Frontscheine im Retro-Special - Seite 2

Special David Benke
Frontscheine im Retro-Special - Seite 2
Quelle: Infogrames

Command & Conquer mit Ferkeln - was klingt wie ein Aprilscherz, entwickelte sich für das englische Studio Gremlin Interactive im Jahr 2000 zu einem absoluten Überraschungshit: Frontschweine. Wir blicken im Retro-Sepcial auf den Rundenstrategie-Klasisker zurück und klären, warum es auch heute noch so viel Spaß macht, seine Gegner zu Hackfleisch zu verwandeln.

Auch die Levels warten immer wieder mit kleinen Herausforderungen auf. Mal seid ihr in einem Tal eingekesselt und müsst euch gegen Scharfschützen verteidigen, die auf den umliegenden Bergspitzen sitzen. Mal liegt ihr in einem Geflecht aus Schützengraben und Minenfeldern. Mal springt ihr über Inselgruppen, die nur mit vereinzelten Brücken miteinander verbunden sind. Die Umgebungen könnt ihr aber auch zu eurem Vorteil nutzen. Wie die Würmer in Worms sind auch die Schweine in Frontschweine offenbar keine allzu guten Schwimmer. Stupst also ruhig mal eure Gegner hinterhältig ins Wasser und schaut dabei zu, wie sie gurgelnd untergehen, während ihr diabolisch lacht.

Apropos Lachen: Auch sonst sind Gefechte mit einigem Witz und wunderbaren Details versehen. Ihr könnt beispielsweise BSE-Granaten werfen, die eure Feinde hustend und schniefend zurücklassen. Hantieren eure Schweine mit schwerem Gerät oder hüpfen durch die Gegend, entfährt ihnen schon mal ein kleiner Furz. Wenn ihr euch direkt vor einen Gegner stellt und mit dem Bajonett ausholt, fängt er an zu wimmern und sich schützend die Hände vors Gesicht zu halten. Da hat man schon fast ein wenig Mitleid mit den armen kleinen Schweinchen, bevor man sie dann doch verwurstet.

Vom Frischling zum Kampfkeiler

Frontschweine im Retro-Special: Ballern, bis die Schwarte kracht! (3) Quelle: PC Games Frontschweine im Retro-Special: Ballern, bis die Schwarte kracht! (3)

Auch das eigene Bataillon wächst einem über den Spielverlauf immer mehr ans Herz. Das liegt besonders an den umfangreichen Anpassungsoptionen. Eurem Team und seinen Mitgliedern dürft individuelle Namen geben. Ihr könnt euren Schweinen sogar zu einer militärischen Karriere verhelfen. Für jede erledigte Mission, aber auch für Zusatzherausforderungen wie das Abschließen eines Auftrags ohne Verluste, bekommt ihr Orden spendiert, mit denen ihr eure Kampfkeiler verbessern könnt.

Dabei stehen vier Zweige zur Auswahl: Artillerie, Pionier, Sanitäter und Geheimdienst. Jede Klasse hat ein anderes Outfit, andere Lebenspunkte, Waffen und Fertigkeiten. Der Pionier hantieren mit TNT, der Sanitäter spendiert Kameraden mit seinen heilenden Händen einen Gesundheitsboosts und der Spion verkleidet sich als Baum. Außerdem gibt es für jede Klasse nochmal weitere Beföderungen, bis ihr irgendwann sogar mit Fallschirmjäger-Ferkeln Tod auf eure Gegner niederregnen lassen könnt.

Auf der Gegenseite sind aber natürlich auch eure eigenen Schweinchen nicht vor dem virtuellen Ableben gefeit. Gehen sie in Missionen zu oft über die Wupper, holt sie sich der Permadeath. Dann müsst ihr mit einem untrainierten Freischling von vorne starten. Das ist besonders ärgerlich, wenn man bereits mehrere Orden in eine Figur investiert hat, aber auch kaum zu verhindern. Irgendjemand wird in den insgesamt 25 immer schwieriger werdenden Missionen immer draufgehen. Das hat der Krieg leider Gottes so an sich.

Mehr Spieler, mehr Spaß

Habt ihr schließlich alle Aufträge durch könnt ihr euch noch schön in einer letzten Cutscene feiern lassen: Glückwunsch, ihr habt gewonnen! Zumindest für erste. Denn der Krieg ist nie vorbei. Wenn es mal keinen gibt, dann zettelt jemand ganz einfach einen an! Ein starkes Statement der Entwickler: gegen Konflikte, für den Frieden. Oder die perfekte Überleitung für den Mehrspieler-Modus.

Frontschweine könnt ihr an einem PC oder einer Konsole mit bis zu drei Freunden lokal zusammenspielen. Oder ihr tretet in kleinen Scharmützeln gegen die KI an. Zur Auswahl stehen eine Reihe von Extra-Karten, sogar hinterm Mond oder auf einer riesigen Spieldecke könnt ihr antreten. Alternativ baut ihr euch mit Hilfe eines rudimentären Editors einfach selbst eine Spielwelt zusammen. Klar, die Optionsvielfalt eines Worms vermisst man hier ein wenig. Es gibt keine Einstellungen für Item-Spawns, Lebenspunkte oder Ähnliches. Aber für ein paar spaßige Runden reicht es allemal. Auch heute noch!

Frontschweine im Retro-Special: Ballern, bis die Schwarte kracht! (4) Quelle: Youtube.com / Pinstripe Frontschweine im Retro-Special: Ballern, bis die Schwarte kracht! (4)

Denn selbst 20 Jahre und eine gescheiterte Fortsetzung später erfreut sich Frontschweine noch immer einer extrem leidenschaftlichen Fan-Base. Die finanzierte via Kickstarter eine Karten- und eine Brettspiel-Umsetzung. Sie stellte eine kompetitive Online-Liga auf die Beine. Und sie versorgt das Original regelmäßig mit neuem Content. Diverse Community-Mods verleihen dem Rundenstrategie-Klassiker zusätzliche Missionen, neue Waffen und eine bessere KI.

Sogar eine komplette Remaster-Version des Spiels befindet sich aktuell in Entwicklung. Seit März 2019 werkelt eine Gruppe Studenten der Universität Sheffield unter Leitung ihres Professors und ehemaligen Frontschweine-Entwicklers Jake Habgood an Hogs of War: Reheated. Mit Hilfe einer neuen Engine will man dem Titel ein grafisches Upgrade, eine UI-Überarbeitung, verfeinertes Gameplay und ein paar weitere kleine Extras spendieren. Aktuell steckt das Projekt aber immer noch in der Pre-Alpha-Phase. Als nächster Schritt ist erst mal eine Finanzierungskampagne via Kickstarter geplant. Ein Release für PC und Konsolen ist noch nicht abzusehen. Aber bis dahin lässt sich ja auch problemlos noch das Original genießen...

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