Fanfest in Reykjavik: EVE Online und seine besondere Community
Special
Die meisten verbinden mit einer Islandreise unberührte Natur, Wasserfälle, warme Quellen und Wikinger. Für ein paar Hundert Besucher Anfang Mai ist Island aber vor allem der Hauptsitz von CCP, dem Entwickler von EVE Online. Wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht (oder ein Vulkan ausbricht), veranstaltet CCP jährlich das EVE Online Fanfest, wo sich die unterschiedlichsten Leute einfinden, um ihr Lieblingsspiel zu zelebrieren.
Dunkel sind die Hallen vom Laugardalsholl Sportcenter in Reykjavik und neben künstlichem Licht und künstlichem Nebel liegt ein natürlicher Schweißgeruch in der Luft, den jeder Gamer kennt, der schon mal eine Nacht durchgezockt hat. Daneben spürt man auch die Vorfreude von Fans, die nach vier Jahren Pandemie endlich wieder ihre Helden und Gleichgesinnte treffen dürfen. Fast 800 EVE-Online-Spieler sind aus aller Welt angereist, um die Gemeinschaft zu feiern und sich über ihr zweites Leben im Weltall auszutauschen.
Lohnt sich EVE Online?
Entwickler des berühmt-berüchtigten MMOs ist CCP, ansässig mitten in der isländischen Hauptstadt Reykjavik und sie haben nicht unrecht, wenn sie sich auf ihren Erfolg etwas einbilden. Seit nunmehr 19 Jahren existiert EVE Online und hält sich wacker neben den großen Platzhirschen à la World of Warcraft. Dabei stellte sich schon seit Release im März 2003 die Frage: Kann ein MMO im Weltraum überleben? Everquest bewies, dass eine Fantasy-Welt genügend Leute begeistert, um ein Onlinespiel am Leben zu halten und viele andere Genrevertreter bestätigen heute diese Regel, doch Sci-Fi?
In diesem Artikel
Bereits nach wenigen Monaten Existenz hing die Aussage "EVE is dying" zu Deutsch: "EVE stirbt" als Damoklesschwert über der Community und auch heute nach 19 Jahren fragen sich besonders neue Spieler: Lohnt es sich den Titel zu spielen? Sich reinzuarbeiten, wenn die Server bald abgeschaltet werden? Da das Spiel schon ewig unter gleichen Bedingungen existiert, ist diese Befürchtung ziemlich unnötig, zumal erst im Jahre 2020 gleich zwei Weltrekorde im Spiel aufgesteltt wurden.
Quelle: Roger Sieber
Manche Fans haben sich extra in Schale geworfen
In unseren Augen gewichtiger ist sowieso die Frage, ob EVE überhaupt Spaß macht und das hängt nicht nur an den Spielmechaniken, sondern zum größten Teil davon ab, ob man sich in der Community wohlfühlt. EVE lässt sich nämlich nicht wirklich allein spielen - man wird immer an einen Punkt geraten, wo man sich im Ingame-Chat Hilfe suchen und mit anderen Spielern Kontakt aufnehmen muss.
Das, was man gemeinhin über EVE-Spieler weiß, ist nur leider nicht wirklich positiv. Man kennt EVE Online (jetzt kaufen 69,95 € ) für die ausartenden Schlachten und das PvP; die Community dafür, dass sie neuen Spielern aus Langeweile das Leben schwer macht und der Titel gilt gemeinhin als überaus komplex und zeitintensiv.
Das mag in gewisser Hinsicht auch stimmen, ist aber nur die halbe Wahrheit. Es mag erschütternd wirken, aber EVE Online besteht beileibe nicht nur aus karikativ überzeichneten Nerds, die ihren Selbstwert aus dem Zerstören von Noobs ziehen. Stattdessen zeichnet die Spielergemeinschaft ein ökonomisches Netz, in dem sich die verschiedensten Persönlichkeiten einfinden und auf ihre Art einbringen.
Von Wissenschaftler bis Papst
Springen wir zurück nach Reykjavik und schauen uns um: Anzugträger, Menschen mit Katzenohren, Weltraumpiraten, ein Mann aus Wisconsin, der Spielernamen auf seinem Käsehut sammelt und ... Mönche? Zugegebenermaßen klingen Mönche nicht abwegig, allerdings folgen diese kuttigen Gesellen einem Mann in Papstklamotten.
Charles White heißt der Herr in der ungewöhnlichen Robe und mag für Außenstehende fehl am Platz wirken, für EVE-Online-Veteranen ist es hingegen eine Ehre, diesen besonderen Mann zu treffen. Online nennt sich Charles Max SIngularity und bestreitet den Posten des Space Pope oder Weltraumpapst. Mit seinem großväterlichen Lächeln passt Charles so gar nicht in das Bild, was der Durchschnittsbürger von Zockern hat und dabei steht er so sehr für die EVE-Community wie kein anderer.
Als NASA-Wissenschaftler ist Charles natürlich per se am Weltraum interessiert und ist schon lange EVE-Spieler. Die Geschichte der Wendung vom normalen Gamer hin zum kirchlichen Ingame-Oberhaupt ist leider sehr tragisch. Innerhalb von zwei Jahren verlor Charles sieben Freunde durch Suizid, ohne dass er einen Hilferuf wahrgenommen hatte und somit die Chance bekam, helfen zu können.
Getroffen durch diese Verluste und in sensiblem Zustand sprangen ihm EVE-Spieler ins Auge, die im offenen Chat davon sprachen, dass es ihnen nicht gut gehe und bereits Selbstmord-Andeutungen machten. Charles nahm sich insgesamt so vieler Personen an, sprach mit ihnen und versuchte ihnen zu helfen, dass die Community ihn als Heiligen wahrnahm und bald schon die Rede vom Weltraumpapst war.
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