Five Nights at Freddy's: Wie aus einem Ein-Mann-Projekt ein Horror-Welterfolg wurde
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Erst Indie-Horror-Hit auf YouTube, dann Mega-Erfolg an den Kinokassen: Five Nights at Freddy's ist längst zur Marke geworden. Wie das Ein-Mann-Projekt so populär wurde, erklären wir in unserer Reportage.
Die Masse der Medien unter der FNAF-Flagge schuf ein eigenes Universum mit einer großen Hintergrundgeschichte und einer Community, die nur allzu gerne darüber diskutierte und spekulierte. Der YouTube-Kanal The Game Theorists ist hier sicherlich ebenso entscheidend wie die unzähligen Let's Plays und Reactions.
In über 70 Videos haben Host MatPat und sein Team die Geschichte hinter dem FNAF erklärt, auf Details hingewiesen und Inhalte und Entwicklungen analysiert. Das erste Video, das am 23. Oktober 2014 veröffentlicht wurde, hat mittlerweile 33 Millionen Aufrufe. Nicht umsonst endet das letzte Video des Kanalgründers MatPat mit einer Fahrt zum Anwesen von Scott Cawthon, der ihm mit den Worten "Ich habe dich erwartet" die Tür öffnet.
Aus dem Verzweiflungsprojekt eines einzelnen Mannes wurde so ein eigenes Franchise und damit eine Marke innerhalb der Unterhaltungsindustrie. Unterstrichen wird diese These durch das reichhaltige Merchandising. Die Charaktere aus Five Nights at Freddy's gibt es unter anderem als Funko-Pop-Figuren ud sogar als Halloween-Kostüm.
Quelle: Scott Cawthon
FNAF Help Wanted 2
Wie weit der Arm des einstigen Indie-Horrorspiels mittlerweile reicht, zeigt auch der Erfolg des 2023 veröffentlichten Kinofilms. Laut Deadline brachte er Universal und Blumhouse einen Nettoumsatz von 160 Millionen US-Dollar ein. Dank der hohen Einnahmen und der fast verschwindend geringen Produktionskosten von nur 20 Millionen US-Dollar ist Five Nights at Freddy's der erfolgreichste Horrorfilm des Jahres 2023.
Warum hat die Serie die Popkultur erobert?
Doch was hat die Marke in den letzten zehn Jahren so stark gemacht? Das moderne Popkulturphänomen Five Nights at Freddy's ist auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen.
An dieser Stelle ist zunächst das geschickte Marketing und die Entwicklung der Geschichte hinter Five Nights at Freddy's hervorzuheben. Scott Cawthon belohnte seine Community für das Weiterspielen und streute in jeden Titel neue Story-Krumen, die das Interesse und die Neugier der Fans anheizten.
Der Cross-over-Effekt von Spielen, Büchern und sogar YouTube-Videos erzeugte über die Jahre einen Strom von Inhalten, die online diskutiert und weiter "fantasiert" wurden. Was als einfaches "Gruseliger Roboter-Bär will dich umbringen"-Szenario begann, wurde zu einer mehrere Jahrzehnte umfassenden Hintergrundgeschichte mit Charakteren wie William Afton und Henry Emily, den Betreibern des ursprünglichen Fredbear's Family Diner in den frühen 1980er-Jahren.
Die verwendeten Motive reichen von Kindsmord bis zur Besessenheit der Animatronics und schaffen eine düstere Lore, die sich über Spiele, Bücher und andere Inhalte erstreckt.
Gleichzeitig war Five Nights at Freddy's sehr zugänglich. In einer Zeit, in der Computer- und Videospiele immer komplexer und zeitaufwendiger werden, war und ist das Abenteuer einfach und doch spannend. Das Setting und die Animatronic-Roboter versprühen eine gehörige Portion Nostalgie.
Quelle: Scott Cawthon
FNAF Security Breach
Die von Atari-Mitbegründer Nolan Bushnell gegründete Fast-Food-Kette Chuck E. Cheese's nutzte Animatronics und auch Videospiele, um ein interaktives Familienprogramm zu schaffen. Die 1977 gegründete Kette prägte Generationen in den USA und schuf Kindheitserinnerungen.
Dieser Rückbezug auf die "gute, alte Zeit" schwingt auch in Five Nights at Freddy's mit, wird aber im gleichen Atemzug auf den Kopf gestellt. Schließlich fungieren Fazbear Freddy, Bonnie, Chica und Foxy als Bedrohung.
Diese Umkehrung von der wohligen Nostalgie zum Horrorfest haben wir in den letzten Jahren häufiger medial erlebt - etwa in dem britischen Slasher-Film Winnie the Pooh: Blood and Honey von 2023. Five Nights at Freddy's war hier ein virtueller Trendsetter, der den Nerv der Zeit traf.
Dass der 2023 veröffentlichte Film ein solcher Kassenschlager werden würde, mag für viele eine Überraschung gewesen sein, ist aber rückblickend nur logisch. Eine zehn Jahre alte crossmediale Marke mit breiter Fangemeinde erhält ein Jahrzehnt später eine respektable Verfilmung: Natürlich gehen die inzwischen erwachsenen FNAF-Fans ins Kino oder kaufen sich die Streams.
Zur Erfolgsformel trägt auch bei, dass die Adaption "ab 16 Jahren" (beziehungsweise in den USA als PG-13) freigegeben ist. Denn damit erweitert sich die Zielgruppe um Teenager, die ebenfalls zu den Fans gehörten. Tatsächlich ist Five Nights at Freddy's so etwas wie ein kalkulierter Erfolg, denn die Marke selbst war schon lange vor dem Film in der Popkultur angekommen - und wird es auch bleiben. Ein zweiter Kinofilm erscheint wahrscheinlich bereits 2025.
