Es hat nicht sollen sein: Die Geschichte der Spiele, die nie Wirklichkeit wurden
Special
Fallout Online, Prey 2 oder Silent Hills: Viele Spiele wurden in der Vergangenheit plötzlich eingestellt. Doch warum eigentlich? Wir erzählen euch die Geschichten der PC- und Videospiele, die es nie auf euren Bildschirm geschafft haben.
In diesem Artikel
Wunder gibt es immer wieder. Diese alte Schlagerweisheit bewahrheitet sich für Spieler etwa am 29. September 2017. Denn dann erscheint Nintendos Classic-Mini-Variante des SNES. Der Clou: Mit dem Kauf der Schrumpf-Retrokonsole erhaltet ihr auch das vorinstallierte Star Fox 2, ein Spiel, dem Nintendo schon vor 20 Jahren eigentlich längst den Saft abgedreht hatte.
Quelle: Nintendo
Das SNES-Modul von Star Fox 2 sollte mit einem Super-FX-Chip ausgestattet werden, der nochmal mehr Leistung als der des Vorgängers versprach.
Füchse im Weltall
Kurioserweise war das zweite Abenteuer von Fox McCloud, Slippy und Co. bereits zu 95 Prozent fertig, wie Entwickler Dylan Cuthbert 2015 der Gaming-Website NintendoLife berichtete. Doch weshalb zog Nintendo als Publisher dann damals den Stecker? Cuthbert, seinerzeit beim britischen Entwickler Argonaut Games angestellt, glaubt, dass es vor allem am Kampf der Konsolenriesen lag: "Es war der Sommer 1995 und Playstation und Sega Saturn machten sich auf einmal ziemlich gut in Japan. Ich denke, das hat Nintendo kalt erwischt. Die Entscheidung [Star Fox 2 nicht zu veröffentlichen, Anm. der Redaktion] traf man, weil Nintendo nicht die 3D-Technik der alten Generation gegen die sehr viel bessere 3D-Optik der neuen Generation ins Rennen schicken wollte."
Das Nintendo 64 (N64), die Nachfolgekonsole des SNES, stand 1995 quasi schon in den Startlöchern. Nintendo beschloss daher, Held Fox und seine Freunde erst mit modernerer Technik auf dem N64 in ihr nächstes Gefecht zu schicken. Deswegen gelangte Star Fox 2 damals nicht an die Öffentlichkeit, vielmehr legte man das fast fertige Projekt kurzerhand auf Eis. Dennoch existiert eine per Emulator spielbare Alpha-Fassung des Rail-Shooters. Wenn ihr Lylat Wars alias Star Fox 64 gespielt habt, dürftet ihr mit einigen der Neuerungen aus Star Fox 2 schon vertraut sein: Der Mehrspielermodus etwa erlaubt darin das Zocken mit Freunden per Splitscreen. Der All-Range-Modus lässt euch in manchen Abschnitten euren Arwing-Flieger frei durch ein Gebiet steuern, anstatt wie in Teil 1, ausschließlich auf "Schienen" durch einen Korridor zu fliegen und auszuweichen. Nintendo-Legende Shigeru Miyamoto verriet der inzwischen eingestellten Zeitschrift Nintendo Power, dass rund 30 Prozent von Star Fox 2 in der DNA von Star Fox 64 stecken. Insofern hätte das Ballerspiel mit dem fliegenden Fuchs auf eine gewisse Art auch ohne eigene Veröffentlichung quasi weitergelebt.
Quelle: Bethesda
Bewegung hätte in den Kämpfen von Prey 2 eine große Rolle gespielt. Mit Raketenschuhen hättet ihr durch die Alien-Welten springen und schweben können.
Prey 2: Das Spiel der 1.000 Tode
Es hat zwar mehr als 20 Jahre gedauert, doch Star Fox 2 erscheint nun tatsächlich und ganz offiziell für Nintendos Mini-SNES. Anderen Sequels bleibt dieses Glück aber wohl auf ewig verwehrt. An Prey 2, den Nachfolger des allerersten Prey von 2006, werdet ihr wohl niemals Hand anlegen dürfen. Das von Arkane Studios entwickelte Prey aus dem Jahr 2017 hat mit der damaligen Arbeit von Entwickler Human Head Studios bis auf den Namen, das Science-Fiction-Setting und das Ballern so gut wie nichts gemeinsam.
Quelle: Microsoft
Gar nicht so fabelhaft: Das Free2Play-Projekt Fable Legends hat 75 Millionen US-Dollar verschlungen, bevor Microsoft es letztlich doch einstellte.
Prey 2 war wie sein Vorgänger als First-Person-Shooter geplant. Ihr hättet - anders als im linearen Erstling - eine offene Alien-Welt namens Exodus erfroscht. Geplant war die Umsetzung des astronomischen Phänomens der gebundenen Rotation für die Spielwelt. Die Eigendrehung eines Himmelskörpers, der einen anderen umkreist, ist bei der gebundenen Rotation nicht unabhängig, sondern an die Umlaufbahn dieses anderen Himmelskörpers gekoppelt. Somit hätten sich die drei großen Städte in Prey 2 (Locktown, The Bowery und Undercity) jeweils in einem Dauerzustand von Tag, Dämmerlicht und Nacht befunden. In der Rolle von Kopfgeldjäger Killian Samuels wären moralische Entscheidungen für euch an der Tagesordnung gewesen, so wie man es zum Beispiel aus Biowares Mass Effect-Reihe kennt. Später im Spiel sollte dann die unheilvolle War Sphere erscheinen, ein zerstörerisches Raumschiff der mysteriösen Rasse der Keeper. Diese Aliens haben es auf die Zerstörung der Erde abgesehen, was natürlich ausgerechnet ihr verhindern solltet. Von den Entwicklern war vorgesehen, dass man diese Aufgabe nicht allein bewältigen muss. Auf Exodus sollte der Spieler quasi zufällig Domasi "Tommy" Tawodi begegnen, dem Helden aus dem Vorgänger.
Am Ende von Prey 2 hätte euch ein ziemlich abgefahrener Twist erwartet. Spoiler-Warnung also - zumindest irgendwie. Killian und Tommy sollen sich im finalen Level einen Weg durch die War Sphere ballern. Kurz vor Schluss holt euch die bittere Wahrheit ein. Ihr betretet einen Raum voller Leichen, die euch verblüffend ähnlich sehen. Kein Wunder, denn es sind eure Klone. Ihr wart schon mal hier - und seid hier gestorben, wieder und wieder. Nach jedem Tod erwacht Killian in seinem Apartment, jeder Erinnerung ans Ableben und Wiederauferstehen beraubt. Euer Bewusstsein gelangt nach dem Tod immer wieder sofort in einen neuen Klon. Ganz zum Schluss soll es euch tatsächlich gelingen, die War Sphere zu zerstören und zu flüchten. Alles sieht nach Friede, Freude, Eierkuchen aus. Killian gründet auf der Erde eine Familie und stirbt friedlich in hohem Alter, nur um dann, zu eurem großen Schock, in einem neuen Klonkörper zu erwachen. Das war schon eine sehr coole Design-Idee.
