Von Excel-Sheets bis Weltraumpapst: Faszination EVE-Online - Seite 2
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Was hat es mit dem Weltraumpapst auf sich und warum geht ein Spiel eine Kooperation mit Excel ein? Warum dieses Spiel besondere Fans hat, erfahrt ihr hier.
Was zunächst als Spaß gemeint war und mit zwinkerndem Auge gesagt wurde, sollte bald Realität werden, denn Charles sah eine Gelegenheit, das Momentum für sich und seinen guten Zweck zu nutzen. Er kaufte als Reaktion auf den Spitznamen nicht nur päpstliche Kleidung ein, sondern gründete eine ganz neue Allianz im Spiel: The Sixth Empire, das sechste Imperium, welches für Frieden und Hilfe steht. Dort, wo sie sind, gibt es keinen Krieg im Spiel. Dort gibt es Hilfe für alle, die einen Ort benötigen, wo sie sich hinwenden können. Mit dem Ausspruch "Wir beantworten jeden Ruf" hören die Mitglieder dieser Allianz bei Problemen zu, verweisen auf professionelle Programme und fangen Menschen da auf, wo sie sich einfinden, wenn sie keinen anderen Ort mehr haben: in ihrem Lieblingsspiel EVE Online.
Stimmen aus der Community
Ja, in EVE kann man alles werden und während der Posten des Papstes aktuell besetzt ist, entscheiden sich andere Community-Mitglieder in kleinerem Rahmen zu helfen. Mike Azariah gründete bereits vor Jahren die Initiative Magic School Bus, die neue Spieler mit voll ausgestatteten Schiffen beschenkt und ihnen wertvolle Tipps gibt, wie sie im weiteren Spielverlauf nicht auf die Schnauze fallen.
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Quelle: Roger Sieber
Charles White alias der Space Pope
Die virtuellen finanziellen Mittel stammen aus Spenden von erfahrenen Spielern, denen primär daran gelegen ist, dass die aktive EVE-Community wächst. Denn obwohl sich zahlreiche Spieler in Island einfinden, die Entwickler von CCP über steigende Spielerzahlen reden und eine halbe Million aktive Spieler im Monat vermelden, nehmen die Spieler die Realität anders wahr.
So erzählt uns der deutsche Spieler Pandoralica, dass es für ihn immer schwieriger wird, als Flottenkommandant aktive gegnerische Allianzen zu finden, um Online-Schlachten auszutragen. Dieser Kernaspekt des Spiels findet immerhin ausschließlich durch Spieler statt, die sich ihre Inhalte gewissermaßen selbst erschaffen.
"Natürlich kann man die feindliche Basis direkt angreifen" so Pandoralica, "aber wenn sich die andere Partei dazu entscheidet, den Kampf nicht aufzunehmen, sondern sich verschanzt, passiert halt nicht viel". Sicherlich habe er Angst davor, dass die Spielerzahl von EVE unter eine kritische Masse fällt, aber das müsse man abwarten.
Auf unsere Nachfrage sieht Creative Director Bergur Finnbogason kaum Bedenken. Es gäbe neue Spieler und die in den letzten zwei Jahren geschaffene "New Player Experience" trage ebenfalls Früchte. Das Programm nimmt die neuen Spieler an die Hand, bevor sie ins fast unendliche All entlassen werden und führt Fenster voller Daten und komplizierter Overlays behutsam ein
Quelle: Roger Sieber
Manche machen aufwendige Cosplays, andere tragen einen Hut aus Käse und sammeln darauf Namen anderer Spieler.
"Die neuen Spieler befinden sich nicht unbedingt in den Foren oder auf Plattformen wie Reddit, was schnell den Eindruck vermittelt, dass sie gar nicht da wären". Trotz dieser Aussagen ist klar, dass viele Spieler nur einen Zeh ins Wasser halten, bevor sie wieder umdrehen. Denn obwohl EVE viel zu bieten hat, bedient es hauptsächlich Nischen.
Es ist nämlich nicht nur komplex und zwingt einen, mit fremden Spielern in Kontakt zu treten, sondern nötigt seine Spieler unter Umständen auch, eine Exceltabelle zu öffnen.
Excel im Weltall
An dieser Stelle: Nein, die Kooperation zwischen EVE Online und Excel ist kein Scherz und der Beifall beim Fanfest in Island nicht gerade gering, als CCP die Neuigkeit verkündet. So wird es bald möglich sein, Zahlen und Werte direkt aus dem Spiel in Microsofts Tabellenwunder zu exportieren und dort Investments, Überfälle und Großabbau-Projekte bedeutend bequemer zu planen als bisher.
Was für den Otto-Normal-Gamer dubios klingt, ist sowohl Schwäche als auch Stärke von EVE: Nur wenige Einschränkungen im Spielverlauf machen es zwar kompliziert, bieten dem Spieler aber auch die Möglichkeit, alles zu tun, was ihnen in den Sinn kommt. Neben Weltraum-Nerds und Kriegskommandeuren zieht es so auch Investmentjunkies ins All.
Quelle: Roger Sieber
Bergur Finnbogason: Creative Director bei CCP
Der größte unter ihnen ist Oz, ein deutscher Spieler, der schon von Anfang an dabei ist und als kleine Berühmtheit natürlich auch in Island auf dem Fanfest auftaucht, wo wir dem absolut bodenständigen Mikroinfluencer gegenübersitzen. Niels "Oz" Terfehr wollte neben seinem Studium vor 20 Jahren die gelernten Mittel irgendwo anwenden können und wo ihm andere MMOs zwar Spaß gemacht haben, bot EVE Online ihm zudem noch die Möglichkeit einer Businesssimulation.
Inzwischen ist Niels nicht nur erfolgreich in seinem Job als Research-Spezialist, sondern betreibt nebenher noch den größten Investmentfonds in EVE. Er verdient daran nichts, aber Spaß macht es ihm trotzdem, auch wenn er durch Job und Familie tatsächlich keine Zeit mehr hat, das eigentliche Spiel zu spielen. Er freue sich daher besonders, dass seine Art, EVE zu erleben, durch die Kollaboration mit Microsoft Excel unterstützt und gefördert wird.
Freunde finden in MMO-Spielen
Was Niels davon abhält, das virtuelle Geld zu nehmen, sich aus dem Staub zu machen und die wenige Freizeit, die er im Spiel hat, zu nutzen, um richtig einen drauf zu machen? Erst mal gar nichts. Schließlich handelt es sich um kein echtes Geld mit einem Gegenwert und ist deshalb auch nicht geschützt. "Manche glauben nach Jahren immer noch daran, dass ich irgendwann alle über den Tisch ziehe ... Mal gucken" kichert Niels in sich hinein und wir merken uns, dass wir ihm niemals unser Geld geben werden.
Trotzdem vertrauen Spieler Niels und genau diese Vertrauensseligkeit steht in einer knallharten PvP-Welt für die Vielschichtigkeit der EVE-Community. In mehreren Umfragen, die Entwicklerstudio CCP durchführte, gaben 44 Prozent der Spieler an, dass sie gerne anderen Leuten helfen. CCP fand weiterhin heraus, dass genau diese Gruppe am meisten mit anderen Spielern interagiert und die größte Zufriedenheit aus dem MMO zieht.
