Frontschweine im Retro-Special: Ballern bis die Schwarte kracht!

Special David Benke
Frontschweine im Retro-Special: Ballern bis die Schwarte kracht!
Quelle: Infogrames

Command & Conquer mit Ferkeln - was klingt wie ein Aprilscherz, entwickelte sich für das englische Studio Gremlin Interactive im Jahr 2000 zu einem absoluten Überraschungshit: Frontschweine. Wir blicken im Retro-Sepcial auf den Rundenstrategie-Klasisker zurück und klären, warum es auch heute noch so viel Spaß macht, seine Gegner zu Hackfleisch zu verwandeln.

Worms, aber in 3D-Grafik und mit Ebern statt Würmern. Wenn man Frontschweine in einem Satz beschreiben müsste, dann wäre es wahrscheinlich genau der. Allerdings gibt es über das Rundenstrategie-Spiel aus dem Jahr 2000 natürlich noch so viel mehr zu sagen: Dass es eine wirklich gelungene Vertonung hatte, zum Beispiel. Oder einen wunderschön bissigen schwarzen Humor. Deshalb schauen wir uns den Klassiker heute im Retro-Special nochmal näher an und klären: Warum macht es so viel Spaß, seine Gegner wortwörtlich zu Hackfleisch zu verwandeln? Und warum hat diese Sauerei auch heute noch so viele leidenschaftliche Fans?

Zu Beginn räumen wir aber zunächst einmal ein großes Missverständnis aus dem Weg: Ja, Frontschweine (jetzt kaufen ) sieht natürlich wie eine Kopie von Worms aus. Tatsächlich war die Inspiration aber eine komplett andere. Einer Legende nach war der Chef des Entwicklerstudios Gremlin Interactive Ende der 90er im Kino, um sich ein "Schweinchen namens Babe" anzuschauen, und danach so begeistert, dass er tags darauf vorschlug, ein Spiel mit Schweinen zu machen. Also warf man einen kurzen Blick in die Charts, um zu sehen, was gerade so in war. Die 90er waren ja bekanntermaßen die Hochzeit der Echtzeitstrategie-Spiele. Und voila, fertig war der Pitch: Command & Conquer, aber mit Ferkeln!

Darüber hinaus orientieren sich die Macher aber noch an vielen anderen Werken, beispielsweise an Blackadder Goes Forth, einer Comedy-Serie der BBC mit Mister-Bean-Darsteller Rowan Atkinson in der Hauptrolle. Die übt mit zynischem Humor Kritik am Ersten Weltkrieg und der Rolle, die das britische Empire darin einnahm. Auch Monty Python stand öfters Pate. Das ging sogar so weit, dass der Intro-Song von Monty Python and the Flying Circus auch im Intro von Frontschweine spielt.

Der Kampf um Schweinefraß

In dem werdet ihr dann auch relativ klar darauf eingestimmt, was euch in den kommenden Stunden erwartet: KRIEG! Erbarmungsloser, grausamer Krieg! Schweine kämpfen gegen andere Schweine um die Kontrolle von Schweinefraß. Denn wer den Schweinefraß hat, hat die Macht! Ihr kämpft euch im Laufe der Kampagne also einmal durch Saustallasien, eine Inselgruppe im Südpigzifik, um die knappen Vorkommen zu sichern. Bei Abstechern nach Kap Keilerkopf oder Schwartistan wird dann aber recht schnell wieder klar: Ohne ein Augenzwinkern kommt nichts in Frontschweine aus. Manchmal hat man sogar den Eindruck, die Entwickler hätten untereinander eine Wette am Laufen gehabt, wer unbemerkt die meisten dummen Wortwitze im Spiel unterbringen kann.

Frontschweine im Retro-Special: Ballern, bis die Schwarte kracht! (2) Quelle: PC Games Frontschweine im Retro-Special: Ballern, bis die Schwarte kracht! (2) Das zeigt sich auch bei den insgesamt sechs spielbaren Fraktionen, die alle unterschiedliche Nationen aufs Korn nehmen: Es gibt die russischen Grunzkovskis, die amerikanischen Beefy Boys, die britischen Fish'n'Ribs, die chinesischen Bonsai-Quieker, die deutschen Eisbeine und Porc au Vin aus Frankreich. Die sind alle schön farblich voneinander abgegrenzt. Auch die Outfits unterscheiden sich, je nach Herkunft: Die Eisbeine kommen natürlich stilecht mit Pickelhaube daher.

Ja ne, is klar!

Ein besonderes Schmankerl ist allerdings die Vertonung. Jede Gruppe glänzt mit einem eigenen Sprüche-Repertoire, das eure Schweinchen zum Start und zum Abschluss einer Runde zum Besten geben - Dialekte inklusive. Die Eisbeine bestehen beispielsweise aus Ossis, Berliner Jungs oder Ruhrpott-Originalen, die auch mal ein beherztes "Isch könnte jetzt auf Schalke sein" raushauen. Die Beefy Boys werfen mit Hollywood-Zitaten von Rambo und John McLain durch die Gegend. Und die Grunzkovskis klingen wie der typische Bond-Bösewicht aus der Sowjetrepublik.

Allgemein muss man zugeben: Hier und da ist Frontschweine schon sehr stereotyp. Da tragen auch die Charakternamen wie Grunz-Lie, Speckov oder Filet ihren Teil zu bei. Weil am Ende aber jeder sein Fett wegbekommt, wirkt das Ganze immer fair, nie beleidigend oder so, dass man gar eine Debatte über politische Korrektheit lostreten müsste.

Saustarke Strategie

Frontschweine im Retro-Special: Ballern, bis die Schwarte kracht! (6) Quelle: PC Games Frontschweine im Retro-Special: Ballern, bis die Schwarte kracht! (6) Aber, Schluss mit lustig. Kommen wir zum ernsten Teil von Frontschweine, den Kämpfen. In denen übernehmt ihr eine Fünfertruppe, die auf dem Schlachtfeld abgeworfen wird. Da ist es dann eure Aufgabe, das gegnerische Geschwader auszuschalten. Das geht in ganz klassischer Rundenstrategie-Manier: Beide Seiten sind jeweils abwechselnd am Zug und haben 90 Sekunden Zeit, um irgendwas Sinnvolles mit ihrem ausgewählten Charakter anzustellen. Ihr könnt ihn über die Karte scheuchen, Umgebungsgegenstände wie Medi-Packs und Waffenkisten aufsammeln oder ihn in einem sicheren Bunker parken. Mit einem Angriff endet dann der Zug.

Das klingt in der Theorie vielleicht recht simpel, entpuppt sich in der Praxis aber als durchaus anspruchsvoll. Die verschiedenen Waffen von der Bazooka bis hin zu Handgranate sind nämlich gar nicht so einfach zu bedienen. Ihr bekommt keine Flugbahn angezeigt, sondern nur eine Leiste, die euch sagt, mit wieviel Schmackes ihr euer Geschoss abfeuert. Ihr müsst eure Angriffe also immer wieder richtig dosieren, sonst geht der Schuss ins Leere.

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