F1 Manager 2022: Viel Potenzial mit wenig Substanz - Seite 2

Test Katharina Pache
F1 Manager 2022: Viel Potenzial mit wenig Substanz - Seite 2
Quelle: Fireshine Games

Der F1 Manager im Test mit Wertung. Drama, strahlende Triumphe, katastrophale Niederlagen: All das, was die reale Formel 1 bietet, gibt es jetzt im Spiel.

Reifenverschleiß spielt eine zu geringe Rolle. Solange die Haltbarkeit bei über 30 % liegt, ist alles absolut paletti. Die meisten Midfield-Fahrer sind in der Lage, deutlich längere Stints zu fahren - und das ohne großen Zeitverlust - als bei der Strategie angegeben.
Neue Teile für die Autos der aktuellen oder nächsten Saison werden in Auftrag gegeben, ohne, dass ich exakte Wünsche, Ziele oder Maße festlegen kann. Über die Qualität der Verbesserungen entscheiden die Stunden, die ich zum Testen reserviere und mit welchem Fokus die Ingenieure ans Werk gehen sollen, Luftstromoptimierung, Rennleistung und so.

Da ich jedoch bei Betrachtung der Zahlen nicht das Gefühl hatte, dass eine gezielte Ausrichtung mir besondere Vorteile verschafft, entschied ich mich später immer nur für den Fokus "ausgewogen" und lebte damit gut. "Riskante" Entwürfe, die eventuell auch mal einen Wert verschlechtern, dafür aber andernorts einen dicken Bonus liefern, sind mir nicht begegnet. Hier gibt's viele bunte Zahlen, aber viele davon sind irrelevant.

Der deutsche Sprecher ist der authentischeren englischen Vertonung gnadenlos unterlegen. Das mindert die Atmosphäre trotz stimmungsvoller Optik, wie hier beim Rennstart.  Quelle: PC Games Der deutsche Sprecher ist der authentischeren englischen Vertonung gnadenlos unterlegen. Das mindert die Atmosphäre trotz stimmungsvoller Optik, wie hier beim Rennstart. 

Keine Konsequenzen

Der F1 Manager 2022 bietet auf den ersten Blick viele Optionen und Einstellungsmöglichkeiten, aber wirklich wichtig sind davon zu wenige. Den Verteidigungsmodus beim ERS zu wählen, verhinderte jedenfalls bei mir kein einziges Mal, überholt zu werden, und das gilt nicht nur, wenn von hinten der Red Bull Power Train anrauscht, sondern auch, wenn ein Alfa Romeo anklopft.

Manchmal verlaufen Rennen unrealistisch mit Fahrern, die sich immer wieder gegenseitig überholen, nur, um beim nächsten DRS erneut gefrühstückt zu werden und umgekehrt. Das Schadensmodell bei Unfällen ist rudimentär, mal fliegt ein kleines Teil weg, spektakuläre Zwischenfälle gibt es nicht. Die Modelle der Fahrer wirken stellenweise, als hätte man deren untote Zwillingsbrüder gescannt, dabei schauen sie in der Team-Wahl-Ansicht relativ gut aus - hängt eventuell mit der Beleuchtung zusammmen.

Einstellungsmöglichkeiten gibt es am PC wenige; auch auf "ultra" sieht das Spiel unscharf aus mit verwaschenen Texturen, Pop-Ins und gelegentlichem Tearing. Sehr unerfreulich allerdings die Situation, als ich den F1 Manager 2022 auf meinem bescheidenen Rechner daheim weiterspielen wollte. Der bietet die folgenden Specs:
CPU: Intel(R) Core(TM) i7-7700K CPU @ 4.20GHz
GPU: Nvidia GeForce GTX 1080
RAM: 16GB
Bereits im Menü vor dem eigentlichen Spielbeginn drohte die Grafikkarte durch Überhitzung Schaden zu nehmen! Mit dem Büro-PC trat die Problematik nicht auf, doch der ist auch eine deutlich potentere Maschine. Aber als Fan von Manager-Spielen geht man vermutlich nicht davon aus, einen starken Rechner zum Zocken besitzen zu müssen.

Wegen der Grafik werden wohl ohnehin die wenigsten zum Spiel greifen und im Vergleich zu Titeln, die rein aus Menüs bestehen, ist das Gezeigte durchaus ein Upgrade. Was gibt es noch zu sagen - ja, der F1 Manager 2022 beschränkt sich wirklich auf die Formel 1. Obwohl es möglich ist, Fahrer aus der F2 oder F3 zu rekrutieren, gibt es keine Möglichkeit, in einer niedrigeren Klasse zu spielen. Sprintrennen, wie sie dieses Jahr gelegentlich stattfinden, sind nicht im Spiel enthalten.

Die Budgetobergrenze spiegelt sich zwar im Manager wider, allerdings hatte ich in meinem Fall als Midfield-Team in kurzer Zeit so viel Geld, dass ich es an allen Ecken und Enden aus dem Fenster werfen konnte. Die KI der Gegner pocht meistens auf der vorher festgelegten Strategie, Zwischenfälle egal - da schickt man auch ein beschädigtes Auto wieder auf die Strecke, das mühsam in die Box gehumpelt ist.
Welchem Fahrer ihr mit der Kamera folgt und welche Perspektive ihr seht, wählt ihr aus. Sobald ihr mit mehr als doppelter Geschwindigkeit spielt, starrt ihr nur noch auf eine Übersichtskarte mit bunten Punkten. Quelle: PC Games Welchem Fahrer ihr mit der Kamera folgt und welche Perspektive ihr seht, wählt ihr aus. Sobald ihr mit mehr als doppelter Geschwindigkeit spielt, starrt ihr nur noch auf eine Übersichtskarte mit bunten Punkten.

Verschenkte Chance

Das Potenzial des F1 Managers 2022 ist riesig. Von einer digitalen Version der Motorsport-Königsklasse habe ich mehr erwartet. Mehr zu tun zwischen den Rennen, Interaktionen mit Fans, Fahrern, Team-Mitgliedern, Beschäftigungen wie Sponsoren-, Budget- und Vertrags-Verhandlungen.

Und das könnte man noch weiterspinnen: Sollte ich nicht auch managen müssen, wie ein aufbrausender Fahrer nach verpatztem Rennen in Pressekonferenzen auf unangenehme Fragen antwortet? Oder wenigstens Fahrer in Auto 1 befördern und in Auto 2 degradieren? Verträge nicht mit sofortiger Wirkung auflösen müssen, sondern, so, wie es auch in Wirklichkeit passiert, Personen für Saisons verpflichten?
Eine Option für Stallorder gibt es angeblich, aber gefunden habe ich sie nicht. Eine Rivalität zwischen den Piloten, geschweige denn mit anderen Teams kommt aber ohnehin nie auf, weil alle nur roboterhaft ihren Job erledigen.

Das "Minispiel", bei dem während der Trainings das Set-up für die Autos eingestellt wird, war ein Highlight, obwohl das "Spiel" an sich nur aus dem Hin- und Herschieben von ein paar Reglern besteht. Einfach nur, weil ich da aktiv was tun kann und hinterher eine Bewertung bekomme, ob das nun gut oder schlecht war!
Während des Rennens solltet ihr ein Auge auf den Reifenverschleiß haben, auch wenn im F1 Manager 2022 Fahrer selbst mit den ältesten Gummilappen noch okay fahren. Quelle: PC Games Während des Rennens solltet ihr ein Auge auf den Reifenverschleiß haben, auch wenn im F1 Manager 2022 Fahrer selbst mit den ältesten Gummilappen noch okay fahren. Im Rennen fühle ich mich zu oft machtlos - was zwar der Realität als Teamchef sicher gewissermaßen entspricht, aber ohne die ganzen aufsehenerregenden Situationen und Emotionen, die man in der echten F1 so genießt. Zwischen den Rennen klickt man sich durch ein paar Mails, gibt Geld für Upgrades aus, und dann steht sowieso schon wieder das nächste Rennen vor der Tür. Und wieder von vorne. Und wieder von vorne ...

Eine gewisse Sogwirkung kann ich dennoch nicht abstreiten. Ich möchte und werde auf jeden Fall noch Champion mit Alpine werden! Der Unterboden des F1 Managers 2022 ist gelungen, mit Patches und Updates sollte es fortan um das Optimieren des Chassis gehen, in der nächsten Saison fährt das Spiel vielleicht raus aus dem oberen Midfield an die Pole-Position und zum Must-have-Status für Motorsportfans. Wie sagte Ron Dennis, ehemaliger McLaren-Chef mal sinngemäß? "An dem Tag, an dem man zu klettern beginnt, sollte man nicht erwarten, den Berggipfel zu erreichen."

Meinung

Wertung zu F1 Manager 2022 (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Volle Lizenz inklusive F3- und F2-FahrernFür ein Manager-Spiel ordentliche RennoptikGuter Einstieg, überfordert Neulinge nichtKomplett auf DeutschPräsentation teilweise stimmungsvollEnglischer Kommentator klingt authentischOriginal Funksprüche und Motorensound
Kaum was zu tun zwischen den RennenEinige nicht überzeugend funktionierende Mechaniken (Reifen, Tankanzeige usw.)Schwache KIViel liegengelassenes PotenzialKeine Sprintrennen, keine Sponsoren-VerhandlungenPC-Fassung schlecht optimiert

Die ultimative F1-Management-Simulation bekommt ihr zwar mit dem F1 Manager 2022 nicht, aber dafür punktet Frontier definitiv bei der Rennoptik, das Potenzial ist klar zu erkennen. Besonders für Einsteiger ist das Spiel gut geeignet. Der F1 Manager ist am 30. August erschienen. Rennsportinteressierte spielen den Titel sowohl auf PC als auch auf den alten und neuen Konsolengenerationen Playstation 4, Playstation 5, Xbox One und Xbox Series.

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