Evil West im Test: Vampirjagd an der Trash-Grenze
Test
Derb, hohl und überraschend altmodisch: Evil West ist ein B-Movie zum Mitspielen, ein trashiger Vampir-Klopper, der locker 15 Jahre zu spät kommt. Und das kann sogar richtig Spaß machen, denn solche Actionspiele werden heutzutage kaum noch gemacht.
Doch immerhin: Im späteren Spielverlauf gibt es auch Levels mit etwas offenerem Ansatz, hier kann man sich zumindest ein bisschen die Beine vertreten und auf eigene Faust nach Secrets suchen - und das macht dann auch prompt mehr Spaß. Wie schade, dass sich die Entwickler hier nicht mehr zugetraut haben! Von anständigen Nebenaufgaben und stärkeren Erkundungsanreizen hätte Evil West sicher profitiert. Stattdessen erwarten euch Szenen, die einfach haarsträubend unlogisch sind. So kann sich Jesse zwar problemlos durch enge Felsspalten quetschen oder lässig an manchen Steinen raufklettern, einfach weil das Spiel es gerade so vorsieht. Doch wenn mal ein Scheunentor oder ein Mineneingang nur halb (!) versperrt sind, muss er einen langen Umweg nehmen, obwohl er da ganz locker durchgepasst hätte.
Auch an anderer Stelle lässt sich wunderbar beobachten, dass den Entwicklern manche Schnitzer einfach schnurzegal sind, ganz egal, wie sehr sie einem ins Gesicht lachen. Wenn ihr zum Beispiel ein paar Gegner vor euch seht, egal ob weit oder fern, könnt ihr sie nicht mit eurem Gewehr abschießen. Eure Treffer werden einfach nicht registriert und die Gegner ziehen unbeeindruckt weiter ihre Kreise. Sobald Jesse aber nur einen halben Meter weitergeht und die Arena betritt, wird der Kampf ausgelöst, die Gegner stürmen plötzlich heran und wir können auch endlich Treffer verteilen. Anderen Entwicklern wäre so etwas peinlich. Nicht aber Flying Wild Hog, die schon in diesem Jahr mit Shadow Warrior 3 gezeigt haben, wie man ein Spiel am Massengeschmack vorbeischießt. Die machen ihr Ding - und wem das nicht passt, muss eben ein anderes Spiel kaufen.
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Blutsauger en masse
Abgesehen von ein paar kleinen Schiebe- oder Schalterrätseln steht die Action klar im Vordergrund, und hier lässt Evil West ein paar Muskeln spielen. Standardfeinde kloppt Jesse noch zügig mit dem Handschuh weg, doch dabei bleibt es natürlich nicht. Schon früh gesellen sich dicke Brocken mit schweren Nahkampfwaffen dazu, kurz darauf kommen die ersten fliegenden Feinde, danach sind es Werwölfe und blitzschnelle Vampirmutanten. Die Feinde werden zwar schnell eintönig und irgendwann hat man auch für alle eine passende Taktik gefunden, doch hier greifen die Entwickler zum ältesten aller Tricks: Sie schmeißen euch in den späteren Levels einfach dermaßen mit Gegnerwellen zu, dass euch kaum noch Zeit zum Atmen bleibt.
Quelle: PC Games
Brutale Finishing Moves spendieren euch Lebenskraft und Energiezellen.
Mit seinem dicken, überdesignten Kostüm sieht Jesse zwar aus wie ein Kleiderständer auf zwei Beinen, doch im Kampf legt er trotzdem ganz passable Ausweichrollen hin. Und die sind Pflicht, sonst wird man in wenigen Sekunden von Klauen, Druckwellen und Geschossen zerfetzt! Die Kamera hängt manchmal zu nah am Helden dran und erschwert die Übersicht, hin und wieder kassiert man dann Treffer, für die man eigentlich nichts kann. Doch dafür gibt's ein sehr großzügiges Heilsystem, das euch gerade in der zweiten Spielhälfte viel Stress erspart. Der normale Schwierigkeitsgrad wird zwar nie zum Spaziergang, fällt aber auch nicht übertrieben aus.
Ballern mit Ladehemmung
Jesses wichtigste Waffe ist sein Kampfhandschuh. Damit lernt er beispielsweise, Angriffe abzublocken oder entfernte Feinde mit einem Energiestrahl zu betäuben. Leichte Gegner werden mit Schlägen in die Luft befördert und zu Geschossen umfunktioniert, für Finishing Moves gibt's außerdem Heilboni und Energiezellen, die ihr für einige Spezialangriffe braucht. Blinkt ein Feind, tritt man ihn kurzerhand aus dem Gleichgewicht.
Quelle: PC Games
Mit dem Kampfhandschuh reihen wir simple Kombos aneinander.
Und dann sind da natürlich noch die Fernwaffen, die keinerlei Munition verbrauchen: Pistole, Gewehr, Flammenwerfer, Shotgun, Dynamitstangen, Armbrust und Gatling-Gewehr klingen spätestens seit Outlaws nach einer richtig schönen Wildwest-Gaudi! Doch in Wild West sieht die Sache etwas anders aus. Alle Fernwaffen haben Sinn und Zweck, sind aber nie so übermächtig, dass ihr euch damit einfach durchballern könntet. Manche Feinde entblößen zum Beispiel Schwachpunkte, die man blitzschnell mit dem Gewehr treffen muss - damit das in der Hektik überhaupt klappt, gibt's standardmäßig ein überaus großzügiges Auto-Aiming. Andere Gegner verlangen nach der Shotgun, mit der sich zum Beispiel Schilde brechen lassen. Mit dem richtigen Upgrade wird die Granate zu einem elektrisch geladenen Wirbelsturm, der Gegnergruppen lähmt. Und der Flammenwerfer eignet sich perfekt dazu, um Werwölfen den Pelz abzubrennen.
