Frostpunk 2: Dieses Spiel hat fast nichts mehr mit dem Vorgänger gemein - Und das ist fantastisch!

Test Carlo Siebenhüner
Frostpunk 2: Dieses Spiel hat fast nichts mehr mit dem Vorgänger gemein - Und das ist fantastisch!
Quelle: 11 Bit Studios

Hinter Frostpunk 2 steht ein grundsätzlich anderes Spiel, als sein Vorgänger. Wir verraten im Test, ob das gut gehen kann.

Startet man in eine neue Partie im Endlosmodus, hat man die Wahl aus sechs unterschiedlichen Gruppierungen. Um für Zündstoff zu sorgen, werden die aber in drei Gruppen eingeteilt, damit man immer gegensätzliche Gruppierungen in der Stadt hat. In der Kampagne greift das Spiel sogar unsere Entscheidungen des Vorgängers auf. Durch eine kleine Abfrage im Prolog finden wir später teilweise unterschiedliche Fraktionen in der Stadt.

Jede Stimme zählt

Dabei unterteilen sie sich in gemäßigte und radikale Gruppierungen. Stellenweise gründen sich die extremistischen Fraktionen auch erst während des Spielverlaufs aus den Gemäßigten. Das passiert meist, wenn die Bevölkerung unzufrieden ist oder wenn unser gesellschaftlicher Fortschritt verschiedene Denkweisen fördert.

Um diese neuen demokratischen Bestrebungen in geregelte Bahnen zu leiten, gibt es jetzt das Ratsgebäude im Zentrum der Stadt. Hier kommen alle Fraktionen der Stadt zusammen und beraten über Gesetze, die die Ausrichtung unserer Stadt maßgeblich beeinflussen. Soll etwa eine Schulpflicht für Kinder geschaffen werden oder bleiben die Jüngsten in der Obhut ihrer Eltern?

Auswahl im Gesetzesbildschirm Quelle: Medienagentur plassma Zu jedem Gesetzesentwurf sehen wir in einer kleinen Vorschau, wie viele Stimmen fest dafür, wie viele dagegen und viele noch unentschlossen sind. Jetzt können wir unser Glück natürlich direkt in der Abstimmung versuchen und darauf hoffen, dass die Mehrheit in unserem Sinne entscheidet.

Die Gesetze wirken sich dann auch im laufenden Spiel aus, in dem kleine Geschichten aufploppen, die uns die Konsequenzen unseres Handelns zeigen. So führt die Einführung von Alkohol und der Bau eines Vergnügungszentrums zwar zu einer Synergie, die uns mehr Geld bringt. Allerdings wird der Alkoholismus zunehmend zum Problem für uns und unsere Arbeitskraft. Teilweise können wir die Gesetze auch wieder ein Stück aufweichen - zum Unmut der betreffenden Fraktionen. Das hat uns richtig gut gefallen, da es uns ständig unsere Aktionen wieder vor Augen führt und wir sie trotzdem noch anpassen können.

PopUp mit Bürgergeschichte Quelle: 11 bit studios

Gelenkte Demokratie

Stellenweise stecken sogar grundlegende Gameplayelemente hinter Ratsentscheidungen. So müssen wir entscheiden, ob wir alle Fremden an unseren Türen willkommen heißen, nur die Produktiven reinlassen oder jeden abweisen, der zu uns kommt. Das regelt dann das Bevölkerungswachstum unserer Stadt. Über verabschiedete Gesetze kann später neu verhandelt werden.

Natürlich können wir bei den Gesetzen auch etwas nachhelfen. Gerade die Unschlüssigen können wir dazu überreden, für die von uns bevorzugte Richtung zu stimmen. Allerdings müssen wir dafür ein Versprechen abgeben, das wir anschließend erfüllen müssen, bevor ein erneutes Versprechen möglich ist. Das kann ein bestimmtes Gebäude sein, das wir erforschen sollen oder ein Gefallen in der nächsten Ratssitzung.

Eine Ratsabstimmung Quelle: 11 bit studios Brechen wir unsere abgegebenen Versprechen oder handeln wir entgegen den Überzeugungen der Fraktionen, kühlt das Verhältnis zu uns ab. Bei den gemäßigten Gruppierungen führt das zur Abwanderung in radikalere Gefilde. Bei den Radikalen steigern wir im schlimmsten Fallen den separaten Eifer, der in drei Stufen geregelt wird. Je höher der Eifer, desto fanatischer wird die Fraktion und desto schwerer wird es, sie wieder zum Umdenken zu bewegen.

Krieg den Palästen

Steigen Missmut und Eifer einer radikalen Fraktion, sorgt das für Spannungen in der Stadt. Die senken einerseits das Vertrauen in uns als Stellvertreter und andererseits entladen sie sich irgendwann in Form gewaltsamer Proteste. Spätestens dann brennt es in der Stadt, denn die Demos legen ganze Distrikte lahm und weiten sich sogar aus, wenn wir nicht handeln. Stellenweise werden sogar unliebsame Gebäude von der Fraktion einfach abgerissen.

Das Demokratie-System ist sehr mächtig und kann einen ebenfalls in eine Abwärtsspirale versetzen. In einer unserer Sessions waren zwar alle materiellen Bedürfnisse unserer Bevölkerung gedeckt. Allerdings war eine der Fraktionen so schlecht auf uns zu sprechen, dass ihre Anhänger auf die Barrikaden gegangen sind. Unsere Möglichkeiten zum Beschwichtigen waren erschöpft und so konnten wir nur noch dabei zusehen, wie die Stadt ihrem Ende entgegengeht.

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