CPU-Upgrade: Ladezeiten und Fazit
SpecialIn der Regel rüstet man zuerst die Grafikkarte aus, wenn der PC in die Jahre kommt. Doch was wäre, wenn man eine fünf Jahre alte Radeon R9 290 behält und lediglich einen Prozessor wie den Core i7-4700 durch einen modernen AMD Ryzen 5 3600 ersetzt? Lohnt es sich für Gaming? Dies haben wir getestet und präsentieren euch unsere Erfahrungen.
Ladezeiten: Teils merkbare Vorteile
Einen Faktor, der wir vor dem Upgrade gar nicht so sehr auf dem Schirm hatten, sind die Ladezeiten. Diese sind bei einigen Spielen mit dem modernen Ryzen-Prozessor deutlich kürzer als mit unserer alten Intel-CPU. Unser Test-Spielstand von Hitman 2 lud mit dem Ryzen 5 3600 etwa 45 Prozent schneller, der von Civilization VI 40 Prozent schneller und ein Spielstand von Total War: Warhammer II etwa 12 Prozent schneller als mit unserem alten System.
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Auch Anno 1800 war mit dem Ryzen schneller bereit als mit dem alten Intel-Prozessor, und zwar um 28 Prozent. Bei The Witcher 3 und Kingdom Come: Deliverance hatten wir vor dem Hardwarewechsel keine Messung der Ladezeit durchgeführt, so dass wir keine genauen Werte aufgezeichnet haben - mit dem Ryzen 5 3600 wurden die Spielstände aber eindeutig merkbar fixer geladen. In allen Fällen waren die Spiele natürlich auf beiden Systemkonfigurationen auf dem gleichen Datenträger installiert, wobei wir eine SSD verwendeten.
Wichtig zu wissen: Bei auf Festplatten installierten Spielen könnte der Vorteil geringer sein, da der Anteil der Ladezeit, der mit dem Abrufen vom Datenträger zu tun hat, ansteigt. Die Festplatte reagiert nämlich deutlich langsamer beim Datenabruf. Etwas anschaulicher: Nehmen wir an, die CPU-Arbeit beträgt vor dem Wechsel 30 Sekunden. Bei einer SSD kommen 10 Sekunden pure Ladezeit dazu, bei einer Festplatte aber 30 Sekunden. Das macht Ladezeiten von 40 Sekunden (SSD) versus 60 Skeunden (Festplatte). Wenn nun eine neue CPU 15 Sekunden beim Entpacken der Daten und weiteren Dingen einspart, macht das bei der SSD prozentual gesehen fast 40 Prozent weniger Ladezeit aus, bei der Festplatte aber nur 25 Prozent.
Es zeigt sich also, dass der Ryzen 3 3600 beim Laden einer Spielewelt einen deutlichen Vorteil im Vergleich zu einem älteren Core i5 oder Core i7 haben kann, offenbar für den Fall, dass beim Laden viele Daten entpackt und sortiert werden müssen. Zuerst vermuteten wir, dass vielleicht auch die M.2-SSD auf dem modernen Mainboard schneller läuft als auf der Sockel 1150-Platine. Doch die Hälfte der Games, bei denen wir Ladezeit-Vorteile gemessen oder bemerkt haben, war gar nicht auf unserer M.2-SSD, sondern einer normalen SATA-SSD installiert.
Fazit: Eine wohlüberlegte Aufrüstung
Wir können kein allgemeingültiges Fazit ziehen, sondern müssen vielmehr genau differenzieren. Generell gilt, dass wir das festgestellt haben, was wir schon vermuteten: Der fünf Jahre alte Xeon ist immer noch gut genug, um bei den meisten Games nicht der Grund zu sein, warum bei einem bestimmten FPS-Wert Schluss ist. Vielmehr ist die Grafikkarte das, was unsere Spiele ausbremst. Schaffte schon der alte PC nur mit Mühe 40, 50 oder 60 FPS, so ist eine weitere Steigerung nur selten zu erwarten - es liegt eben daran, dass die Grafikkarte an ihre Grenzen stößt und eine stärkere CPU keinen Vorteil bringt, zumal der Xeon E3-1230 v3 ja bereits acht Threads bietet, was auch für moderne Spiele inklusive Multiplayer-Modi ausreichend ist.
Quelle: Firaxis Games
Civilization VI lud nach dem CPU-Upgrade merkbar schneller
In einigen Games gibt es aber klare und starke Leistungszuwüchse - vor allem da, wo auch die alte Hardware bereits 80 oder mehr FPS schaffte. Allerdings sind dies nur wenige Games, und je mehr Grafikdetails man aktiviert, desto kleiner wird der Vorsprung. In diesem Sinne sollte man mit einem PC, der unserem Intel-Setting ähnelt und ebenfalls eine Grafikkarte wie die AMD R9 290 verwendet, lieber zuerst eine neue Grafikkarte spendieren. Um euch einen Vergleich zu geben: Eine AMD R9 290 ähnelt von ihrer Leistung her einer AMD R9 390 und ist ein wenig langsamer als eine AMD RX 570. Auf Seiten von Nvidia lässt sich die AMD R9 290 mit einer GeForce GTX 970 vergleichen, eine GeForce GTX 780 ist ein wenig langsamer. Eine moderne Grafikkarte wie die GeForce GTX 1660 Ti ist beinahe doppelt so schnell wie die AMD R9 290 und kostet ab 260 Euro. Weitere etwa 30 Prozent mehr Leistung bringt eine AMD RX 5700 für 350 Euro.
Für die meisten Gamer dürfte für unser Szenario also eine neue Grafikkarte sinnvoller sein als ein CPU-Upgrade. Eine gute Sache sind zwar die Ladezeiten, die bei vielen unserer Testtitel merkbar schneller waren. Trotzdem sind die effektiv etwa 200 Euro, die das Upgrade kostet, eine zweifelhafte Investition, sofern es euch ganz klar eher um eine Leistungssteigerung im eigentlichen Spiel geht.
Quelle: PC Games
In Call of Duty: Black OP4 gab es bei Fiull-HD eine starke Steigerung
Wollt ihr eurem PC aber ohnehin eine neue, für die Zukunft geeignete CPU-Basis geben, vielleicht auch, da ihr neben Gaming noch andere Anwendungen nutzt, ist eine CPU wie der Ryzen 5 3600 trotzdem durchaus kein herausgeschmissenes Geld. Auch falls eure derzeitige CPU nicht mehr als vier oder sechs Threads bietet, macht es sogar durchaus trotz unseres nicht ganz so positiven Fazits Sinn, zu wechseln - denn in einigen Games, zum Beispiel im Multiplayer-Modus neuerer Battlefield-Titel, geht es mit acht oder mehr Threads erst richtig zur Sache. Von einem älteren Core i7 wie dem 3770K oder 4770 auf einen Ryzen 5 3600 umzusteigen ist aber nur dann zu empfehlen, wenn euch die kleinen Vorteile dies auch wert sind oder ihr auf einen speziellen Titel schielt, bei dem eine größere Steigerung nachgewiesen ist. Wer schnell mehr Gamingpower will und mindestens einen Core i5 oder Core i7 ab Sockel 1155 besitzt, sollte aber wie gesagt lieber an eine neue Grafikkarte denken.