Freelancer: Die Weltraum-Simulation im Retro-Special

Special David Benke
Freelancer: Die Weltraum-Simulation im Retro-Special
Quelle: Digital Anvil | Microsoft

Happy Birthday, Freelancer! Die Weltraumsimulation von Chris Roberts begeht in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag. Wir feiern im großen Retro-Special mit.

Lobend hervorheben muss man auch die Ästhetik des Spiels. Beim Design haben sich die Entwickler augenscheinlich von Fotografien der NASA inspirieren lassen, die unseren Kosmos in seiner vollen Pracht darstellen. Als Resultat zeigt sich auch der Sternensektor von Digital Anvil überraschend bunt und farbenfroh. Euch erwartet keine langweilige Science-Fiction-Vision, kein kalter leerer Weltraum. Glitzernde Sterne, vereiste Meteoriten, Nebel, Staub- und Gaswolken bieten euch als Hintergrundkulissen ordentlich was fürs Auge.

Aber auch die Abschnitte, die ihr tatsächlich durchfliegen könnt, überzeugen durch Abwechslung: Schutt- und Asteroidenfelder, Space-Stationen auf riesigen Asteroiden, und natürlich die Planeten der unterschiedlichen Systeme. Die sind alle nach realen Nationen benannt und gestaltet. Es gibt also etwa das System Bretonia, modelliert nach Großbritannien zur Viktorianischen Ära. Hier dominieren Backsteingebäude, Buntglasfenster und Gargoyles. Und es schifft natürlich die ganze Zeit.

Der Protagonist steht im Eingang einer Bar Quelle: PC Games Das System Kusari orientiert sich an der japanischen Kultur zur Zeit der Shogune. Hier erwarten euch Geisha-gleiche Statuen, bunte Papierlampions und verschlungene Schriftzeichen. Im Hintergrund plätschert Teehausmusik vor sich hin. Und Liberty entspricht in etwa dem typischen modernen, westlichen Flair, das man von einer US-Sci-Fi-Metropole erwarten würde. Die Designs sind hier und da vielleicht ein wenig stereotyp, sorgen aber dafür, dass jedes System und jeder Planet seinen ganz eigenen Charakter hat. Kein Vergleich zu den 18 Trillionen prozedural generierten Himmelskörpern eines No Man's Sky.

Weniger ist mehr

Durch die händische Gestaltung ist die Welt natürlich deutlich kleiner als die heutiger Genre-Vertreter. Insgesamt erwarten euch aber immer noch knapp 50 Systeme und mehrere Dutzend Planeten, von denen ihr im Rahmen der Hauptstory nicht mal die Hälfte zu sehen bekommt. Kurzum: Freelancer hält euch lange beschäftigt. Zumal ihr unterwegs wirklich tun und lassen dürft, worauf ihr so Bock habt.

Ihr könnt euch als Kopfgeldjäger verdingen, auf Asteroiden nach wertvollen Mineralien buddeln, illegale Drogen über Planetengrenzen schmuggeln, Warentransporte der großen Space-Speditionen überfallen oder auch einfach nur selbst ein wenig Handel betreiben. Dabei hilft ein praktisches Interface, das die Warenpreise auf allen Stationen und Planeten anzeigt, die ihr bisher besucht habt.

Welchen Karriereweg ihr einschlagen könnt, hängt dabei stark mit eurem Ansehen zusammen. Die Spielwelt ist von verschiedenen Fraktionen besiedelt. Wie gut die auf euch zu sprechen sind, bekommt ihr in einer Art ID-Karte angezeigt. Steht ihr mit der Liberty Marine auf Kriegsfuß, bekommt ihr von ihr der natürlich keine Aufträge. Dafür ist der als "Terrororganisation" verschriene Orden plötzlich an einer Zusammenarbeit interessiert - ganz nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Wobei ihr euch natürlich auch einfach einen guten Ruf erkaufen könnt, wenn ihr denn das nötige Kleingeld dafür habt.

Nennen Sie mich Trent

Zentrales Element ist aber die Kampagne. Die steckt euch in die Schuhe von Edison Trent, eines namensgebenden Freelancers. Der hat bei einem Angriff auf die Station Freihafen 7 seinen Frachter verloren und sucht eigentlich nur einen Job, um sich ein neues Schiff leisten zu können. Aber wie das im Leben halt so läuft, findet er sich kurz darauf in einer riesigen Verschwörung rund um ein uraltes Alienartefakt und einen drohenden Sternenkrieg wieder.

Eine Gruppe von Menschen unterhält sich angeregt miteinander Quelle: PC Games Die Handlung wartet mit ein paar interessanten Twists auf und hält einen gute 15 Stunden bei der Stange. Das liegt auch an der durchaus schicken Inszenierung. Klar, mittlerweile sieht man dem Spiel sein Alter deutlich an. In vielerlei Hinsicht ist die Grafik altbacken. Besonders die Charaktermodelle wirken grobschlächtig. Aber für damalige Verhältnisse war das allererste Sahne.

Voll vertonte Cinematics, knackige Soundeffekte, epische Musik - aus diesen Einzelteilen bastelte Freelancer ein gelungenes Weltraumerlebnis zusammen. Vor allem die großangelegten Raumkämpfe schindeten zum Release ordentlich Eindruck. Wenn man sich mit einem Fliegergeschwader durch gegnerisches Laserfeuer schlängelt und spektakulär eine Basis in die Luft jagt, kommt schon ein wenig Star-Wars-Feeling auf.

Apropos Hollywood: Auch der Voice Cast von Freelancer ist filmreif. Im englischen Original sind unter anderem Jennifer Hale, die weibliche Stimme von Commander Shepard, George Takei aus Star Trek und Gimli-Darsteller John Rhys-Davies mit an Bord. Gerade bei weniger wichtigen NPCs fällt die Qualität der Vertonung allerdings enorm ab. Stimmen werden recycelt, hören sich ziemlich lieblos oder fast schon roboterhaft an.

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