Es hat nicht sollen sein: Die Geschichte der Spiele, die nie Wirklichkeit wurden
Special
Fallout Online, Prey 2 oder Silent Hills: Viele Spiele wurden in der Vergangenheit plötzlich eingestellt. Doch warum eigentlich? Wir erzählen euch die Geschichten der PC- und Videospiele, die es nie auf euren Bildschirm geschafft haben.
In diesem Artikel
Doch irgendwann ereilte das Projekt dasselbe Schicksal wie das postapokalyptische Wasteland: Es lag in Schutt und Asche. Das lag daran, dass 2009 die Rechte von Interplay an Fallout Online ausliefen. In einem Gerichtsprozess gewann Bethesda 2012 schließlich sämtliche Rechte an allem, was mit Fallout zu tun hat. MMORPG-Fans geben nach der Einstellung des Interplay-Projekts die Hoffnung aber nicht auf. Immerhin hat Bethesda schon mal eine seiner größten Rollenspiel-Franchises als Online-Variante gebracht: The Elder Scrolls Online, das erst jüngst mit Morrowind eine tolle Erweiterung spendiert bekam. Aktuell arbeitet der Publisher laut Fallout 4-Game-Director Todd Howard an drei "großen, verrückten Projekten, die anders sind als alles, was wir zuvor getan haben." Doch da Bethesda ja schon erfolgreiche Fallout-Spiele veröffentlicht und mit seinem Online-Rollenspiel noch weiterhin gut zu tun hat, macht die Aussage von Howard leider nur wenig Hoffnung auf ein zeitnahes Erscheinen eines eventuellen Multiplayer-Spiels im Fallout-Universum.
Unglückszahl 1313?
Auch ein anderes, extrem populäres Universum hat vielleicht für immer einen hellen Stern am Spielehimmel verloren. Für viele Gamer ist Star Wars: Knights of the Old Republic von Bioware das ultimative Lizenzspiel aus George Lucas' "galaxy far, far away". Neben dem fantastischen Rollenspiel lässt aber noch ein weiterer Titel Fan-Herzen höherschlagen - obwohl er nicht mal erschienen ist. Die Gameplay-Demos von LucasArts' Star Wars 1313 haben Spieler und Journalisten gleichermaßen begeistert: Die spektakuläre und stylisch inszenierte Deckungs-Shooter-Action wie bei Gears of War oder Uncharted sah einfach umwerfend aus.
Quelle: LucasArts
Das von vielen Fans sehnlichst erwartete Star Wars 1313 sollte eigentlich mit der einst von George Lucas geplanten TV-Serie Star Wars: Underworld gekoppelt werden. Daraus wurde jedoch leider nichts.
Doch besonders das Drumherum fesselte: In Star Wars 1313 solltet ihr ursprünglich einen namenlosen Kopfgeldjäger spielen, der in der Unterwelt von Coruscant sein Unwesen treibt. Aus George Lucas' Prequel-Filmen kennt man nur die prunkvolle Seite des Planeten, der als Regierungssitz der Galaktischen Republik (und später des Imperiums) dient. Doch es gibt noch eine andere Welt darunter. Level 1313 beherbergt die Armen, die Gebeutelten und die Zwielichtigen. Artworks zum Spiel zeigten um brennende Droiden versammelte 1313-Bewohner, spärlich bekleidete Twi'lek-Frauen unter grellen Neonlicht-Schildern und schädeltätowierte Kleinkriminelle beim Geschäftemachen. All das versprach einen spannenden Ausflug in eine düstere Facette des "Expanded Universe", also des erweiterten Universums von Star Wars.
Quelle: Microsoft
Das Action-Spiel Scalebound wurde eingestampft. Dennoch hat Microsoft den Markenschutz jüngst im Mai 2017 verlängert. Kommt das Spiel irgendwann vielleicht doch noch?
Welche Richtung der Titel genau einschlagen sollte, war den Machern bei LucasArts lange selbst nicht klar. Zeitweise malte man sich ein Spiel wie Knights of the Old Republic aus, also ein Rollenspiel mit relativ offener Welt. Zuletzt sah dann aber alles nach einem eher linearen Action-Adventure aus. Im Laufe des Entwicklungsprozesses griff George Lucas selbst ein. Er ordnete beispielsweise an, den namenlosen Protagonisten aus den frühen Konzepten gegen einen weitaus bekannteren Kopfgeldjäger auszutauschen. Ihr hättet demnach als Boba Fett höchstpersönlich Level 1313 erkundet. Doch dazu kam es leider nie.
Wer schon mit den Star Wars-Filmen Epiosde 7: Das Erwachen der Macht und Rogue One: A Star Wars Story unter der Fuchtel von Disney nicht mehr ganz glücklich wurde, ärgert sich als Spiele-Fan erst recht über das Verhalten des Megakonzerns: Nachdem man die Star Wars-Lizenz in der Tasche hatte, stampfte Disney alle Games rund um die Sternenkrieg-Saga ein, die sich damals in Entwicklung befanden. Darunter eben auch das erstmals auf der E3 2012 präsentierte Star Wars 1313.
Trotzdem müssen Fans nicht verzweifeln. Visceral Games, die Schöpfer von Dead Space und Dante's Inferno, arbeiten aktuell an einem Titel im Universum von Luke Skywalker. Der Synchronsprecher von Darth Vader und Co., Nolan North, der auch Nathan Drake in Uncharted seine Stimme verleiht, hat 2015 auf der MetroCon vom Visceral-Projekt erzählt. North berichtete, dass das Spiel in "dieselbe Richtung" wie Star Wars 1313 und auch Uncharted gehen soll. Ein neuer Silberstreifen am Horizont?
Quelle: Square Enix
Irgendwann war Legacy of Kain: Dead Sun ebenso tot wie die titelgebende Sonne. Den Multiplayer-Part nutzte man als Ausgangsbasis für den Free2Play-Ableger Nosgoth (2015), den Square Enix aber 2016 schon wieder einstellte.
Eine Welt der nie erzählten Geschichten
Nicht nur die Storys gecancelter Spiele sind eine spannende Sache für sich. Da wären beispielsweise auch noch die Games, die letztlich ganz anders veröffentlicht wurden, als sich das die Entwickler ursprünglich vorgestellt hatten. Wusstet ihr zum Beispiel, dass Diablo-Erfinder David Brevik die Teufelshatz ganz zu Beginn mit einem rundenbasierten Kampfsystem ausstatten wollte? Heute undenkbar. Oder dass Fallout 3 ursprünglich von den Icewind Dale-Erfindern Black Isle Studios unter dem Codenamen Van Buren entwickelt werden und ähnlich wie in Fallout: New Vegas in der Gegend um den Hoover Dam spielen sollte, bevor Interplay das Projekt einstellte und die Rechte an Bethesda verkaufte?
Wenn ihr das nächste Mal den Abspann eines Spiels seht, denkt immer daran: Das, was ihr jetzt erlebt habt, ist das Resultat des Zusammenwirkens unzähliger Faktoren - und letztlich nur eine von vielen Möglichkeiten, wie das Produkt hätte werden können. Ein fertig entwickeltes und vor allem veröffentlichtes Spiel mag eine schwache, eine befriedigende oder sogar eine fantastische Geschichte erzählen. Aber manchmal sind die spannendsten Storys eben immer noch die, die sich hinter den Kulissen der Entwicklung abspielten.
