Hogs of War Lardcore: Wie steht es um die Neuauflage von Frontschweine?
Special
Vom Studienprojekt zum offiziell lizenzierten Remaster: Ein kleines Team aus Sheffield arbeitet seit nunmehr vier Jahren an Hogs of War Lardcore, einer Neuauflage des PS1-Klassikers Frontschweine. Wir haben mit Community Manager Owen Mason-Burns über den aktuellen Stand der Entwicklung gesprochen und gefragt: Wann können wir mit einem Release für die PlayStation 5 rechnen?
Schweine kämpfen mit anderen Schweinen in der Schweinebucht um die Vormacht über den Schweinefraß. Mit dieser ziemlich irren Prämisse feierte Frontschweine zu Beginn der 2000er einen absoluten Überraschungserfolg. Der Strategie-Titel des britischen Studios Gremlin Interactive überzeugte nicht nur mit jeder Menge Witz und Charme, sondern auch mit einem richtig spaßigen Spielprinzip: Worms in 3D, quasi. Ihr steuert also eure Schweinchen in Rundenmanier über eine Karte, wählt aus einer Reihe von Waffen und macht euren Widersachern ordentlich Feuer unter der Schweinelende!
2008 wurde schließlich eine Fortsetzung der Mehrspieler-Sause angekündigt, bis April des Folgejahres hätte Frontschweine 2 für Wii, Nintendo DS, PlayStation 2 und den PC erscheinen sollen. Aufgrund interner Unruhen bei Publisher Infogrames, der zu der Zeit mit der Übernahme von Atari beschäftigt war, wurde das Projekt aber schließlich still und leise eingestellt. Seither ist es die Aufgabe der Fans, sich um das Erbe von Frontschweine zu kümmern. Und das tut sie mit einer enormen Leidenschaft: Über die vergangenen 15 Jahre wurde ein Haufen an Community-Mods veröffentlicht, die den Titel um teils komplett neue Inhalte erweitern. Es gibt eine selbstorganisierte Multiplayer-Online-Liga mit kompetitiver Rangliste und sogar eine Remaster-Version befindet sich aktuell in Arbeit!
Die wurde im März 2019 unter dem Titel Hogs of War Reheated für die PlayStation 4 angekündigt. Das ist mittlerweile aber auch schon wieder vier Jahre her. Was hat sich in der Zwischenzeit also getan? Wir haben uns mit den Entwicklern auf ein Interview getroffen und geklärt, wie es um das Projekt aktuell steht.
Freizeit-Projekt zu Vollzeit-Job
Die Geschichte des Frontschweine Remaster beginnt weit vor 2019, an der Sheffield Hallam University. An der unterrichtet in der Fachschaft Informatik ein Mann namens Jacob Habgood, seines Zeichens der Lead Programmer des Frontschweine-Originals. In einem seiner Kurse nutzte Habgood die Code-Base seines einstigen Werks als Lehrmaterial. Was wiederum einen seiner Studenten dazu anstachelte, im Rahmen seiner Masterarbeit PS1-Assets des Spiels auf die PS4 zu portieren. Und so war Hogs of War Reheated geboren.
Von dort an nahm das Projekt immer mehr Fahrt auf und verselbstständigte sich schließlich. Durch eine offizielle Zusammenarbeit mit den Frontschweine-Rechteinhabern wurde aus dem Hobby-Projekt ein offiziell lizenziertes Remaster. Aktuell arbeitet ein sechsköpfiges Team aus Programmierern, Künstlern und Level-Designern daran, dem PS1-Klassiker ein modernes Facelifting zu verpassen. Aus Freizeit-Spaß wurde Vollzeit-Job.
Was den Entwicklern dabei enorm wichtig ist: Bei Hogs of War Lardcore, wie das Spiel mittlerweile heißt, handelt es sich nach wie vor explizit um ein Remaster, kein Remake! Das Spiel wird nämlich nicht von Grund auf neu gebaut. In Sachen Engine setzen die Macher zwar auf eine komplette Eigenkreation, die wird allerdings vom ursprünglichen Code angetrieben. Die Ingame-Logik und die Mechaniken, die unter der Haube werkeln, sind daher immer noch dieselben wie im Jahr 2000.
Grafik von heute, Gameplay von damals
Im Grunde ist daher auch das Kern-Gameplay des Spiels komplett unverändert geblieben. Wenn man Lardcore jetzt spielen könnte, würde man direkt merken, dass man Frontschweine spielt. Es ist das gleiche Spielgefühl wie damals, nur leicht verfeinert und mit schönerer Verpackung.
An der Optik lassen sich die meisten Veränderungen festmachen. Die Nutzeroberfläche wurde beispielsweise an heutige Standards angepasst.
Quelle: UrbanScan
Ingame-Modelle für Fahrzeuge, Waffen und auch die Frontschweine selbst erstrahlen dank neuer Rendering-Technologie in frischem Glanz. Echten Hardcore-Fans wird wahrscheinlich auffallen, dass die Spielfiguren deutlich anders aussehen als anno dazumal. Sie stecken aktuell noch ein wenig in der "Cutesy"-Phase fest, wie es die Entwickler nennen. Sie wirken also noch wie süße knuffige Frischlinge, nicht wie gestählte Kampf-Keiler. Das Design ist allerdings noch lange nicht final, heißt es von den Verantwortlichen. Alle bisher gezeigten Szenen sind noch Work in Progress. Da kann und wird sich in den kommenden Monaten noch einiges ändern. Gleiches gilt für die überarbeiteten Partikel- und Licht-Effekte.
Lässt man den Blick ein wenig schweifen, bemerkt man weitere nette Details: Über Wasserflächen sammelt sich jetzt leichter Dunst. Einzelne Grashalme sind jetzt animiert, keine platte Textur mehr. Hier und da fliegen sogar ein paar Schmetterlinge durch die Gegend. Die Levels verfügen zudem über eine ausgearbeitete Skybox, Landschaften jenseits der begehbaren Karte sind deutlich umfangreicher. Im Hintergrund ist mehr los. So wirken die Welten noch größer und lebendiger.
Abseits der Grafik warten noch andere technische Verbesserungen: Ladezeiten sind merklich kürzer. Einige neue Funktionen, die es im Original nicht gab, sorgen für Extra-Komfort. Im Remaster könnt ihr beispielsweise den Fortschritt inmitten einer Mission speichern, das Spiel schließen und dann später weitermachen. Das war überfällig!
