Game of Thrones ist als Open-World-Spiel erschienen - und keiner hat es mitbekommen. Ist das auch gut so?
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Obwohl Game of Thrones: Kingsroad eigentlich das lange ersehnte Open-World-RPG in Westeros ist, redet so gut wie niemand über das Spiel. Warum? Und vor allem: zurecht?
Stellt euch vor, der Winter naht, und keiner geht hin! Man möchte meinen, ein "Blockbuster-Action-RPG" im immer noch populären Setting von Eis und Feuer müsste in der Gaming-Landschaft eigentlich ein Großereignis sein. Stattdessen wurde Game of Thrones: Kingsroad seit seiner Ankündigung auf den letzten Game Awards vor allem mit Desinteresse gestraft.
Der wahrscheinlichste Grund: Im Trailer waren die Logos von Apple, Android und dem koreanischen Handyspiel-Entwickler Netmarble zu sehen. Und bei solchen Vorzeichen ist bei vielen Spielern offenbar der Ofen aus, große Marke und PC-Version hin oder her.
Allerspätestens durch Diablo Immortal hat nämlich auch der letzte Mobile-Verweigerer mitbekommen, wie tief die Abgründe auf dieser Plattform geworden sind.
Game of Thrones kann keine Games - bis jetzt?
Dann ruft man sich noch ins Gedächtnis, für welche Perlen der interaktiven Unterhaltung die GoT-Lizenz sonst schon so hergegeben wurde, ich sage nur Game of Thrones: Motherf***ing (Anm. d. Red.) Slots Casino, und man kann jeden verstehen, der Kingsroad ohne mit der Wimper zu zucken direkt von der Agenda gestrichen hat.
Die Rechteinhaber HBO und Warner Bros. haben bisher, zumindest aus Spielersicht, kein gutes Händchen bei der Lizenzvergabe bewiesen - nach "richtigen", aber eher mittelmäßigen Titeln, wie dem RPG von 2012 oder Telltales Game-of-Thrones-Adventure, kam fast nur noch typischer Browser- und Mobile-Schrott, dem man ansieht, dass er für nichts anderes als den schnellen Taler gemacht wurde.
Oder genauer gesagt zum Abfischen von "Walen", also Spielern, die tausende von Euros investieren, weil sie nicht aufs Geld schauen müssen, oder weil sie anfällig für Glücksspielmechaniken sind und die Kontrolle über ihre Ausgaben verlieren.
Das ist bei Kingsroad allerdings anders, zumindest auf den ersten Blick. Die Absicht, mich auszunehmen wie eine Weihnachtsgans, springt mir nicht direkt ins Gesicht. Hier dreht sich keine Slotmaschine, es werden nirgends bunte Steinchen sortiert, und es sieht auch nicht aus, als würde es sich von selbst spielen.
Das waren auch die Gründe, warum ich Kingsroad im Auge behalten habe. Für ein Mobile-Spiel wartet Kingsroad mit ordentlicher Optik auf, das Gameplay erinnert an die modernen Assassin's Creeds, außerdem verspricht es eine Open World, die mir ganz Westeros offenlegt, und einen großen Fokus auf die Geschichte. Könnte das hier vielleicht doch das erste richtig gute GoT-Spiel sein, das keine Mod für Crusader Kings oder Mount & Blade ist?
Erste Schritte in Westeros und ein Funken Hoffnung
Aktuell ist Kingsroad in einer Early-Access-Fassung bei Steam verfügbar, und es muss ein Gründerpaket zwischen 25 und 90 Euro erworben werden, um reinstarten zu können. In laut Steam-Page "mindestens vier Wochen" soll das Spiel dann regulär veröffentlicht werden, und zwar kostenlos und neben dem PC auch auf iPhones und Android-Geräten.
Zu Beginn wartet ein kleiner Charaktereditor und die Wahl aus drei verschiedenen Klassen: Der Söldner kämpft mit Zweihandäxten, der Ritter mit Großschwertern und der Attentäter mit Doppeldolchen. Kingsroad hat ein recht simples Hack-and-Slay-Kampfsystem mit Ausweichrolle, Block, Parade und verschiedenen Spezialangriffen, die erst aufgeladen werden müssen.
Wer schon mal ein modernes Attentäter-Abenteuer aus dem Hause Ubisoft gespielt hat, weiß sofort, was Sache ist, nur dass GoT seine knappe Auswahl an Waffen und Spielstilen auf drei Klassen aufdröselt. Ich entscheide mich für eine Ritterin in glänzender Rüstung und werde mit einem kurzen Intro im rauen Norden von Westeros empfangen.
Quelle: Netmarble
Ich bin der Bastard und alleinige Nachkomme des kleinen Hauses Tyre, das nach meinen Lore-Recherchen auch eigens für Kingsroad erfunden wurde. Eine große Rolle spielen mein Vater und ich im Spiel der Throne allerdings nicht. Wir bewohnen eine halb verfallene Burg gleich südlich der Mauer und befinden uns in der Vasallenschaft der Herren von Winterfell.
Zum Zeitpunkt des Spiels sind das blöderweise gerade die Boltons. Ich stelle mich also schon einmal drauf ein, mich irgendwann mit dem zwielichtigen Roose und seinem schwerstgestörten Balg Ramsay herumschlagen zu müssen. Rosige Aussichten!
Zuerst verschlägt es mich allerdings in die Gebiete nördlich der Mauer, wo ich von Jon Snow höchstpersönlich mit der Aufgabe betraut werde, in den Sieben Königslanden die Kunde von der baldigen Ankunft der Weißen Wanderer zu verbreiten, natürlich inklusive dem inzwischen reichlich abgedroschenen Spruch "War. War never changes". Ach ne, stimmt, "Winter is coming" war das in diesem Universum. Lirum Larum.
Die Nachtwache braucht also die Unterstützung der Königshäuser für die nahenden Zombiehorden, und die Wildlinge unter der Führung von Mance Rayder stehen auch schon fast vor der Haustür. Wir befinden uns irgendwo in Staffel vier der TV-Serie, und der Name des Spiels ergibt sich aus seiner Struktur: Ich reise vom hohen Norden bis in den Süden den Königsweg entlang, stelle mich den Lords und Ladies der Häuser vor und versuche, sie für die Sache der Nachtwache zu gewinnen.
