Evil West im Test: Vampirjagd an der Trash-Grenze

Test Felix Schütz
Evil West im Test: Vampirjagd an der Trash-Grenze
Quelle: Focus Entertainment

Derb, hohl und überraschend altmodisch: Evil West ist ein B-Movie zum Mitspielen, ein trashiger Vampir-Klopper, der locker 15 Jahre zu spät kommt. Und das kann sogar richtig Spaß machen, denn solche Actionspiele werden heutzutage kaum noch gemacht.

Ungewohnt: Viele Waffen eignen sich nur für den kurzen Einsatz und haben danach einen längeren Cooldown, darum stecken sie auch nicht in einem Ringmenü, wie man es aus vielen Shootern kennt. Stattdessen wurde jede Waffe auf dem Digikreuz und den Aktionstasten verteilt, was sich im Eifer des Gefechts auch mal unpraktisch anfühlt. Mit Ausweichen, Blocken, Rennen, Treten und den verschiedenen Waffen ist das Gamepad nämlich fast schon zu gut belegt. Wer mit Maus und Tastatur spielen will, sollte sich die Tastenbelegung genauer ansehen und bei Bedarf anpassen.

Hat man sich erst mal an die Hektik gewöhnt, machen die Kämpfe durchaus Spaß, auch wenn wir uns nie so mächtig fühlen, wie uns das Spiel manchmal glauben lassen will. Nach ein paar Stunden nutzt sich die Action auch spürbar ab, vor allem, wenn die Leveldesigner uns immer mehr dicke Brocken vorsetzen, die ein paar Levels zuvor noch als Bossgegner zum Einsatz kamen. Gerade die letzten Kämpfe fühlen sich dann fast wie Spielzeitstreckung an, den Entwicklern gehen schlichtweg die Ideen aus. Aber: Gerade die Bossgefechte sind meistens solide inszeniert und fordernd. Ein Extra-Lob gibt's außerdem für die Checkpoints während eines Bosskampfes. Solltet ihr mal ins Gras beißen, müsst ihr also nicht immer wieder von vorne anfangen.

Hektisch: Gegner hauen hart und schnell zu, ständiges Ausweichen ist Pflicht.  Quelle: PC Games Hektisch: Gegner hauen hart und schnell zu, ständiges Ausweichen ist Pflicht. 


Wieder was gelernt

Im Spielverlauf steigt Jesse insgesamt 20 Levels auf und kann dann Punkte in zwei kleinen Talentbäumen verteilen. Die meisten Verbesserungen sind zwar unspektakulär, doch zumindest ein paar können sich sehen lassen und bereichern das Gameplay. Ein Schwergewicht wie zuletzt God of War Ragnarök hat diese Mechaniken aber doch deutlich spannender umgesetzt. Zusätzlich sammelt ihr unterwegs noch jede Menge Geld, das ihr in Waffenupgrades investieren könnt. Da verschießt euer Revolver dann zum Beispiel Elektrogeschosse, die auf Feinde überspringen. Oder die Gatling bekommt einen praktischen Schutzschild spendiert, der Jesse während des Feuerns unverwundbar macht. Und auch hier müssen wir loben: Immer wieder bekommen wir die Möglichkeit, um Talentpunkte und Waffenupgrades zurückzusetzen und kostenfrei neu zu verteilen. Wer also mal das falsche Upgrade kauft, kann die Entscheidung später wieder zurücknehmen - absolut fair.


New Game Plus und Koop-Modus

Sobald ihr die 16 Missionen durchgespielt habt, wird ein New Game Plus Modus freigeschaltet. Damit könnt ihr das Spiel nochmal von vorne beginnen, mit allen verdienten Verbesserungen. Außerdem hat Evil West noch ein kleines Ass im Ärmel: einen Online-Koop-Modus für zwei Spieler. Das ist bemerkenswert, weil Evil West eigentlich ein reines Singleplayer-Erlebnis ist. Trotzdem könnt ihr vor jedem Spielstart auch einen zweiten Spieler einladen, sämtliche Fortschritte werden danach nur für den Host gespeichert. (Einen lokalen Modus für zwei Spieler gibt es übrigens nicht!)

Im Koop-Modus seid ihr mit einem zweiten Jesse unterwegs.  Quelle: PC Games Im Koop-Modus seid ihr mit einem zweiten Jesse unterwegs. 

Der Koop-Partner erhält passende Ausrüstung und Upgrade-Punkte, um vernünftig mitmischen zu können. Die Stärke der Gegner wird außerdem auf zwei Spieler angepasst, da man sich auch gegenseitig wiederbeleben kann - ein klarer Vorteil. Weitere Koop-Manöver gibt es aber leider nicht, geteilte Kombos oder etwas in der Art braucht ihr nicht erwarten. Überhaupt fühlt sich der Koop-Modus an, als habe man ihn erst vor Kurzem und ohne viel Aufwand eingebaut: Ihr seid zum Beispiel mit zwei Jesses unterwegs, für den Koop gibt es also keine eigene Heldenfigur. Und natürlich ist eure Begleitung auch nicht in den vielen Zwischensequenzen zu sehen, die liegen nämlich meistens als vorgerenderte Videos vor.

Technisch zeigte sich die PC-Fassung in guter Form, die Performance war sauber und die wenigen Bugs, die wir erlebten, waren allesamt harmlos. Die PS5-Version bietet einen Qualitäts- und einen Leistungsmodus. Ersterer ist auf 4K festgelegt, was aber in Verbindung mit der Bewegungsunschärfe furchtbar aussieht. Da die Grafik ohnehin kaum von einer höheren Auflösung profitiert, raten wir klar zum Leistungsmodus in 1080p, der meistens sehr flüssig läuft. Nur im Koop-Modus sind uns da hin und wieder kleine Framerate-Einbrüche aufgefallen, ordentlich spielbar war's aber trotzdem.

Wertung zu Evil West (PC)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Evil West (PS5)

Wertung:

7.0 /10
Fazit

Solider Vampir-Klopper mit hektischen Kämpfen, hohem Trash-Faktor und halbgarem Koop-Modus. Wer sich auf den B-Movie-Charme einlassen kann, verzeiht vielleicht auch die schlecht geschriebene Handlung. Alles in allem rettet sich Evil West damit noch knapp auf eine 7.

Anders als Shadow Warrior 3 ist Evil West ein Vollpreisspiel. F ür die PC-Version müsst ihr etwa 50 Euro hinlegen, die Konsolenfassungen für PS4, PS5, Xbox One und Xbox Series S/X schlagen mit 60 Euro zu Buche. Auch wenn Evil West sicher eine teure Produktion war, wirkt der Preis auf uns etwas zu hoch gegriffen. Die deutsche Fassung ist ungeschnitten, allerdings wurden nur die Texte übersetzt, die Sprecher sind immer auf Englisch. Zum Test lagen uns nur die PC- und Playstation-Fassungen vor. Der Vollständigkeit halber: Auf Xbox One, PS4, PS4 Pro und Xbox Series S werden 1080p bei 30fps erreicht. Xbox Series X und PS5 schaffen wahlweise 2160p bei 30fps (Qualitätsmodus) oder 1080p bei 60fps (Leistungsmodus).

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