Endless Ocean Luminous im Test: Hilfe, sie haben dem Spiel die Seele geklaut!

Test Lukas Schmid
Endless Ocean Luminous im Test: Hilfe, sie haben dem Spiel die Seele geklaut!
Quelle: Nintendo

Meine Vorfreude auf Endless Ocean: Luminous war riesengroß - die Enttäuschung im Test ist sogar noch größer. Was ist da nur schiefgelaufen?

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts

Setzen wir fort, was es alles nicht gibt: keine Delfin-Shows, NPC-Führungen oder sonstige Aktivitäten neben dem Tauchen; kein Aquarium, kein Riff, keine sonstige Möglichkeit, sich irgendwie kreativ zu betätigen.

Nein, hier gibt's Tauchen und sonst nix, und all die Dinge, die das Unterwassererlebnis auf der Wii so besonders machten, wurden verschlimmbessert. In Endless Ocean 2 waren die Momente, in denen man auf ganz besondere und teilweise ausgestorbene, in der Realität nicht existierende oder extrem seltene Meeresbewohner stieß, an bestimmte Orte, Story-Momente oder das Erfüllen besonderer Voraussetzungen gebunden.

Jetzt ... schwimmen diese Viecher einfach herum, wenn der Gott des Zufalls beschlossen hat, dass sie in der aktuell generierten Umgebung vorkommen sollen.

Thanatos, ein von Narben gezeichneter Riesenhai, der im Vorgänger genau einmal existierte und, soweit man in dem Spiel von so etwas sprechen konnte, den primären Antagonisten darstellte, schwimmt in Luminous gerne mal in zwei-, dreifacher Ausführung überm Sandbett um einen herum. Eieieiei.

Er schwimmt bei den leuchtenden Fischen

Oh, und manchmal sendet eine Handvoll random Fische im Meer Bio-Signale aus, und wenn man die alle abgeklappert hat, dann taucht ein BESONDERS besonderer Fisch auf und den scannt man und dann ist das wohl spannendes Gameplay oder so.

Tauchen in der Tiefsee Quelle: Nintendo Das Einzige, was Luminous sonst noch aus dem Vorgänger übernommen hat, sind die zahlreich über den Meeresboden verstreuten Schätze, aber auch die haben jeden Reiz verloren.

Einst waren das klug und thematisch passend an vorgegebenen Orten platzierte Gegenstände, jetzt sind die Leuchtbobbel wie der gesamte Rest zufallsgeneriert, man kann sie in mehrfacher Ausführung finden und sie haben keinerlei Mehrwert, außer dass sie nach und nach eine Liste füllen und teilweise für die Story relevant sind.

Ach ja, die Story: Ich hatte sie ja schon angeteasert und es wird leider qualitativ nicht besser. Die Struktur des Spiels ist selten dämlich: Den Großteil der Zeit verbringt man in einer Art "freiem Spiel", in dem man eben die zufallsgenerierten Karten aufdeckt und Fische scannt.

So spannend wie Badewasser

Die in verschiedene Kapitel unterteilte Story ist davon unabhängig im Menü auswählbar und umfasst nie mehr, als dass man in einem winzigen Gebiet von A nach B schwimmen, drei, vier Tiere scannen oder einen Schatz aufheben muss - manchmal nicht einmal das, dann besteht das Kapitel daraus, dass man einer Handvoll Dialogzeilen zuhört, zackfeddich, Kapitel vorbei.

Erzählt wird eine Story rund um eine Superkoralle, die das Meer reinigt und um die wir uns kümmern müssen. Und neben dem von uns erstellen, charakterlosen Avatar gibt es an NPCs nur noch unseren Mitschwimmer Daniel, der an uninteressanter Gestaltung jedem Ziegelstein Konkurrenz macht und abseits eines Geräusches, das klingt, als würde er ins Atemgerät rülpsen, komplett unvertont ist; und eine KI namens Kiki, und oh, wo soll ich da anfangen, ich kann gar nicht mehr schreiben, weil ich mir die Handfläche so fest ins Gesicht pressen muss.

Tauchen mit einem Delfin Quelle: Nintendo

Kikis kleiner Laberservice

Kiki ... spricht mit einer KI-Stimme. Nicht in dem Sinne, dass ein Mensch so tut, als wäre er ein Roboter. Nein, die Entwickler haben hier dieselbe Art von Computerstimme, die man seit Microsoft Sam kennt, einfach über den Text lesen lassen, inklusive aller völlig falschen Betonungen, fehlender Berücksichtigung von Satzzeichen und all dem, was menschliche Sprache ausmacht.

Nein, es wurde sich nicht einmal die Mühe gemacht, wenigstens eines der neuartigen KI-Stimmenmodule zum Einsatz zu bringen, die der menschlichen Sprache ja inzwischen ziemlich nahekommen. Das hier klingt exakt wie bei Miitopia oder Tomodachi Life, ohne den Charme der Miis, der half, dass man über diese eigentlich extrem freche Gestaltung hinwegzusehen bereit war.

Auf Englisch ist der KI-Sprech geringfügig besser zu ertragen, aber nicht, weil sich hier mehr Mühe gegeben wurde, sondern weil englische Computer-Vorlesestimmen ihre Sache traditionell schon immer etwas besser gemacht haben als deutsche Varianten. Schlimm hört sich das Gebrabbel aber auch dann an.

Die "Story" hat also null Anspruch, bringt einem spielerisch nichts bei und nichts voran, ist katastrophal präsentiert (Kiki fängt JEDEN Story-Tauchgang mit exakt demselben Satz an, der so klingt, als würden wir ihr gerade das erste Mal begegnen) - und stellt einen trotzdem vor schier unüberwindbare Hürden.

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