro-Grenze scheut. Nicht vergessen sollte man trotzdem, dass man bei Nvidia in Spielen, die DLSS bieten, quasi mehr FPS bei einer fast gleichen Grafikqualität bekommt. AMD hat im Juni mit einer ähnlichen Technik, Fidelity Super Resolution, nachgelegt, kommt aber noch nicht auf die qualitativ gleichen Ergebnisse, zudem ist die Spieleauswahl mit passenden Titeln derzeit noch kleiner als bei DLSS.
Unser Tipp für Einsteiger und die Mittelklasse: Wer weniger Leistung braucht als die einer AMD Radeon RX 6700 XT oder auch keine 500 Euro oder mehr ausgeben will, der kann bei der GeForce RTX 2060 eventuell noch eine bei den aktuellen Preisen vergleichsweise gut dastehende Grafikkarte für etwa 450 Euro wählen. Darunter kommt für 60 Euro weniger die GTX 1660 Super, die aber dafür auch über 20 Prozent langsamer ist. Im Einsteigerbereich kommt eine GTX 1650 Super ab etwa 265 Euro in Frage, wobei die GTX 1660 preislich mit 300 Euro auch nicht weit entfernt, aber etwas schneller ist. Beide GTX-Modelle sind in Sachen Preis-Leistung vergleichsweise sehr gut, haben aber natürlich nur ein beschränktes Leistungspotenzial, das wir maximal für Gelegenheitsgaming in Full-HD empfehlen können.
