Gotic-Remake: Können die das überhaupt?
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In seiner Kolumne analysiert Carlo Siebenhüner den neuen Trailer zum Gothic-Remake & erklärt, warum die Neuauflage nun den richtigen Weg eingeschlagen hat.
Spätestens nach dem Diego-Schock war ich mit dem Teaser und dem damaligen Konzept des Remakes von Gothic durch. Zu anders und zu weit entfernt waren die Ansätze, die Alkimia da plante. Dabei habe ich jetzt noch nicht mal von den anderen Dingen angefangen, bei denen ich ebenfalls die Stirn runzeln musste. Etwa beim Kampfsystem, das mit seinen verschiedenen Angriffsrichtungen stark an For Honor angelehnt ist. Das ist nett gemeint, aber meiner Meinung nach viel zu umständlich. Auch die Grafik ist zwar wirklich detailreich und schick, aber gleichzeitig ist alles so grell und bunt, da schmerzen einem die Augen, wenn man zu lange hinschaut. Meine Befürchtung damals war: Kann ein in Spanien ansässiges Studio, das die Sonne und das Meer vor der Tür hat, wirklich den Geist eines so urdeutschen Spiels in seiner grauen, düsteren Gestaltung einfangen?
Zeit für ein Lebenszeichen
THQ Nordic und der Producer des Remakes, Reinhard Pollice, sagen: "Ja!" Laut ihren Aussagen wurde der Teaser nach dem Feedback bis auf einige Assets weggeschmissen und man habe noch einmal komplett von vorn begonnen; diesmal sehr viel näher am Original. Man denke sogar darüber nach, die originalen Sprachaufnahmen wiederzuverwenden und nur zu erweitern.
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Das klingt nicht schlecht, doch so richtig hat mich das nicht überzeugt, denn nach der Demo ging man in den Informations-Winterschlaf über. Das ist logisch bei einem kompletten Neustart, nur war das, was den Fans weiter im Gedächtnis geblieben ist, der unsägliche Teaser. Deswegen war es höchste Zeit für das Lebenszeichen, das wir nun bekommen haben. Zwei Minuten geballte Atmosphäre mit einer Kamerafahrt durch die alte Mine, den ich mit euch detailliert durchgehen möchte.
Quelle: THQ Nordic
Die Fleischwanzen passen schon mal.
Wir starten mit der Nahaufnahme einer Fleischwanze, die saftig weggekickt wird und den Blick frei macht. Gothic-Veteranen sehen sofort, dass wir hier auf dem Vorplatz zur alten Mine sind, und allein dieser Fakt ist großartig. Da sind keine Schnörkel und es wurden keine großen Landstriche dazugedichtet. Trotzdem ist das neue Gebiet keine blanke Kopie. Wo im Original der Eingang zur Mine völlig verlassen ist, reichert Alkimia ihn mit Leben an.
Am meisten freut mich aber: Man erkennt endlich wieder, wer hier zu welcher Fraktion gehört. Vorbei sind die Zeiten von albernen Capes und Plattenrüstungen und zurück sind die klassischen Outfits mit nur leichten Anpassungen. Die Kamera bewegt sich weiter in den natürlich wirkenden Höhleneingang hinein, währenddessen spielt im Hintergrund eine modernisierte Version des ikonischen Gothic-Themes.
Willkommen in der Mine!
Hier gibt's dann einen Schnitt. Obwohl an dieser Stelle im Original eine der wenigen Ladezonen ist, hoffe ich, dass die Neuauflage die komplette Spielwelt nahtlos streamt. Das ging damals aus technischen Gründen nicht.
Unter Tage angekommen, hören wir die bekannte Hintergrundmusik der alten Mine. Links sehen wir den guten, alten Drake stehen, der vor seiner Brücke auf Neuankömmlinge wartet und im Hintergrund ist der Händlerstand von Santino gut zu erkennen.
Die Kamera stürzt sich nun todesmutig nach unten und zeigt das Stegesystem, das die Minenarbeiter über die Jahre nach unten gezogen haben. Im direkten Vergleich erkennt man natürlich eindeutige Unterschiede, doch wirkt das alles trotzdem originalgetreu modernisiert. Den Nebenschacht mit Aleph, Ians Zentrallager auf dem Mittellevel, all das erkennt man und es sieht gut aus.
Bevor wir in den Nebenschacht mit dem alten Stampfer abbiegen dürfen, macht der Trailer wieder einen Schnitt und wir sind ganz unten im Hauptschacht angekommen.
Quelle: THQ Nordic / PC Games
Die alte Mine im Vergleich zwischen Original und Remake
Man sieht die Mühle mit den Ork-Sklaven, Viper an seinem Schmelzofen, und auch hier steckt wieder viel Leben drin. Man sitzt am Feuer, man unterhält sich und man arbeitet. Hier versteckt dann aber auch eine meiner weiterhin vorhandenen Sorgen. Die Buddler schuften regelrecht bis zum Umfallen und werden von den Gardisten auch extrem angetrieben. Ja, es gibt Arschlöcher unter den Gardisten und ja, die Buddler stehen ganz unten in der Nahrungskette, jedoch sind sie keine Sklaven.
Sie arbeiten in der Mine, um genug Erz zu verdienen, damit sie eine Weile im alten Lager über die Runden kommen, doch es herrscht kein Zwang. Wer es schafft, als Buddler auf anderem Wege etwas zu verdienen, muss auch nicht in die Mine. Da ist mir die Darstellung im Trailer also noch etwas zu harsch, doch das ist Kritik auf sehr hohem Niveau.
