Frostpunk 2: Dieses Spiel hat fast nichts mehr mit dem Vorgänger gemein - Und das ist fantastisch!
Test
Hinter Frostpunk 2 steht ein grundsätzlich anderes Spiel, als sein Vorgänger. Wir verraten im Test, ob das gut gehen kann.
Damit es gar nicht erst zum Ausnahmezustand kommt, haben wir verschiedene Mittel zur Hand. Der Zeitgeist, der die Ziele der Fraktionen bestimmt, zieht sich durch alle entscheidenden Systeme des Spiels. Gesetze richten sich immer in bestimmte Richtungen, aber auch in der Forschung haben wir meist die Wahl zwischen mehreren Optionen der gleichen Variante. Die haben dann unterschiedliche Vor- und Nachteile und die Gunst einer oder mehrerer Fraktionen hinter sich.
Günstige Gunst
Hält man also ein Gleichgewicht bei Forschung und Gesetzgebung, lassen sich die Gruppierungen auf den einfachen Schwierigkeitsgraden bereits in Schach halten. Außerdem können wir noch direkt auf die Fraktionen einwirken, indem wir Projekte von ihnen finanzieren oder ihnen den nächsten Ratsvorsitz versprechen. Dann darf die Partei das nächste Gesetz vorstellen, über das im Rat abgestimmt wird. Bei den Extremisten können wir uns aktiv gegen sie aussprechen oder sie sogar unterstützen.
Quelle: 11 Bit Studios
Im Gegenzug bieten die Gruppierungen auch Buffs bei großem Wohlwollen, die wir einsetzen können. Es kann sich also durchaus lohnen, aus einer kleinen Splitterpartei eine große Macht im Rat zu machen. Wird uns der ganze Demokratiezirkus zu viel, können wir aber auch zu drastischeren Maßnahmen greifen. Neben den regulären Gesetzen der Stadt können wir uns als Stellvertreter mehr Macht verleihen.
Alerta, Alerta
Diese autoritären Maßnahmen reichen von mehr Polizeipräsenz und Notstandsgesetzen über begleitetes Wählen und Propagandaministerien, bis hin zur Abschaffung der Demokratie und Wiederherstellung der vollen Autorität des Captains - und damit uns als Spieler. Allerdings ist das ein dunkler und beschwerlicher Weg. Einerseits braucht es für autoritäre Maßnahmen eine Zweidrittelmehrheit im Rat. Je weiter wir fortschreiten, desto schwerer wird es, die zu bekommen.
Andererseits werden die Bürger nicht dabei zusehen, wie sie Einfluss verlieren. Der Abschluss und vor allem der Einsatz solcher Maßnahmen kostet Vertrauen in der Bevölkerung. Wie im ersten Teil werden wir auch in Frostpunk 2 aus der Stadt geworfen, wenn das Vertrauen zu lange weg ist.
Gerade das Demokratiesystem hat es uns im Test wirklich angetan. Wir haben uns gefreut, wenn wir unsere bevorzugte Seite weiter ausbauen konnten und haben geflucht, als die Gegenseite wieder einen unsäglichen eigenen Vorstoß gemacht hat. Das Managen der Fraktionen benötigt immer wieder unsere Aufmerksamkeit und ist ein schöner Kontrast zu Aufbau und Ressourcenmanagement. Daher können wir auch darüber hinwegsehen, dass der Aufbaupart seinen Biss etwas verloren hat und es nicht mehr ums nackte Überleben geht.
Lahmes Lategame
Worüber wir allerdings nicht hinwegsehen können, ist die Langzeitmotivation und der Wiederspielwert. Im Gegensatz zum ersten Teil verzichtet Frostpunk 2 neben seinem Storymodus auf weitere Storyszenarien. Dafür ist von Anfang an ein freier Modus mit an Bord. Hier können wir auf sieben unterschiedlichen Karten mit verschiedenen Fraktionen auf vorher festgelegte Ziele hinarbeiten. Diese Ziele könnten allerdings nicht banaler sein. Erreiche eine bestimmte Bevölkerungszahl, besiedele das Frostland oder häufe einen riesigen Berg Ressourcen in der Stadt an und das war es auch schon.
Quelle: 11 Bit Studios
Dadurch geht dem Spiel im Lategame schnell die Puste aus. Haben wir den Forschungsbaum durchgeforscht, alle Gesetze erlassen und unser Spielziel erreicht, gibt es bis auf die weitere Expansion nichts mehr zu tun. Ein Monumentalbau oder andere Endgame-Inhalte, wie in Anno 1800 gibt es nicht. Der Wiederspielwert speist sich ausschließlich aus den verschiedenen Maps und den Fraktionen und das ist schlussendlich etwas wenig. Hier sollten die Entwickler in Zukunft mehr Anreize schaffen.
Abseits davon läuft das Spiel sauber. Uns sind während unseres Tests nur Kleinigkeiten aufgefallen. So haben manche Buttons erst nach mehrmaligem Klicken reagiert, die Sprache hat sich beim Spielstart immer wieder auf Englisch umgestellt und stellenweise haben wir noch Platzhaltertexte entdeckt. Das sollte sich aber hoffentlich schnell beheben lassen.
Ein gelungenes Experiment
Diese kleinen Makel sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, was für ein großartiges Aufbauspiel Frostpunk 2 schlussendlich geworden ist. Die 11 Bit Studios sind hier ganz bewusst ein Risiko eingegangen, um einen vollwertigen Nachfolger zu entwerfen, der nicht einfach nur mehr vom Gleichen bringt.
Das Experiment zahlt sich aus, denn herausgekommen ist ein Aufbauspiel mit frischen Ideen und ausgeklügelten Mechaniken, die dem Frostland eine ganz neue Facette verleihen. Frostpunk 2 ist eben anders und das wird nicht allen alten Fans gefallen. Doch wenn ihr mit Aufbauspielen, kniffliger Politik und eisiger Kälte etwas anfangen könnt, dann macht ihr hier nichts falsch. Transparenzhinweis: Für diesen Test wurde eine PC-Fassung des Spiels vom Entwickler bereitgestellt.
