Faszination Rallye: Mit EA Sports bei der WRC in Schweden - Erlebnisbericht

Special David Benke
Faszination Rallye: Mit EA Sports bei der WRC in Schweden - Erlebnisbericht
Quelle: WRC / FIA

Unser Autor wurde von EA Sports zur World Rally Championship (WRC) nach Schweden eingeladen. Was das mit Videospielen zu tun hat? Kann er nicht sagen! Aber er kann berichten, wie es ist, bei Minusgraden im Schnee zu stehen und wildfremden Menschen beim Autofahren zuzuschauen.

Es ist kalt. Schweinekalt. So kalt, dass der Frost durch meine neu gekaufte Thermo-Unterwäsche kriecht. Während mein Atem an meinem Oberlippenbart gefriert, versuche ich, mein Telefon unter meinen drei Klamotten-Schichten herauszukramen und mich mit meinen dick behandschuhten Fingern unbeholfen in die Wetter-App vorzuarbeiten. 14 Grad unter null schreit mir die Anzeige entgegen, gefühlt -21° Celsius. Es hätte genauso gut "Was zum Teufel suchst du hier?" anzeigen können. Bei solchen arktischen Temperaturen sollte man mit einem heißen Kakao vor einem knisternden Kamin sitzen, nicht in der eisigen Weite der skandinavischen Tundra herumstehen. Aber gut, was will man machen? Wenn Electronic Arts einen großzügigerweise nach Schweden einlädt, dann lässt man sich nicht zweimal bitten.

Wir stehen schließlich nicht zum Spaß im Schnee herum und frieren uns die Nüsse ab. In Erwartung des ersten WRC-Spiels von EA Sports sind wir heute in Umeå zu Gast, um dort live bei der World Rally Championship dabei zu sein.

Jag älskar Sverige

Bevor es damit losgeht, karrt uns ein Bus aber erst eine knappe halbe Stunde von unserem Hotel zur Startlinie. Genug Zeit, sich von den Verantwortlichen erklären zu lassen, was wir uns eigentlich genau anschauen. Nicht, dass das nötig wäre. Ich bin nach drei Stunden Dirt Rally 2.0 schließlich absoluter Rennsport-Profi. Aber ein paar Details sind natürlich trotzdem interessant.

Während hinter den Fenstern unseres Shuttles langsam die Sonne aufgeht, es ist gerade mal viertel vor acht, erklärt man uns, warum die Rallye Schweden etwas ganz Besonderes ist: Sie ist nicht nur die einzige des gesamten Rennkalenders, die auf Schnee und Eis ausgetragen wird.

Sie ist auch eine der ältesten ihrer Art. Seit 1950 stürzen sich hier wagemutige Raser auf die Piste, um die 18 Wertungsprüfungen am schnellsten zu absolvieren.

Oder besser gesagt: seit 2021. In der Vergangenheit fand die Veranstaltung nämlich noch in Karlstad statt, erst seit zwei Jahren ist Umeå offizieller Austragungsort. Warum? Weil hier mehr Schnee liegt! Irgendwie ironisch, denke ich mir. Da muss dieser riesige Autozirkus immer weiter nach Norden ziehen, weil das CO₂, das er in die Atmosphäre pustet, dafür sorgt, dass es weltweit immer wärmer wird ...

Shake it down

Apropos warm: Was wir uns heute anschauen ist ein sogenannter Shakedown. Das ist quasi das Warm-up, das Vorspiel, bevor es richtig zur Sache geht. Das Gummi wird schon mal vorgeheizt. Fahrer machen sich mit den äußeren Bedingungen und der Strecke vertraut. Co-Piloten schmieren ihre Stimmbänder und studieren die Weganweisungen.

Da der Shakedown allerdings fernab vom Schuss stattfindet, müssen wir ab dem Parkplatz nochmal knappe 20 Minuten durch den teils kniehohen Schnee stapfen. Das allein wäre wahrscheinlich schon eine echte Herausforderung. Da einige der Influencer-Kollegen allerdings darauf bestanden haben, hier ernsthaft mit Air Jordans aufzutauchen, zieht sich die Angelegenheit noch mehr in die Länge.

Alle paar Meter legt sich jemand mangels Grip auf die Schnauze, wobei ihm natürlich der halbe Hintern aus der Hose rutscht. So viele Maurer-Dekolletés sieht man sonst nur beim örtlichen Magic-The-Gathering-Turnier.

Sieben Rallye-Fans stapfen über einen vereisten Fußweg. Quelle: PC Games Ein typischer Fußweg bei der Rallye Schweden Die Einheimischen sind deutlich besser vorbereitet. Hämisch grinsend überholen sie uns in Schneeschuhen. In Schlitten ziehen sie die Ausrüstung für den Tag hinter sich her: Klappstühle, Brennholz, Becher und Besteck.

An der Strecke bauen sie dann ihr Camp für den Tag auf, hängen ein paar Würstchen übers Feuer und reichen eine Flasche Jägermeister rum, um sich warmzuhalten. Aus Radios dröhnt Musik, jemand hat sogar einen tragbaren Mini-Fernseher dabei. Das alles hat schon stark was von der Tailgating-Kultur aus den USA.

Etwas Zeitvertreib dabei zu haben, ist aber auch verdammt clever. Denn Rallye-Sport, so stellt es sich heraus, ist was für die Geduldigen. Man wartet mehrere Minuten, bis ein Auto an der Stelle vorbeikommt, an der man steht, kann 15 Sekunden lang dem Fahrer zujubeln, bis er hinter der nächsten Biegung verschwindet, dann wiederholt sich das Schauspiel von vorn.

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