Von Excel-Sheets bis Weltraumpapst: Faszination EVE-Online - Seite 3
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Was hat es mit dem Weltraumpapst auf sich und warum geht ein Spiel eine Kooperation mit Excel ein? Warum dieses Spiel besondere Fans hat, erfahrt ihr hier.
Aber das sind natürlich nicht die einzigen Zahlen, die der Entwickler erhoben hat und so haben laut CCP 75 Prozent der EVE-Online-Spieler neue und wichtige Freundschaften im Spiel geschlossen. Was man Unternehmens- und PR-seitig gerne auf die eigenen Fahnen schreibt, ist allerdings gar nicht so besonders für MMos, wie Helena Cole und Mark D. Grifiths bereits 2007 in einer Umfrage herausfanden. Laut ihrer Ergebnisse sind es übergreifend bei allen MMOs rund drei Viertel der Spieler, die derartige soziale Kontakte knüpfen. Die Behauptung von CCP, dass es sich bei ihrem Spiel, um eine "Freundschaftsmaschine" handelt, ist damit zwar nicht falsch, allerdings hebt sich das Weltraumabenteuer in dieser Hinsicht nicht von anderen Massively-Multiplayer-Online-Titeln ab.
Was bedeutet Community-driven?
Der Grund dafür, dass Eve eine besondere Community hat, setzt sich aus allem zusammen, was wir oben bereits genannt haben. Die komplizierten Mechaniken bieten eine Hürde, die im positivsten Sinne Trolle weitestgehend aus dem Spiel heraushält. Die Möglichkeit, jede Idee umzusetzen, gepaart mit einem Weltraum-Setting zieht Wissenschaftler und Geeks an, was zu einem höheren intellektuellen Schnitt und spannenden Diskussionsgrundlagen beiträgt.
In diesem Artikel
Quelle: Roger Sieber
Eindrücke des Fanfests.
Wirklich besonders an EVE Online ist aber die Bindung der Spieler an den Titel, entsprungen aus ihrem Mitbestimmungsrecht. EVEs gesamte Geschichte wird und wurde durch die Spieler geschrieben und beeinflusst. Es gibt sogar ein Geschichtsbuch, das die Konflikte vom Start des Spiels 2003 bis 2009 zusammenfasst (liest sich angeblich wie Game of Thrones, ein Nachfolgewerk ist aber wohl ähnlich unwahrscheinlich wie bei genannter Reihe).
Nicht wenige Fans, die in Island zu Gast waren, prahlen mit ihren zahlreichen Accounts und diskutieren ausschweifend über Spionage-Netzwerke, die sie allein erschaffen haben, von Verrat und Vertrauen, Wirtschaftsimperien und Kriegen.
Quelle: Roger Sieber
Fanfest in Reykjavik: EVE Online und seine besondere Community
Davon abgesehen kann das isländische Studio seine Spieler auch deswegen so lange halten, weil es nicht nur viel zulässt, sondern das Spiel auch verzeiht, wenn man eine längere Pause einlegt.
Man verliert nicht den Faden, wenn man Monate aussetzt und man kann im Hintergrund sogar weiter farmen, erzählt uns ein Schweizer DJ. Der hatte besonders vor Corona an seinen Wochenenden nicht allzu viel Zeit und kam trotzdem immer zu EVE zurück, weil es ihm erlaubt zu spielen, wann und wie viel er will, ohne dass er komplett abgehängt ist.
Quelle: Roger Sieber
Kein natürliches Licht in den Hallen, die das Fanfest beherbergen.
Das, was wir "Mitbestimmungsrecht" nennen, ist natürlich viel dem Aufbau als Sandbox geschuldet, CCP nimmt die Belange der Community aber auch in anderer Hinsicht ernst. So dürfen die Spieler jährlich einen Community-Sprecher wählen, der in direktem Kontakt zum Studio steht und dort direktes Spielerfeedback anbringt.
Und natürlich sind viele Entwickler früher sehr passionierte Spieler gewesen, die ihr Hobby im wahrsten Sinne zum Beruf gemacht haben und genau wissen, was sich die Spieler wünschen.
Die EVE-Frage
Neben Gelegenheitsspielern, Päpsten und Investmentbankern gibt es natürlich auch toxische Personen, die sich in Island zwar nicht vor unser Aufnahmegerät gestürzt haben, aber im themengebundenen Reddit dafür umso zügiger ausfindig zu machen sind. Einen typischen EVE-Spieler können wir allerdings nicht ausmachen, denn jeder will etwas komplett anderes im Spiel verkörpern bzw. erreichen und geht in seiner Rolle voll auf.
Die Frage sollte also vielleicht doch nicht heißen, ob einem EVE Spaß macht, sondern ob man die Zeit und Geduld mitbringt, sich lange genug in eine derartig umfassende Simulation reinzuarbeiten, bis man die eine Nische findet, aus der man nie wieder rauswill - sei das nun Busfahrer, Fondsberater oder Gegenpapst.
