WRC Live: Mit EA Sports bei der Rallye Schweden

Special David Benke
WRC Live: Mit EA Sports bei der Rallye Schweden
Quelle: WRC / FIA

EA Sports hat uns für ein Preview-Event zur World Rally Championship nach Schweden eingeladen. Übers Spiel dürfen wir nichts sagen, aber übers Rennen schon.

Allerdings: Das wenige, das man zu sehen bekommt, ist absolut beeindruckend. Die Rallye Schweden stellt schließlich nicht nur uns Zuschauer, sondern auch die Fahrer vor besondere Herausforderungen. Die Etappe gehört trotz des rutschigen Untergrunds zu den schnellsten der gesamten Saison, dank Spikes, mit denen sich die Autos einen Zentimeter tief in den Untergrund bohren, und einer besonderen Technik, bei der man sich an die Schneewände am Rand der Strecke "anlehnt". Was natürlich auch in die Hose gehen kann. Spektakuläre Crashes gehören auch in Schweden zur Tagesordnung. Aufgrund des besonderen technischen Anspruchs hat es über 50 Jahre gedauert, bis hier mal ein "Fremder" abseits der skandinavischen Lokalmatadoren gewinnen konnte. Der Franzose Sebastien Ogier, achtmaliger Weltmeister und aktueller WM-Führender, ist gar nicht erst angereist. Auch Deutsche gehen dieses Jahr keine an den Start.

Nach ungefähr einer Stunde haben wir genug down geshaked, es geht ab in die Service-Area in der Innenstadt von Umeå, quasi das Basislager, in dem Teams, Presse und Fernsehen ihre Zelte aufgeschlagen haben. Der Chef des offiziellen Live-Senders WRC+ gibt uns eine Führung, wie vor Ort TV produziert wird. Da warten nämlich ebenfalls einige Hürden.

Ton, Kamera, Action!

Beim Rallye-Sport gibt es kein fixes Setup wie bei der Formel 1, wo rund um den Kurs immer etwas passiert. Man kann nicht einfach Kameras in der Pampa platzieren. Da würde dann ja nur alle paar Minuten jemand vorbeikommen. Eine ziemlich langweilige Angelegenheit. Rallye ist viel mehr wie die Tour der France, die sich stetig von A nach B bewegt. Allerdings fährt die WRC nicht 21 Etappen in einem Monat, sondern 18 an einem einzigen Wochenende!

Neugierige Zuschauer verfolgen vom Streckenrand die Einfahrt eines Rallye-Autos. Quelle: PC Games Schnell, zückt die Kamera! Es kommt ein Auto vorbei! Das sind zu viele, um sie alle gleichzeitig übertragen zu können. Aktuell liefert man mit einer 90 Mann starken Crew ungefähr 24 Stunden Live-TV über knapp drei Tage hinweg - da werden die Rocket Beans blass vor Neid!

Mal filmt man aus dem Helikopter, mal mithilfe sogenannter Onboard-Kits. Die bestehen aus drei Kameras, die auf der Haube, im Armaturenbrett mit Blick auf den Fahrer oder frei am Auto (etwa am Heck oder im Radkasten) platziert werden.

Die Regie des Live-Streaming-Dienstes WRC+ auf einen Blick Quelle: PC Games Schalten und Walten im Regie-Container von WRC+ Deren Signale werden an einen riesigen Container weitergeleitet, in dem Bildregie, Tonmischung und anderer Kram stattfindet. Danach wird der Live-Feed an ein Flugzeug (!) geschickt, das über der Strecke seine Kreise zieht, und in alle Welt verbreitet.

Oder es geht an ein Extra-Studio nach Helsinki, in dem dann die Post-Produktion für das VOD-Angebot übernommen wird. Was für ein Aufriss! Da wird einem schon beim Zuhören schwindelig ...

Weisheiten eines Estländers

Zum Runterkommen geht's erst mal zum Lunch. Unter einem Heizpilz tauen wir unsere stocksteifen Glieder auf. Nudeln mit Pilzsoße sorgen für ein wenig Wärme von innen. Und auch zwischen mir und den anderen Gästen bricht das Eis.

Wir kommen ins Gespräch, jeder erzählt, was er so beruflich macht: Rallye-Fahrer, Content-Creator mit Autofokus, eSportler für Mercedes. Plötzlich komme ich mir als Spieleredakteur seltsam deplatziert vor, wie Nicholas Latifi in einem Formel-1-Cockpit.

Ein Gefühl, das sich bei der folgenden Pressekonferenz verstärkt. Ich kenne keinen Menschen und verstehe fast kein Wort. Nur Nachwuchsfahrer Robert Virves bleibt mir nachhaltig im Gedächtnis. Auf die Frage, was am Rennwochenende entscheidend für den Sieg sein wird, lautet die simple Antwort des Junior-WRC-Champions: "Schnell fahren!" Als sich die Journalistin damit nicht besonders zufrieden zeigt, schiebt er in bester Kimi-Räikkönen-Manier noch ein "Auf der Strecke bleiben!" nach. Man muss den Pragmatismus der Estländer einfach lieben.

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