Evil West im Test: Vampirjagd an der Trash-Grenze

Test Felix Schütz
Evil West im Test: Vampirjagd an der Trash-Grenze
Quelle: Focus Entertainment

Derb, hohl und überraschend altmodisch: Evil West ist ein B-Movie zum Mitspielen, ein trashiger Vampir-Klopper, der locker 15 Jahre zu spät kommt. Und das kann Spaß machen, denn solche Actionspiele werden heutzutage kaum noch gemacht. Jetzt mit Video!

Wer clevere Geschichten, große Gefühle und vielschichtige Helden erwartet, meidet Evil West besser wie der Vampir die Morgensonne. Euch erwartet ein Action-Ritt durch eine behämmerte Wildwest-Fantasie, in der knurrige Cowboys erbarmungslos Jagd auf Blutsauger machen. Im Zentrum der Geschichte (fast hätten wir sie in Anführungszeichen gesetzt!) steht der Held Jesse Rentier. Sein Beruf: kampfgestählter Agent einer Geheimbehörde, die den Vampiren den Krieg erklärt hat. Mit seinem elektrisch geladenen Handschuh und einer Überdosis Testosteron gesegnet, mäht sich Jesse durch eine gut bemessene Kampagne, die selbst ein Michael Bay kaum dümmer hinbekommen hätte. Vor allem die Charaktere sind so überzeichnet, dass sie wie Karikaturen ihrer selbst wirken. Mittelmäßige (englische) Sprecher geben Dialoge von sich, die Kopfschmerzen bereiten, so voll von halbgaren Gags und anstrengendem Macho-Gehabe, dass man glaubt, Evil West sei einfach aus der Zeit gefallen. Dazu gibt es Schurken aus der Mottenkiste, die zwar im Grunde nix zu sagen haben, aber leider trotzdem sehr viel reden.

Kommt euch alles bekannt vor? Kein Wunder! In der frühen PS3-Ära wäre Evil West (jetzt kaufen 49,99 € ) noch in guter Gesellschaft gewesen, denn da gab es diese Actionbretter aus der zweiten Reihe noch wie Sand am Meer. Und genau das spricht für Evil West! Denn diese Art von Spiel haben wir schon lange nicht mehr erlebt - und wer weiß, vielleicht haben wir sie vielleicht sogar ein kleines bisschen vermisst. Wer Trash, Blut und prollige Sprüche, mag, wird in Evil West jedenfalls fündig. Alle anderen gucken besser ganz weit weg.

Update: Unseren Test gibt's jetzt auch mit Video.

Böser Westen

Die Story mag weder spannend noch überraschend sein, doch sie erfüllt ihren Zweck, indem sie Jesse durch jede Menge düstere Schauplätze scheucht. Ihr besucht Canyons, Minen und Gebirge, seid in Sümpfen, Tempeln und an Flussufern unterwegs. Eine Mission spielt zwischen deprimierenden Ölfeldern, eine andere auf einer Farm, in der die Blutsauger unzählige Rinder zu verkohlten Fleischbergen aufgetürmt haben. Alles in allem gar nicht schlecht! Grafisch erwartet euch aber nur solider Konsolenstandard der letzten Generation, gerade die Kulissen bieten nur wenig fürs Auge, von Next Gen keine Spur. Ein paar Levels sind aber auch recht stimmungsvoll geraten, gerade die hübsche Beleuchtung sorgt immer wieder für ein ansehnliche Momente. Weil auch die Musikuntermalung gelungen ist, kommt da genügend Atmosphäre auf, um die Spielzeit von 10 bis 15 Stunden zu tragen - und das reicht auch vollkommen aus.

Mit dem passenden Upgrade feuert der Revolver solche Kettenblitz-Geschosse. Quelle: PC Games Mit dem passenden Upgrade feuert der Revolver solche Kettenblitz-Geschosse.

Die meisten Levels sind linear wie ein Strohhalm, außerdem werden Klettermöglichkeiten oder interaktive Objekte stark blinkend hervorgehoben - wer sich da verläuft, findet auch morgens nicht den Weg ins Bad. Trotzdem lohnt es sich, die Augen offen zu halten, denn es gibt alle paar Meter auch kleine Verstecke und Belohnungen, meistens in Form von Geld, das man dann in verschiedene Waffen-Upgrades investieren kann. Gerade beim Erkunden fallen aber auch die unzähligen Einschränkungen im Leveldesign auf, die uns glatt an Spiele wie das erste Gears of War erinnern. So kann Jesse zum Beispiel nur an vorbestimmten Orten klettern, springen geht grundsätzlich nicht und wenn mal ein Rätsel ansteht, löst es sich praktisch von selbst.

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