Five Nights at Freddy's: Wie aus einem Ein-Mann-Projekt ein Horror-Welterfolg wurde

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Lukas Schmid
Five Nights at Freddy's: Wie aus einem Ein-Mann-Projekt ein Horror-Welterfolg wurde
Quelle: Scott Cawthon

Erst Indie-Horror-Hit auf YouTube, dann Mega-Erfolg an den Kinokassen: Five Nights at Freddy's ist längst zur Marke geworden. Wie das Ein-Mann-Projekt so populär wurde, erklären wir in unserer Reportage.

Was einfach klingt, basiert auf geschickt ausbalancierten Mechanismen und Einschränkungen. Als Wachmann könnt ihr euch nicht bewegen, sondern seid an euer Büro gefesselt. Links und rechts von euch befinden sich eine Tür und ein Lichtschalter. Ihr könnt also den Raum abschließen oder den Bereich vor den Türen beleuchten, um zu sehen, ob dort vielleicht einer der Roboter auf euch wartet.

Über die Überwachungskameras habt ihr das ganze Restaurant im Blick - allerdings nur in Ausschnitten. Der kreative Kopf hinter FNAF kommentiert diese Designentscheidungen nüchtern: "Eingeschränkte Sicht und Mobilität sind die Hauptursachen für Panik. Es ist instinktiv furchteinflößend."

Hinzu kommt Ressourcenmangel: das Benutzen von Türen, Licht und Kameras verbraucht Energie. Auch wenn zum Beispiel Foxy an die Tür klopft, kostet das Strom. Entsprechend sparsam muss man damit umgehen, um sich vor den marodierenden Robotern in den Gängen zu schützen.

In Five Nights at Freddy's passiert nicht viel - fast wie in den Found-Footage-Klassikern Blair Witch Project (1999) oder Paranormal Activity (2007). Doch die langsam voranschreitende Spielzeit und das wachsende Gefühl der Schutzlosigkeit bauen schnell eine enorme Spannung auf. Im Idealfall sehnt man das rettende Ende der Nachtschicht herbei oder erschrickt mit einem gewaltigen Jumpscare, falls man doch erwischt wird.

FNAF 4 Quelle: Scott Cawthon FNAF 4

Let's-Play-Hype auf YouTube!

Dieses Mal waren die Reaktionen positiver: Sowohl Spieler als auch die Fachpresse lobten das einfache, aber spannende Gameplay. Mit einem Verkaufspreis von rund fünf Dollar rechtfertigte Cawthon die insgesamt geringe Spieldauer von ein bis zwei Stunden. Bis heute wurde das Spiel über zweieinhalb Millionen Mal verkauft und generierte einen Umsatz von rund zehn Millionen US-Dollar. Five Nights at Freddy's kam genau zum richtigen Zeitpunkt und entwickelte einen Hype, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung kaum absehbar war.

Die positiven Bewertungen in den Testberichten haben sicherlich sehr zum Erfolg beigetragen. Viel wichtiger war in diesem Fall aber die Reichweite, die die Let's-Play-Videos damals auf YouTube generierten. Der YouTuber Markiplier hat heute über 36 Millionen Abonnenten und sein erstes FNAF-Video mit dem Titel "ACHTUNG: Das gruseligste Spiel seit Jahren" ging nach seiner Veröffentlichung am 12. August 2014 durch die Decke.

Bis heute hat dieses Video über 119 Millionen Aufrufe. Auch spätere Teile der Gruselserie wurden in den Folgejahren prominent auf diesem Kanal präsentiert und erreichten teilweise zwischen 30 und 50 Millionen Klicks. Auf anderen Kanälen lief Five Nights at Freddy's ebenfalls hervorragend: REACT mit immerhin 20 Millionen Abonnenten veröffentlichte am 21. September 2014 einen entsprechenden Clip, in dem Teenager auf das Spiel reagierten. Heute kratzt dieser an den 28 Millionen Views.

Five Night at Freddy's profitierte nicht nur von den damals äußerst populären Video-Gattung der Let's Plays, sondern gehört auch zu den Vorreitern der sogenannten Reaction-Videos. Five Nights at Freddy's war - ähnlich wie das 2012 erschienene Slender Man - nämlich für den Zuschauer aus zwei Gründen schön anzuschauen: Zum einen war das Gameplay nicht überladen. Man konnte also schnell ins Geschehen eintauchen.

FNAF Help Wanted 2 Quelle: Scott Cawthon FNAF Help Wanted 2 Zum anderen kommt hier aber auch Schadenfreude als starker Faktor hinzu: Es ist einfach herrlich witzig zu beobachten, wie sich YouTuber an Maus und Tastatur krallen, ängstlich die Augen aufreißen oder gar erschrocken aus dem Gamer-Chair hochschrecken.

Mehr als nur EIN Spiel

Five Nights at Freddy's war in aller Munde und Scott Cawthon erkannte, dass er auf dieser Erfolgswelle mitschwimmen musste. Aufgrund der kurzen Spielzeit war das Bedürfnis nach mehr Horrorkost groß.

Und so erschien der zweite Teil nur rund drei Monate nach der Veröffentlichung des ersten Five Night at Freddy's. Konsolen- und Mobile-Umsetzungen der ehemals PC-exklusiven Reihe erweiterten die Zielgruppe. Bis heute sind insgesamt zehn Teile innerhalb der Hauptserie erschienen. Das Gameplay variierte im Laufe der Zeit stark und wich von der ursprünglichen Formel ab. Hinzu kamen Spin-offs wie das Rollenspiel FNaF World (2016).

Viel wichtiger war jedoch das Drumherum: Bis 2018 erschien die Buchtrilogie Five Nights at Freddy's, an der Scott Cawthon als Co-Autor neben der Schriftstellerin Kira Breed-Wrisely mitwirkte. Die Trilogie sollte später auch als Graphic Novel neu aufgelegt werden. Mit Fazbear Frights (ab 2019) und Tales from the Pizzaplex (ab 2022) folgen mehrteilige Buchserien, die die sogenannte Lore - die Hintergrundgeschichte - erweitern.

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