Erst Nadel und Faden, jetzt Pixel und Bytes: Wie gut ist das Videospiel-Debüt des New Yorker Klamottenkönigs? Wir sagen's euch!
V ielleicht hätten sie jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt! Selten passte dieser bekannte Sinnspruch so genau wie hier. Vom Modemacher Marc Ecko ersonnnen, sollte das Graffiti-Adventure spielerische Brillanz mit jugendlichem Zeitgeist vereinen - sollte...
Und worum geht's? Im Mittelpunkt steht der dunkelhäutige Teenager Trane (ebenso bemüht wie nervtötend synchronisiert von Deutschrapper Afrob). Unser Jungspund kämpft nicht nur mit den Problemen der Pubertät, sondern auch mit einem tyrannischen Regime: Wer in New Radius (so heißt die digitale Metropole) auf Meinungsfreiheit pocht, wird von der Polizei verdroschen. Um seine Wut darüber zum Ausdruck zu bringen, geht Trane unter die Maler -- er pinselt Graffitis mit aufrüttelnden Botschaften an Häuserwände.
Ihr habt im Kunstunterricht meistens versagt? Keine Bange, für die virtuelle Zeichnerei ist null Picasso-Talent erforderlich: Schultertaste drücken, Analog-Stick schwingen - fertig ist die Sprühdoserei. Doch so sehr ihr euch auch anstrengt, die Ordnungsmacht findet wenig Gefallen am kreativen Vandalismus und ahndet solche Vergehen mit einer Knüppelmassage. Nur gut, dass Trane kein wehrloser Aktionskünstler ist: Wenn's hart auf hart kommt, lässt der Rebell krachende Kombo-Kinnhaken vom Stapel. Wird's besonders heikel, lassen sich auch Mülltonnen und herumliegende Bretter zweckentfremden.
Dennoch ist "Getting Up!" nicht nur ein Prügelspiel mit Pinseleinlagen. Vielmehr zockt sich das Ghetto-Märchen wie eine modernisierte Variante von "Prince of Persia". Zwischen den Schlägereien stehen nämlich immer wieder haarsträubende Kraxelpassagen auf dem Programm: So springt ihr von Hausdach zu Hausdach, hangelt euch an Rohren entlang und robbt über Fenstersimse - und das alles nur, um spektakuläre Graffiti-Plätze zu finden! TK
