F1 Manager 2022: Viel Potenzial mit wenig Substanz - Seite 1

Test Katharina Pache
F1 Manager 2022: Viel Potenzial mit wenig Substanz - Seite 1
Quelle: Fireshine Games

Der F1 Manager im Test mit Wertung. Drama, strahlende Triumphe, katastrophale Niederlagen: All das, was die reale Formel 1 bietet, gibt es jetzt im Spiel.

Begleitet wird das nicht nur von echten Funksprüchen aus diversen Rennen, sondern auch vom originalgetreuen Motorensound. Das sorgt für Atmosphäre, wird jedoch eklatant vom deutschen Sprecher untergraben, der nicht ansatzweise wie ein Sportkommentator klingt. Die englische Tonspur ist authentischer. Obendrein sind die Ansagen zumindest auf Deutsch inhaltlich zweifelhaft. Wenn McLaren mit P15 und P18 aus der Quali gehen, würde ich das jedenfalls nicht als "überzeugende Leistung" beschreiben und die Stimmung beim Großen Preis von Bahrain nicht als "elektrisierend".

Mein Ziel als Gendergender Teamchef - so nennt mich der F1 Manager jedenfalls seit Update 1.60 - ist es, Alpine zum Weltmeister zu machen. Als Midfield-Stall fuhr ich zunächst erwartbare Ergebnisse ein und legte den Fokus auf Forschung, um in der nächsten Saison die drei Platzhirsche aufmischen zu können. Wegen meiner mangelnden Erfahrung mit Manager-Spielen dieser Art ging ich sehr offen und experimentell an die Sache heran.

Man lernt nie aus

Dabei habe ich einiges gelernt. Zum Beispiel, dass kein Fahrer auch nur einen Mucks rüberfunken wird, wenn ihn das ganze Feld überholt, weil es gerade regnet und ich keine Intermediates oder Wets habe aufziehen lassen. Klarer Fehler meinerseits, in der Übersichtsansicht das Regen-Icon oben im Eck ignoriert zu haben. Nach dieser Vollkatastrophe in Monaco hätte die Moral meiner Fahrer, nein, des ganzen Teams drastisch sinken (und ich gefeuert werden) müssen. Doch selbst meine Sponsoren haben offensichtlich nicht genau hingeschaut und trösteten mich danach per Mail, dass jeder mal ein schlechtes Rennen habe. Na dann ist's ja gut! No bad feelings, haha!
Der Kalender ist im Grunde ziemlich überflüssig, denn es passiert so gut wie nichts abseits der Rennen. Sponsorenverpflichtungen laufen automatisch im Hintergrund ohne unser Zutun und unsere Anwesenheit ab. Quelle: PC Games Der Kalender ist im Grunde ziemlich überflüssig, denn es passiert so gut wie nichts abseits der Rennen. Sponsorenverpflichtungen laufen automatisch im Hintergrund ohne unser Zutun und unsere Anwesenheit ab. Eine Ergänzung an dieser Stelle: Wie ich später feststellte, geben die Fahrer durchaus Laut, um zu fragen, ob sie auf Wets wechseln sollen. Es passierte bei mir nur nicht, wenn das Rennen mehr als doppelt so schnell abgespielt wird.

Die realistische Rennoptik funktioniert ebenfalls nur maximal bei doppelter Geschwindigkeit, ab vierfachem Tempo schaut man zwangsläufig auf bunte Punkte, die über eine Map düsen. Na, jedenfalls wurde ich dann doch von einem Fahrer auf die Wetterverhältnisse hingewiesen, allerdings hatte ich da schon per Funk den Boxenbefehl durchgegeben. Wir alle sind halt manchmal unaufmerksam ...

Meine zweite große Schande der Saison begann mit dem Versuch, die Benzinanzeige zu verstehen. Theoretisch verbildlicht diese während des Rennens, wie viel Kraftstoff noch im Tank bleibt. Mit bestechender Logik entschloss ich mich, von Anfang an zu ballern. Je leichter, desto schneller! Und 50 von 52 Runden funktionierte das auch hervorragend, zufrieden stellte ich fest, dass ich laut Anzeige am Ende trotzdem noch Benzin übrig haben würde.
Die Fahrermodelle sehen in der Teamauswahlsequenz am Anfang deutlich besser aus als in den Zwischensequenzen im Spiel. Dort wirken sie oft leblos und roboterhaft. Quelle: PC Games Die Fahrermodelle sehen in der Teamauswahlsequenz am Anfang deutlich besser aus als in den Zwischensequenzen im Spiel. Dort wirken sie oft leblos und roboterhaft. Das änderte sich schlagartig kurz vor der letzten Runde, und trotz sofortigem Spritspar-Befehl ließ ich mit beiden Autos alle Punkte liegen, weil mir der Saft ausging (den Fahrern war das offensichtlich egal). In der echten Formel 1 hätte ich auch noch eine deftige Strafe kassiert, im Spiel bedeutete es eine weitere Mail vom Vorstand zum Thema "Jeder hat mal schlechte Rennen". Alles in allem erscheint mir die Tankanzeige wenig nachvollziehbar. In meiner Position stellte sich mir dann die Frage: Weiß ich zu wenig, um diese Mechanik zu verstehen? Oder verhält sich die Simulation einfach merkwürdig?

Stop inventing

Ich tendiere nach vielen Rennen zu "die Simulation verhält sich (noch) merkwürdig". Denn einerseits gibt es weitere Mechaniken, die nicht ganz ausgefeilt wirken, zum anderen ist der F1 Manager 2022 gar nicht so komplex, wie ich das erwartet hatte. Ich kann etwa meine ganze "Basis" ausbauen, den Windkanal verbessern, einen Hubschrauberlandeplatz errichten, die Fabrik vergrößern - aber selbst im Simulator sitzen (oder wenigstens den Junior-Fahrer dort parken), einen Spaziergang durch die Zentrale zu machen, ist nicht möglich.

Die Upgrades, werden, so wie fast alles andere auch, per Durchklicken in Menüs erledigt und Gebäude oder Autos bekommt man abseits der Rennstrecke vorwiegend in Form von Zahlen, Balken, Diagrammen angezeigt. Es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, die Präsentation aufzuwerten, aber dafür war wohl keine Zeit.
Eure Boliden seht ihr selten aus nächster Nähe, die Fabrik oder andere Orte bekommt ihr gar nicht zu Gesicht.  Quelle: PC Games Eure Boliden seht ihr selten aus nächster Nähe, die Fabrik oder andere Orte bekommt ihr gar nicht zu Gesicht.  Überhaupt fühlt es sich erschreckend blutleer an, ein Team zu managen. Zu den Fahrern entsteht keine Bindung, man trifft sie nicht und redet nicht mit ihnen, genauso die Ingenieure, Scouts und so weiter. Ich fieberte dem Moment entgegen, in dem mich Alonso sitzen lassen würde, aber trotz niedriger Moral blieb er mir immer treu und auch kein anderer Fahrer klopfte bei mir an.

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