Gothic 3 wissentlich trotz schwerer Bugs zu veröffentlichen, ist eine Frechheit. Richtig dreist wird es, unliebsame Berichterstattung durch Drohanrufe und Zensur verhindern zu wollen.
Zensierte Zensur
Offensichtlich wusste Jowood schon lange vor dem Veröffentlichungstermin von den Gothic-Mängeln. Als wir im Juni 2006 eine große Vorschau über das Spiel machen wollen, bietet uns Jowood einen Vor-Ort-Termin in Bochum an. Für eine Titelgeschichte, so das Angebot, dürften wir »ausgewählte Abschnitte« spielen. Mitfilmen allerdings nicht, eigene Screenshots anfertigen ebenfalls nicht. Stattdessen bietet uns Jowood zehn vorgefertigte Bilder an. Die ersten fünf davon sehen Sie hier: alle sind ähnlich, für eine Titelstory völlig ungenügend.
Als Jowood auch noch darauf besteht, unseren Artikel vor Veröffentlichung auf »inhaltliche Richtigkeit zu prüfen und freizugeben«, sagen wir ab – wir lassen unsere Artikel grundsätzlich niemals nie nicht von Publishern oder Entwicklern absegnen.
Ärger mit der Mogelpackung
Dass Jowood gegen kritische Berichterstattung vorgeht, ist nichts Neues. Bereits in unserem allerersten Heft (12/2004, Seite 150, »Vorsicht, Mogelpackung«) monieren wir bei Jowoods Ski Racing 2005 die schlechtere Grafik, miese Steuerung, den unfairen Schwierigkeitsgrad und fehlendes Flair – und empfehlen stattdessen Ski Alpin 2005 von Publisher RTL. Auch da gibt’s riesigen Zoff, auch da droht Jowoods Marketingmann, auch da fordert er Wiedergutmachung, schickt sogar eine Excel-Tabelle: Hier hat er detailliert aufgeführt, wann PC PowerPlay zu welchem Jowood-Spiel wie viele Seiten und Titelgeschichten zu machen habe. Aber nicht nur wir: Auch unsere Schwestermagazine Games Aktuell, OPM2 und Play the Playstation bekommen Artikellängen und die Coverthemen detailliert vorgeschrieben.
Alle vier Hefte lehnen natürlich ab.
