Cloudgaming: Der Knackpunkt mit dem Ping

Special Antonio Funes
Cloudgaming: Der Knackpunkt mit dem Ping
Quelle: Nvidia

Beim Cloudgaming sendet ein Anbieter das Game als Videostream zum Spieler. Doch wie genau funktioniert das, und was muss man beachten, um über eine Cloud zu spielen? Welche Nachteile muss man bedenken, und welche Anbieter-Konzepte gibt es? Diese Fragen klären wir und listen euch auch die wichtigsten Anbieter für Cloudgaming und deren Konzepte auf.

Nachteile: Ping und Bandbreite

Bevor wir zu den Vorteilen von Cloudgaming kommen, wollen wir zuerst das größte Hindernis nennen: die Internetverbindung. Wer zu Hause ohne Probleme ein 4K-Video aus dem Internet streamen kann, hat zunächst einmal dem Anschein nach gute Grundvoraussetzungen, um auch Cloudgaming nutzen zu können. Allerdings ist die Bandbreite des Internetzugangs, also die Frage, wie viel Megabyte pro Sekunde als Download in der Regel zur Verfügung stehen, nur eines von zwei wichtigen Bauteilen.

Wenn die Bandbreite nicht ausreicht, um einen Stream mit mehr als 30 Bildern pro Sekunde in Full-HD zu streamen, könnt ihr das Thema Cloudgaming ohnehin vergessen. Reicht die Bandbreite aus, muss man aber trotzdem noch prüfen, wie der Ping aussieht. Der Ping, gemessen in Millisekunden, ist die Dauer, bis es eine Antwort auf eine Anfrage von eurem PC gibt. Beispiel: Ihr klickt auf einen Link zu einer Website. Die Aktion, also der Klick auf den Link, wird zum Server gesendet, dieser reagiert und sendet die ersten Datenpakete für den Aufbau der Website.

Die Zeitspanne, die zwischen Klick und der Ankunft der ersten Dateninhalte vergeht, ist der Ping. Ein hoher Ping führt zu einer merkbaren Verzögerung und kann beim Cloudgaming auch zu matschigen Bildinhalten führen, hat aber nichts mit der eigentlichen Bandbreite zu tun - ein Videostream startet zum Beispiel verzögert, hat dabei aber eine konstante Übertragungsrate.

Man kann sich das so vorstellen, als ginge es nicht um einen Videostream, sondern ein Konzert, bei dem Leute in eine Konzerthalle gehen wollen. Die Eingangstore lassen es zu, dass pro Sekunde 100 Leute durchkommen. Das ist quasi die Bandbreite. Nun gibt es aber ein Foyer, durch das die Leute gehen müssen, um in die eigentliche Halle zu gelangen - die Dauer für das Durchschreiten des Foyers, zum Beispiel 10 Sekunden, ist eine Verzögerung, also quasi der Ping. In der Halle selbst bleibt es dabei, dass pro Sekunde 100 Leute das Innere erreichen. Aber es gibt eben die kleinere Verzögerung durch den Ping: Öffnen sich die Tore um 18:00 Uhr, dann sind die ersten 100 Leute zwar erst um 18:00 Uhr und 10 Sekunden in der Halle, aber trotzdem strömen die ganze Zeit über 100 Leute pro Sekunde in die Halle.

Bei einem guten Router kann man das Endgerät, welches für Cloudgaming gedacht ist, priorisieren. Dies ist nötig, wenn gleichzeitig noch andere Endgeräte auf das Internet zugreifen. Quelle: AVM FritzBox Bei einem guten Router kann man das Endgerät, welches für Cloudgaming gedacht ist, priorisieren. Dies ist nötig, wenn gleichzeitig noch andere Endgeräte auf das Internet zugreifen. Ihr könnt durch Test-Websites wie wieistmeineip allgemein die Werte für euren Internetzugang testen, und zwar inklusive des Pings. Dabei sendet der Test ein Signal zu einem Server und wartet die Antwort ab. Wenn dieser Wert nicht zu hoch ist, dann ist mit hoher Chance Cloudgaming bei euch möglich. Verwendet für einen solchen Test bitte nicht ein Onlinegame, denn der dort anzeigte Ping bezieht sich auf den Server dieses Games oder gar die Verbindung zu einem der Spieler, der die aktuelle Partie hostet. Der Ping ist nicht repräsentativ für euren Internetanschluss. Testet auch zu verschiedenen Uhrzeiten, denn vor allem abends kann es eine Beeinflussung des Pings durch Internet-Aktivitäten in der Nachbarschaft geben. Eine pauschale Aussage, welcher Ping zu schlecht ist, kann man nicht treffen. Allerdings würde ein Ping von 100 bedeuten, dass ihr 0,1 Sekunden Verzögerung erlebt - das bedeutet, dass jede eurer Aktionen, die ihr zum Beispiel per Gamepad ausführt, erst 0,1 Sekunden später am Monitor sichtbar wird. Für einige Spiele ist das noch ausreichend, für andere aber stellt dies bereits die Schwelle zur Unspielbarkeit dar.

Für Videostreams ist ein guter Ping wiederum nicht wichtig. Wenn das Video zum Beispiel wegen eines Pings von 500 um satte 0,5 Sekunden verzögert startet, dann aber jedes weitere Datenpaket dieselbe Verzögerung hat, bleibt es trotzdem bei einem gleichmäßigen Video-Datenstrom - genau wie in unserem Beispiel mit den Besuchern einer Konzerthalle. Bei Gaming aber braucht man einen guten Ping, da ja auch direkte Aktionen durch den Spieler erfolgen, deren Resultat man sofort auf dem Bildschirm sehen will.

Weiter geht's auf Seite 3!

  1. Seite 1 Cloudgaming: Worum es dabei geht
  2. Seite 2 Cloudgaming: Der Knackpunkt mit dem Ping
  3. Seite 3 Cloudgaming: Vorteile
  4. Seite 4 Cloudgaming: Cloudgaming-Anbieter Teil 1
  5. Seite 5 Cloudgaming: Cloudgaming-Anbieter Teil 2 und Fazit
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk