Five Nights at Freddy's: Wie aus einem Ein-Mann-Projekt ein Horror-Welterfolg wurde
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Erst Indie-Horror-Hit auf YouTube, dann Mega-Erfolg an den Kinokassen: Five Nights at Freddy's ist längst zur Marke geworden. Wie das Ein-Mann-Projekt so populär wurde, erklären wir in unserer Reportage.
An CD Projekt Reds Science-Fiction-Epos Cyberpunk 2077 arbeiteten mehr als 500 Menschen, an Rockstars Gangster-Drama Grand Theft Auto 5 sogar 1.000. Doch auch in Zeiten, in denen Spiele immer größer und komplexer werden, gibt es noch immer Ein-Mann-Projekte, die den Durchbruch schaffen.
So stammt Minecraft in seiner ursprünglichen Fassung allein aus der Feder von Markus "Notch" Persson, für das Bauernhof-Rollenspiel Stardew Valley zeichnete Eric "ConcernedApe" Barone verantwortlich und Manor Lords entstand beim polnischen Entwicklerstudio Slavic Magic, das eigentlich nur aus Grzegorz "Greg" Styczen besteht.
Es gibt sie also noch, diese großen Ein-Mann-Projekte, die den Traum vom kreativen Genie hinter der Programmiertastatur am Leben erhalten. Eine solche Geschichte erzählt auch der Mega-Erfolg Five Nights at Freddy's (jetzt kaufen 11,09 € )(kurz: FNAF).
Hinter dem mittlerweile zehn Jahre alten Popkulturphänomen steckt Scott Cawthon. Innerhalb von nur sechs Monaten hat er Five Nights at Freddy's auf die Beine gestellt und damit eine Marke geschaffen, die 2023 für den erfolgreichsten Horrorfilm des Jahres sorgte.
Gläubiger Puppenspieler
Aus heutiger Sicht ist Scott Cawthon eine umstrittene Figur. Im Jahr 2021 verschreckte der praktizierende Christ einen Teil der FNAF-Community, als bekannt wurde, dass er zwischen 2019 und 2020 weit über 20.000 US-Dollar an Kandidaten der US-Republikaner wie Donald Trump oder an die Partei selbst gespendet hatte.
Quelle: Scott Cawthon
FNAF 1
Insbesondere die LGBTQ+-Community verurteilte diese politisch motivierte Spende, da einige der Kandidaten transphobe und Anti-LGBTQ+-Inhalte propagierten. Der FNAF-Schöpfer reagierte mit einem Statement und kündigte 2021 sogar das Ende seiner Karriere als Spieleentwickler an. Inzwischen hat er sich zurückgezogen, besitzt aber weiterhin die Rechte an Five Nights at Freddy's und hat auch an dem erwähnten Film mitgearbeitet.
Als Solo-Entwickler gab sich Cawthon seit jeher eher scheu und zurückhaltend. Öffentliche Auftritte und Interviews sind selten, die Kommunikation mit seinen Fans lief lange Zeit über Reddit und Steam. Der in Houston, Texas, geborene Unternehmer ist keine Rampensau, sondern ein streng gläubiger Christ.
In einem Interview mit dem christlichen Blog Geeks under Grace erklärte er die Bedeutung Gottes für seine Arbeit: "Meine Beziehung zu Gott war im Laufe der Jahre absolut wichtig. Erst jetzt kann ich zurückblicken und sehen, was ER getan hat. Etwa zwölf Jahre lang widmete ich meine Freizeit der Erstellung christlicher Filme und später christlicher Videospiele. Ohne Erfolg! Aber ich vertraute darauf, dass Gott trotzdem wollte, dass ich diese Dinge erschuf."
Erst gescheitert, dann gefeiert
Scott Cawthon hat nie in einem Entwicklungsstudio gearbeitet. Alle seine Projekte waren Soloarbeiten. Seinen Weg in die Spieleentwicklung fand er im Alter von 13 Jahren, als seine Mutter ihm ein Klik&Play-System schenkte. Später machte er seinen Abschluss an der Kunsthochschule in Houston, Texas, und vertiefte sich in die Technik der Grafik-Engine Clickteam Fusion.
Letztendlich war es eine Mischung aus finanziellem Druck und kritischem Misserfolg, die Cawthons Leben veränderte. Das 2013 auf Steam Greenlight veröffentlichte Ressourcen-Management-Spiel Chipper & Sons Lumber Co. floppte. "Ich habe vor Five Nights at Freddy's ein familienfreundliches Spiel über einen Biber gemacht. Aber als ich es online veröffentlichte, wurde es von Kritikern zerrissen. Die Leute sagten, der Hauptcharakter sähe aus wie eine gruslige Animatronic-Figur", erklärte er 2020 in einem Interview mit dem Indie Game Magazine.
Quelle: Scott Cawthon
FNAF 4
Chipper & Sons Lumber Co. stürzte ihn in eine Lebenskrise. Er wurde von Existenzängsten geplagt, die seinen Glauben an Gott erschütterten. Cawthon litt unter Depressionen und äußerte gegenüber seinem Arzt sogar Selbstmordgedanken. Das wiederum führte dazu, dass seine Lebensversicherung ihm kündigte.
Cawthon war am Boden, wie er 2020 erklärte: "Es brach mir das Herz. Ich war bereit, die Spieleentwicklung an den Nagel zu hängen. Aber eines Nachts drehte ich durch und dachte mir: Ich wette, ich kann etwas viel Gruseligeres (als den Biber von Chipper & Sons Lumber Co., Anm. d. Red.) erschaffen".
In rund sechs Monaten entwickelte der Texaner schließlich das erste Five Nights at Freddy's - im Alleingang. "Wenn es ein Videospielgenre gibt, bei dem man während der Entwicklung wirklich alleine und von der Außenwelt abgeschnitten sein sollte, dann ist es doch wohl das Horror-Genre", so Cawthon rückblickend.
Als Basistechnologie verwendete er Clickteam Fusion, für die 3D-Modellierung der Kreaturen Autodesk 3ds Max. Einen Teil der Soundeffekte nahm der Solo-Entwickler selbst auf, andere kaufte er aus Online-Bibliotheken.
Was ist die Faszination hinter Five Nights at Freddy's?
Das erste Five Nights at Freddy's (2014) war ein Survival-Horror-Spiel. Ziel ist es, als Nachtwächter Mike fünf Nächte bei Freddy Fazbear's Pizza zu überstehen.
Bildergalerie
Dessen Hauptattraktion sind - neben jeder Menge Fast Food und Kinderbespaßung - die vier tierischen Animatronik-Roboter Freddy Fazbear, Bonnie the Bunny, Chica the Chicken und Foxy the Pirate Fox. Sie sehen harmlos aus, entwickeln aber nachts ein Eigenleben. Erwischen sie euch, stopfen sie den armen Mike in einen der Schnappverschlussanzüge. Autsch!
