Gothic 2: Nacht des Raben: Mit dieser Erweiterung wurde die Serie unsterblich!

Special Carlo Siebenhüner
Gothic 2: Nacht des Raben: Mit dieser Erweiterung wurde die Serie unsterblich!
Quelle: THQ Nordic

Die Erweiterung "Die Nacht des Raben" für Gothic 2 ist heute legendär. Wir blicken zurück, wie das Add-on die Gothic-Serie unsterblich gemacht hat.

Die Geschichte in Die Nacht des Raben spitzt sich angenehm zu, wenn wir uns an Ravens Fersen heften, und mündet in einem netten kleinen Rätseldungeon. Teilweise setzt das Spiel hier sogar gesammeltes Wissen des Erbauervolks voraus, dass wir uns als Spieler hoffentlich gemerkt haben; sonst sehen wir nämlich alt aus. Bei so einem Gamedesign fällt Ubisoft vor Schreck der Questmarker ins Fragezeichen auf der Map.

Am Ende wartet mit Raven der Bosskampf. Der ist zwar nicht sonderlich spektakulär in Szene gesetzt, aber dafür winkt eine fette Belohnung. Liegt der ehemalige Erzbaron im Dreck, schnappen wir uns die Klaue Beliars! Um dieses Relikt ging es nämlich die ganze Zeit, und anstatt Tod und Verderben über die Welt zu bringen, nutzen wir das Teil für unsere eigenen Zwecke. Die Klaue ist nämlich eine Waffe mit Bewusstsein, die sich an den Spieler anpasst.

Raven in Nahaufnahme Quelle: pcgames

War das alles?

Dafür muss man an einem dunklen Schrein Beliars beten und die Waffe im Tausch gegen Lebenspunkte aktivieren. Haben wir mehr Talent im Einhandkampf, dann wird sie zur Einhandwaffe. Sind wir eher Zweihänder gewöhnt, wird sie zur Zweihandwaffe. Der Schaden richtet sich nach dem Spielerlevel. Auch an Magier wurde gedacht. Die können sich statt der Klaue einfach magische Runen von Beliar organisieren.

Doch das war es dann leider schon mit der Jharkendar-Sause. Zwar packt man mit Die Nacht des Raben gut und gerne 20 bis 30 Stunden Spielzeit auf das schon umfangreiche Hauptspiel drauf. Die sind allerdings ungleich auf die ersten Kapitel verteilt. Man kann erst ab Kapitel zwei ins Add-on-Gebiet, allerdings wird man auch gezwungen, vor Kapitel 4 nach Jharkendar zu gehen.

Wenn man der Erweiterung also etwas ankreiden will, dann ist es dieses Ungleichgewicht. Während man direkt in den ersten zwei Sätzen mit dem Add-on konfrontiert wird, sieht man nach Abschluss der Story nicht mehr viel davon. Bis auf die Klaue Beliars und eine Handvoll Zusatzdialoge gibt es in den restlichen Kapiteln des Spiels keine neuen Inhalte mehr.

Die Klaue Beliars in Aktion Quelle: pcgames Was bleibt, sind dann nur das neue Balancing und leider ziemlich stressige Bosskämpfe mit den Drachen des Hauptspiels. Im Zuge der Balancing-Anpassung regenerieren die jetzt nämlich ihre Lebenspunkte und das kann ganz schön frustrierend sein. Trotzdem: Die Nacht des Raben ist eine fantastische Erweiterung, die sich sehr natürlich ins Hauptspiel einbettet.

Ignoriert man die Balancing-Änderungen, könnte man meinen, der ganze Aufbau war schon immer Teil des Spiels. Vor allem Kenner des Vorgängers bekommen obendrauf noch eine große Portion Nostalgie serviert.

Das Add-on wird ein Erfolg - dieses Mal endlich auch finanziell für das Studio. In einem Interview mit einer tschechischen Fanseite sagte der damalige Kopf hinter Gothic, Mike Hoge, dass sie mit Gothic 1 minus gemacht, mit Gothic 2 ihre Kosten gedeckt und mit dem Add-on schließlich endlich Gewinn eingefahren hätten. Ein wichtiger Schritt für das Studio und für die Marke Gothic, die sich anschließend aufmachen will, neue Höhen zu erreichen. Doch bevor das passiert, leistet Die Nacht des Raben noch einen weiteren großen Dienst für das lange Leben der Gothic-Serie.

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