Gotic-Remake: geheime Story im Trailer, unbeantwortete Fragen
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In seiner Kolumne analysiert Carlo Siebenhüner den neuen Trailer zum Gothic Remake und erklärt, warum die Neuauflage nun den richtigen Weg eingeschlagen hat
Es geht weiter, und im Trailer kommen wir nun vor dem großen Tor an, das die dunklen Schächte abgrenzt und vor dem aktuell ein Templer aus dem Sumpflager steht; auch er erkennbar an der originalgetreuen Rüstung. Das Tor ist zu diesem Zeitpunkt aber noch offen, denn der Trailer erzählt tatsächlich eine Art Vorgeschichte. Im Spiel verklickert uns Asghan vor ebendiesem Tor, dass man es deswegen verbarrikadiert habe, weil von dort immer wieder Minecrawler kommen und Buddler fressen würden. Und genau das passiert im Trailer. Zwei Buddler wagen sich in die Schächte und werden direkt von den Crawlern gefressen.
Respekt vor dem Original
Damit schließt der Trailer und lässt mich tatsächlich optimistisch zurück. Man merkt deutlich, dass man nicht mehr mit Gewalt Dinge einreißen und auf Biegen und Brechen neu bauen will. Im Gegenteil, es wird Fingerspitzengefühl und Respekt vor dem Original gezeigt. Hier muss man THQ Respekt zollen, denn dieser neue Trailer ist eindeutig für die Fans gedacht. Wenn man ein Spiel wie Gothic einer breiten Masse schmackhaft machen will, dann zeigt man keine Kamerafahrt durch eine Mine. So versteht niemand, dass es hier um ein Open-World-Rollenspiel geht, und das hat man an den verwirrten Kommentaren im Live-Chat zur Enthüllung des Trailers auch gesehen.
In diesem Artikel
Quelle: THQ Nordic / PC Games
Die Rüstungen der Gardisten sind nun endlich originalgetreu modernisiert
Doch um Fans zu zeigen, dass man nun nahe am Original bleibt, ist das der perfekte Weg. Die Mine ist ein kompakter Raum, den Spieler des Originals gut im Gedächtnis haben und wo es noch mehr auffallen würde, wenn man zu viel verändert. Die Entwickler sind also auf einem definitiv besseren Weg als noch im Teaser und wollen die Fans wieder auf ihre Seite ziehen. Doch das bedeutet nicht, dass wir hier dem Schattenläufer noch mal von der Kralle gesprungen sind.
Alkimia hat im Nachhinein auf Twitter erklärt, dass dies kein Rendertrailer, sondern tatsächlich In-Engine sei und zeigen soll, wie sie die Welt lebendig machen wollen. Am Ende ist es aber doch nur ein stimmiger Trailer, der die Atmosphäre abbildet, aber sonst wenig zeigt. Richtiges Gameplay gibt es weiterhin nicht und das ist der große Knackpunkt. Was haben die Entwickler zum Beispiel mit dem Kampfsystem vor?
Quelle: PC Games
Der Nebelturm in Gothic 1 war zwar betretbar, doch einen tieferen Sinn hatte er nicht. Dafür fehlte die Entwicklungszeit.
Bleibt es in dieser Hinsicht bei For Honor für Arme, wird es wie in einem Souls-like oder ganz anders? Schwer zu sagen, denn wenn man genau hinschaut, merkt man, dass die ganzen Charaktere im Trailer keine Waffen tragen. Offenbar ist hier also noch viel Arbeit zu erledigen.
Auch der restliche Aufbau des Spiels wirft noch Fragen auf. Im Trailer sieht man sehr viel mehr NPCs als früher, aber gibt es dann noch genug Wiedererkennungswert für wichtige Charaktere? Wie fügen sich neue Quests ins Spiel ein? Was ist mit den Schwächen und Lücken, die das Original-Gothic hat?
Ein vollständiges Gothic?
Piranha Bytes hatte damals viele Ideen, die aus Zeitgründen nie fertiggestellt wurden, aber als Fragmente im Spiel blieben. Den Nebelturm findet man noch in der Spielwelt und man kann darin Monster kloppen, doch einen tieferen Sinn hat das Gebäude schlussendlich nicht.
Unter dem Orklager sollte mal nicht nur ein Tempel sein, sondern eine ganze unterirdische Stadt. Dem Sumpflager merkt man ebenfalls an, dass dort im späteren Spielverlauf die Lagerquests ausgehen.
Was passiert mit diesen ursprünglichen Ideen von Piranha Bytes? Ist das vielleicht eine Chance, diese Dinge endlich zu vervollständigen? Doch solche Erweiterungen können auch schnell in die Hose gehen, wenn keiner der alten Hasen von damals wie Mike Hoge, Alex Brüggemann, Stefan Nyul oder Tom Putzki mit ihrem Verständnis von Gothic mit dabei sind.
Ihr seht also: Auch nach diesem Trailer stehen noch sehr viele Fragen im Raum, die das Remake beantworten muss. Doch weiß ich jetzt zumindest, dass die Entwickler die Atmosphäre des Spiels tatsächlich besser verstanden haben, als ich gedacht hatte. Das macht mir als Fan Hoffnung! Ich drücke wirklich die Daumen, dass die Entwickler von Alkimia weiter ihre Hausaufgaben machen, damit das Remake auch wirklich etwas wird. Denn ich steh' auf diese ganze Scheiße!
