Freelancer: Die Weltraum-Simulation im Retro-Special

Special David Benke
Freelancer: Die Weltraum-Simulation im Retro-Special
Quelle: Digital Anvil | Microsoft

Happy Birthday, Freelancer! Die Weltraumsimulation von Chris Roberts begeht in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag. Wir feiern im großen Retro-Special mit.

Auch das Missionsdesign ist aus heutiger Sicht nicht mehr zeitgemäß. Um in der Story voranzukommen, verlangt Freelancer von euch, dass ihr eine bestimmte Menge an Kohle scheffelt. Nach jeder Hauptmission ist also erst einmal Grinding angesagt - und zwar mit den immer gleichen Aufgabentypen. Ihr springt von Wegpunkt zu Wegpunkt und ballert unterwegs einfach stumpf ab, was euch vor die Flinte kommt: Schiffe, Basen, Schmuggelware. Missionen, in denen kein einziger Laser abgefeuert wird, sucht man vergeblich.

Aber das kann Freelancer eben richtig gut: knallharte Weltraum-Action. Das zeigt sich auch an der umfangreichen Schiffsanpassung. Euch stehen drei verschiedene Typen zur Auswahl: leichte Jäger, schwere Jäger und Frachter - jeweils in verschiedenen Stufen. Die könnt ihr wiederum mit Raketen, Torpedos, Minen und diversen Energiewaffen ausstatten. Die sind unterschiedlich stark gegen die drei vorhandenen Schildtypen. Hier ist also eine taktische Zusammenstellung des Arsenals gefragt.

Das Menü eines Waffenhändlers Quelle: PC Games Wer nicht gut ausgerüstet ist, wird in Freelancer nämlich gnadenlos abgeschossen. Das Weltraumabenteuer zeigt sich auch nach 20 Jahren noch immer ziemlich anspruchsvoll. Automatischen Speicherpunkte sind zwar großzügig verteilt. Denselben Abschnitt immer und immer wieder spielen zu müssen, wirft gelegentlich aber schon die Frage auf, warum es keinen frei wählbaren Schwierigkeitsgrad gibt. Wer's leichter haben will, kann höchstens die Spieldateien mittels Editor anpassen und so den Anspruch etwas runterdrehen - oder sich gleich komplett unbesiegbar machen.

Wie "abandoned" ist Freelancer?

Ihr seht: Es gibt viel zu tun in Freelancer. Und wir haben noch gar nicht über den Multiplayer gesprochen! Wer will, kann sicher per LAN mit Freunden zusammentun oder findet über einen Serverbrowser Mitspieler zum gemeinsamen Erkunden, Questen und Kohlescheffeln. Bis ihr schwarz werdet! Der Mehrspieler-Part hat leider kein konkretes Ziel, ihr seid größtenteils euch selbst überlassen. Das dürfte neben dem Alter einer der Gründe sein, warum heutzutage kaum noch jemand in den virtuellen Weiten unterwegs ist.

Ein anderes Problem ist natürlich die Verfügbarkeit von Freelancer. Das Spiel im Jahr 2023 noch zu bekommen, gestaltet sich durchaus schwierig. Es lässt sich zwar kostenlos auf Abandonware-Seiten herunterladen. Das ist aber eher semi-legal. Denn wirklich "abandoned" ist Freelancer nicht. Die Rechte an der Marke liegen weiterhin bei Microsoft. Die machen aber keine Anstalten, mit der Lizenz irgendwas Produktives anzustellen. Aktuell lässt sich das Weltraum-Epos in keinem einzigen Online-Store kaufen, auch, wenn sich GOG in dieser Hinsicht enorme Mühe gegeben haben soll. Der einzige offizielle Weg ist also, irgendwo auf dem Gebrauchtmarkt zuzuschlagen, wo eine CD auch schon mal bis zu 30 Euro kostet. Ein stattliches Sümmchen.

Modding macht's möglich!

Immerhin, komplett kostenlos dazu gibt es zahlreiche Patches der Community. Wir haben für dieses Video die Freelancer HD Edition gezockt. Die hat sich auf die Fahne geschrieben, jeden Aspekt des Spiels zu verbessern, sich bei Optik und Spielgefühl aber so nah wie möglich ans Original zu halten. Heißt im Klartext: Ihr bekommt hochaufgelöste HD-Texturen, aufgepeppte Effekte, zusätzliche Komfortfeatures, ein übersichtlicheres HUD, kleinere Bugfixes und noch einiges mehr. Inhaltlich verändert das "All-in-One"-Paket aber nichts. Es ist also ohne Probleme Multiplayer-kompatibel.

Wer noch mehr aus dem Weltraumabenteuer rausholen will, der greift am besten bei der Crossfire-Mod zu, die sowohl den Einzel- als auch den Mehrspieler-Modus deutlich erweitert. Die Entwickler gehen sogar so weit, ihr Projekt als das inoffizielle Freelancer-Sequel zu bezeichnen. Ein Titel, der durchaus gerechtfertigt ist, wenn man sich die Details näher anschaut.

Crossfire fügt dem Spiel eine komplett neue Storyline hinzu, die ihr nach dem Ende der Haupthandlung angehen könnt. In deren Rahmen wurde das virtuelle Universum starkexpandiert: Es gibt zehn zusätzliche Story-Kapitel und über 10.000 Nebengeschichten inklusive neuer Voicelines, 160 neue Planeten und Raumstationen, 13 neue Faktionen, acht neue Rassen und über 290 neue Schiffe.

Zusammen mit einer dynamischeren Spielwelt, einer überarbeiteten KI und Umgebungszerstörung ergibt sich ein unfassbar umfangreiches Gesamtpaket, was sich auch bei der Dateigröße der Mod bemerkbar macht: War das Originalspiel noch ein knappes Gigabyte groß, verlangt die Erweiterung das Sechsfache an Speicherplatz. Dafür verwandelt sie Freelancer aber auch in ein echtes Content-Monster, mit dem man sich auch heute noch gut die Zeit vertreiben kann, bis Chris Roberts' nächstes Projekt irgendwann mal fertig ist.

Ihr habt Lust auf noch mehr Sci-Fi-Action? Dann schaut euch doch mal unser anderes Retro-Special zu Chris Roberts' Starlancer an! Eine ordentliche Portion Weltraumsimulation in modernem Gewand findet ihr in unserem Test zu Chorus oder in unserem Early-Access-Check von Everspace 2. Viel Spaß beim Lesen!

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