Fable 3 im Retro-Special: Ein Königreich zerfällt - Seite 3

Special Maci Naeem Cheema
Fable 3 im Retro-Special: Ein Königreich zerfällt - Seite 3
Quelle: Lionhead Studios I Xbox

Mit dem dritten Kapitel der beliebten Fantasy-RPG-Reihe Fable nahm sich das Xbox Studio Lionhead die knifflige Aufgabe zur Brust, die beiden großartigen Vorgänger zu übertrumpfen. Dabei glänzt Fable 3 mit berühmten Schauspieltalenten, einer intensiveren Story und der Möglichkeit, als Herrscher über das industrialisierte Albion zu regieren. Wir klären im Retro-Special, wieso Fable 3 den Untergang der Xbox-Rollenspielserie beschworen hat und warum der Abschluss der Trilogie zwar ein gutes Videospiel, aber kein befriedigendes Fable ist - besonders nicht für Fans der Action-RPG-Reihe.

Das Minispiel aus Fable 2, das entscheidet, wie gut eine Aktion bei unserem Gesprächspartner ankommt, wurde über Bord geworfen. Im Verlauf eines Dialogs erhalten wir immer weitere Aktionen, die ausgefallener und spezieller sind als die Standardoptionen, man fühlt sich aber immer so, als würde uns Lionhead wie ein Kind an die Hand nehmen. Wer heiraten oder gar Kinder in die Welt setzen will, kann das zwar auch in Teil 3, durch die vorgegebene Marschrute fehlt es aber auch hier an Freiheiten. Eine Spieleserie, die unter anderem dank solcher Features berühmt geworden ist, fühlt sich dadurch einfach beschnitten an.

Auch das Reisen durch die Spielwelt wirft Fragen auf. Albion sowie das Nachbarland Aurora sind wieder in Hub-Welten eingeteilt. Neben ständigen Ladebildschirmen gibt es darüber hinaus viele unsichtbaren Beschränkungen. Die lassen Fable 2 im Kontrast wie ein Open-World-Spiel wirken. Selbst Kleinigkeiten wie das Überspringen eines Zauns, was im Vorgänger kein Problem war, funktionieren nur noch gelegentlich. Viel zu häufig steckt man hinter "unüberwindbaren" Begrenzungen fest, die den eigentlich modernsten Hauptteil der Fable-Reihe angestaubt wirken lassen. <strong>Flirten nach Leitfaden:</strong> Statt die Möglichkeit zu geben, selbst über unsere Interaktionen mit dem Volk Albions zu entscheiden, gibt uns Lionhead vor, wie und wann wir welche Aktionen ausführen dürfen. Man muss vermutlich nicht erwähnen, wie unbefriedigend das im Vergleich zu den Vorgängern ist. Quelle: PC Games Flirten nach Leitfaden: Statt die Möglichkeit zu geben, selbst über unsere Interaktionen mit dem Volk Albions zu entscheiden, gibt uns Lionhead vor, wie und wann wir welche Aktionen ausführen dürfen. Man muss vermutlich nicht erwähnen, wie unbefriedigend das im Vergleich zu den Vorgängern ist.

Keine Zeit für zeitsparende Menüs

Wer Fable will, der bekommt eine Wagenladung an Kreativität - unter anderem lag das am Serienschöpfer Peter Molyneux, ein Mann der vielen Worte. Das war immer eines der großen Verkaufsargumente der Action-RPG-Reihe. Es führte aber auch dazu, dass sich einige der kreativen Systeme als Griff ins Klo erwiesen. Statt genretypisch ein Skill-System, ein Inventar oder Menüs anzubieten, setzt Lionhead in Fable 3 auf den eigenen Unterschlupf und die sogenannte Siegesstraße. Erstere kann mit der Starttaste zu jedem Zeitpunkt erreicht werden und ermöglicht es uns, das Outfit anzupassen, Finanzen zu überprüfen oder Geschenke der Dorfbewohner auszupacken.
<strong>Menüs?! Pff, wie öde:</strong> Lionhead Studios, angeführt vom exzentrischen Spiele-Entwickler Peter Molyneux, wollte in Fable 3 komplett auf Menüs verzichten und etablierte stattdessen den sogenannten Unterschlupf. Ein ziemlicher Griff ins Klo, wenn ihr uns fragt. Quelle: PC Games Menüs?! Pff, wie öde: Lionhead Studios, angeführt vom exzentrischen Spiele-Entwickler Peter Molyneux, wollte in Fable 3 komplett auf Menüs verzichten und etablierte stattdessen den sogenannten Unterschlupf. Ein ziemlicher Griff ins Klo, wenn ihr uns fragt. Die Siegesstraße hingegen repräsentiert unsere Charakterentwicklung. Sammeln wir Gildensiegel, die Erfahrungspunkte in Fable 3, öffnen sich uns neue Areale auf der Straße. Mit jedem neuen Abschnitt gibt es Truhen, die mit Siegeln geöffnet werden. Die geöffneten Kisten erhöhen etwa unsere Nahkampfkraft, schalten neue Interaktionsmöglichkeiten und Berufe frei oder verleihen uns Zugriff auf den Immobilienmarkt in Albion.
Auf dem Papier klingt es spannend, dass sich Fable 3 von jeglichen Menüs löst. Zugriff auf die Weltkarte, das Anprobieren neuer Hosen oder das Wechseln der Zauberkraft, alles geschieht in Person. In der Praxis geht dadurch aber viel mehr Zeit als nötig verloren. Darüber hinaus reißt uns jeder Aufenthalt im Unterschlupf aus der Handlung und Spannung heraus.
<strong>Über Grenzen hinaus: </strong>Mit dem Wüstenland Aurora führt Lionhead Studios zum ersten Mal ein Gebiet außerhalb von Albion ein. Das ist zwar eine willkommene Abwechslung, bietet abseits der Wüstenstadt aber recht wenig zu entdecken - es wirkt auch hier so, als hätte es dem Studio an Zeit gefehlt. Komisch. Quelle: PC Games Über Grenzen hinaus: Mit dem Wüstenland Aurora führt Lionhead Studios zum ersten Mal ein Gebiet außerhalb von Albion ein. Das ist zwar eine willkommene Abwechslung, bietet abseits der Wüstenstadt aber recht wenig zu entdecken - es wirkt auch hier so, als hätte es dem Studio an Zeit gefehlt. Komisch. Wenn wir inmitten eines Kampfes schnell den Zauberhandschuh wechseln möchten, dann bedeutet das in Spielaktionen übersetzt: Starttaste drücken, ab in den Unterschlupf, in den Zauberraum schlendern, den Handschuh tauschen und mit der Starttaste wieder in den Spielmoment zurückteleportieren. Klingt irrsinnig, und ist es auch.

Ein spaßiges Action-Adventure, ein schmerzvolles Fable

Zugegeben, wir kritisieren viel. Dabei handelt es sich bei Fable 3 dennoch um ein spaßiges und solides Action-Adventure mit seichten RPG-Elementen, das trotz seiner nur knapp 15-stündigen Hauptgeschichte unzählige Spielstunden Spaß bereiten kann. Allein die charmante und mitreißende Geschichte, die mit Schauspieltalenten wie Simon Pegg, Michael Fassbender und Ben Kingsley aufwartet, ist ein Verkaufsargument. Im direkten Vergleich zu den Genre-Nachbarn schenkt uns Fable 3 hunderte Möglichkeiten, sich im Heldenalltag zu verlieren und auszutoben. In keinem anderen Videospiel kann man den als Huhn verkleidet ein spektakuläres Theaterstück mitsamt Geisterunterstützung vorführen. Oder eine gesamte Nation auslöschen, nur, weil man Freude an Grausamkeit und Elend hat.
<strong>Wo die Liebe hinfällt:</strong> Flirten, Personen mit Geschenken umwerben, auf Dates gehen, eine pompöse Hochzeit feiern, Kinder in die Welt setzen oder Sex haben? In Fable 3 ist das alles gar kein Problen, aber denkt dran, liebe Freunde: Immer mit Kondom. Quelle: PC Games Wo die Liebe hinfällt: Flirten, Personen mit Geschenken umwerben, auf Dates gehen, eine pompöse Hochzeit feiern, Kinder in die Welt setzen oder Sex haben? In Fable 3 ist das alles gar kein Problen, aber denkt dran, liebe Freunde: Immer mit Kondom. Fable 3 überzeugt mit jeder Menge toller Ideen, enttäuscht aber zugleich mit halbgaren Umsetzungen, die gerade im Kontrast zu den Vorgängern sauer aufstoßen. Hätte Lionhead doch mehr Zeit gehabt ... dann würden wir eventuell nicht im Jahr 2022 immer noch auf einen viertel Teil warten.

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Fable 3 erschien am 29. Oktober 2010 für die Xbox 360. Fast ein halbes Jahr später, am 19. Mai 2011, kam die Version für den PC. Die gesamte Fable-Trilogie von Lionhead Studios findet ihr im Xbox Game Pass, wer sie also verpasst hat: unbedingt nachholen! Wie steht ihr zu Fable 3? Könnt ihr unsere Urteil zum Action-RPG nachvollziehen oder findet ihr, wir gehen zu hart mit dem Xbox-Titel ins Gericht? Schreibt uns eure Meinungen und Gedanken in die Kommentare, wenn euch unser Ausflug nach Albion gefallen hat oder ihr etwas zur ikonischen RPG-Reihe von Xbox loswerden möchtet.

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