Gothic 2: Die Fraktionswahl der Qual
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Gothic 2 wird 20 Jahre alt! Zum großen Jubiläum schauen wir zurück, was das Spiel so einzigartig macht und warum es auch heute noch so viel Spaß bereitet.
Wer aber in die hohen Ränge von Kampf, Magie und Co. aufsteigen und überhaupt in der Geschichte vorankommen will, muss sich einer Fraktion anschließen. Wie im Vorgänger stehen drei Lager zur Verfügung. Die Paladine, die Söldner und die Magier, die sich in ihren Spielweisen unterscheiden. Haut man als Söldner entweder mit Axt und Schwert drauf oder ballert mit Bogen und Armbrust, ist der Magier eher auf Zauber ausgerichtet und eine klassische Glaskanone. Macht richtig Schaden, hält aber selbst nichts aus. Paladine sind dann die Misch-Klasse, die auch eher im konventionellen Kampf unterwegs sind, aber dennoch Zugriff auf ein paar magische Runen haben.
Am größten unterscheiden sich die Fraktionen aber in der Einbettung in die Welt. Hat man in Gothic 1 noch gemerkt, dass die meiste Arbeit in den Weg des alten Lagers geflossen ist, sind in Gothic 2 alle Fraktionen gleichwertig ausgearbeitet. Paladin wird man da noch am leichtesten. Einfach zur Stadtwache rennen und sagen: "Hier bin ich!" und schon ist man dabei. Die Söldner sind primär für Gothic-Veteranen spannend, schließlich treiben sich auf Onars Hof eine Menge alter Bekannter aus der Kolonie herum.
Quelle: PC Games Hardware
Gothic 2: Piranha Bytes Meisterstück (10)
Da freut sich das Nostalgieherz.
Ganz abgefahren wird es dann bei den Magiern. Wie für eine Kirche üblich, knöpfen die einem erst mal 1000 Goldstücke ab! Allein das zusammenzukratzen, ist als Neuling schon ein Kraftakt. Obendrauf muss man auch noch ein Schaf mitbringen. Das Wollvieh von Bauernhof zum Kloster zu bugsieren, ohne aus Versehen in ein Rudel Wölfe zu rennen, ist ebenfalls ein Kunststück.
Hat man das geschafft, darf man endlich ins Kloster eintreten. Dort wird man zwar nicht eingesperrt, aber als Novize hält man sich eben eher innerhalb der Klostermauern auf und erledigt Handlangeraufgaben für die Magi... äh... die Gemeinschaft, bis man endlich zur Magierprüfung zugelassen wird. Dafür hat man als Priester des Feuers aber auch einen besonderen Stand in der Welt.
Meisterstück im Leveldesign
All dieser Aufwand auf die Gefahr, dass Spieler davon vielleicht gerade mal ein Drittel sehen werden. Wer sich für eine Gruppierung entscheidet, verschließt damit die anderen beiden Wege. Man muss Gothic 2 also theoretisch dreimal durchspielen, um wirklich alles zu sehen. Ein für damalige Zeiten enormer Wiederspielwert.
Dass Spieler bereit sind, das zu tun, kann aber nur funktionieren, wenn man sich mit der Spielwelt identifizieren kann und sich in ihr wohlfühlt - und hier liefert Piranha Bytes ein Meisterstück ab. Das fängt bereits bei der Gestaltung an. Khorinis ist ein gutes Stück größer als das Minental. Es fühlt sich aber sogar noch mal etwas größer an, als es eigentlich ist.
Quelle: PC Games Hardware
Gothic 2: Piranha Bytes Meisterstück (9)
Flächenmäßig ist das Eiland nämlich objektiv betrachtet ganz überschaubar. Durch cleveres Leveldesign reizt Piranha Bytes die Fläche aber maximal aus. Wenn man in Kapitel 3 vom Kloster zum Sonnenkreis aufbricht, ist das, von der Luftlinie her gesehen, eigentlich nur eine kurze Strecke. Zu Fuß latscht man aber gefühlt einmal über die halbe Insel und ist dann auch dementsprechend lang unterwegs.
Richtig auf fällt das aber nicht, denn die Entwickler verstehen es gekonnt, ihre Spuren zu verwischen. Obwohl man vielleicht nur eine Bergkette von der nächsten Siedlung entfernt ist, hat man als Spieler das Gefühl, dass man kilometerweit weg in der Wildnis ist. Erst wenn man sich die Ingame-Karte genauer anschaut, fällt der verschlungene Aufbau auf.
