Mit Dungeon Keeper 2 erreicht die Serie zu früh ihr Ende, seitdem versuchen sich andere Studios an der Formel. Vor allem EA fällt dabei heftig auf die Nase.
Dungeon Keeper 2: Mehr 3D, mehr Spaß?
Dungeon Keeper 2 wird ebenfalls von Bullfrog entwickelt, diesmal allerdings ohne Mitwirken von Peter Molyneux, der das Studio zu der Zeit bereits verlassen hat. Dungeon Keeper 2 kopiert das Prinzip und Gameplay des Vorgängers fast 1:1, bessert aber an manchen Stellen nach. Der Humor wird etwas alberner, das Interface ein wenig entschlackt und der Kerkerbau macht genau so viel Spaß wie zuvor. Das Gameplay wird außerdem um eine neue Mana-Ressource erweitert, die nun für Zauber nötig ist und mit der sich sogar Gold erzeugen lässt. Obendrein kann jeder Zauber nun einmal verbessert werden.
Viele alte Räume feiern ihr Comeback, es gibt aber auch ein paar nützliche Neuzugänge. Im Casino können eure Kreaturen etwa ihre Laune verbessern - oder man stellt den Raum so ein, dass er seine Besucher gnadenlos abzockt. Dadurch bessert sich zwar nicht die Stimmung, aber ihr erhaltet fortlaufend ein wenig Gold aufs Konto.
Ein weiteres wichtiges Gebäude ist die Arena, in der eure Dungeonbewohner gegeneinander antreten. Sie funktioniert damit als ein zweiter Trainingsraum, denn dort können Kreaturen nur noch bis Stufe 4 aufsteigen. Dank der Arena ist ein Upgrade bis Level 8 möglich. Erst ab da müssen sie gegen richtige Feinde antreten, um auch die Maximalstufe 10 zu erreichen.
Quelle: PC Games
Dungeon Keeper 2 präsentiert sich heller und etwas comichafter als der erste Teil. Die Grafik erstrahlt nun vollständig in 3D.
Die auffälligste Neuerung ist aber die neue Grafik-Engine, die nicht nur schönere Kerker darstellen kann, sondern dank moderner Grafikkarten auch alle Figuren komplett in 3D rendert. Zum Vergleich: Der Vorgänger ließ Monster noch als pixelige 2D-Sprites über den Bildschirm stelzen. Damit sieht Dungeon Keeper 2 deutlich schicker aus, allerdings trifft die arg helle Beleuchtung nicht immer den Geschmack der Fans, die den düsteren Look aus dem ersten Dungeon Keeper bevorzugen.
In diesem Artikel
Obwohl Dungeon Keeper 2 ein paar coole Missionen auf Lager hat, entpuppt sich die Kampagne als Enttäuschung. Wieder müsst ihr nur auf einer Karte mehrere Provinzen erobern und am Ende jedes Levels dabei zusehen, wie sich Horny erhebt, um einen magischen Diamanten einzusacken. Mit den Steinchen will er ein Tor zur Oberwelt öffnen, was die gesamte Handlung im Grunde schon zusammenfasst. Eure Widersacher haben nun mehr Textzeilen und auch der diabolische Erzähler meldet sich öfter zu Wort, doch am Ende spielen sich die Level genau so aneinandergereiht wie im ersten Dungeon Keeper - eine verpasste Chance.
Quelle: PC Games
Im Trainingsraum steigern eure Dungeonbewohner ihren Level. In Dungeon Keeper 2 klappt das allerdings nur noch bis zu Stufe 4.
Immerhin: Nach dem Finale wird ein kleiner Teaser abgespielt, der Dungeon Keeper 3 ankündigt. Darin ist Horny zu sehen, der zum ersten Mal Tageslicht erblickt und sich aufmacht, die Oberwelt zu erobern. Tatsächlich hat Bullfrog auch eine Weile an dem Spiel gearbeitet, doch das Projekt wurde noch vor seiner offiziellen Enthüllung eingestellt.
Auch Dungeon Keeper 2 ist heutzutage problemlos über Steam oder GOG erhältlich, allerdings gibt es hier keine Fan-Erweiterung im Stil von KeeperFX. Stellt euch also auf gelegentliche Grafikbugs und andere Ungereimtheiten ein, wenn ihr das Spiel nachholen wollt.
Tipp: Greift lieber zur Version auf GOG, da sich das Spiel dort im Preservation Program befindet. GOG hat zuletzt im Jahr 2024 einige Verbesserungen an dieser Version vorgenommen.
Dungeon Keeper Online und das Free2Play-Desaster
Obwohl Dungeon Keeper bis heute einen guten Ruf genießt, hat EA der Marke übel mitgespielt. Bullfrog Productions wird schon 2001 mit anderen Teams zu EA UK verschmolzen, später wird es als EA Bright Light weitergeführt, bis es 2011 endgültig seine Pforten schließen muss. Dungeon Keeper 3 ist zu diesem Zeitpunkt schon lange vom Tisch.
Stattdessen vergibt EA die dahinsiechende Dungeon Keeper-Lizenz erst 2008 an das chinesische Studio NetDragon Websoft, die daraus ein halbgares Online-Rollenspiel stricken. Für Fans ein herber Schlag, hierzulande wird der Titel gar nicht erst veröffentlicht. Vielleicht auch besser so! Wer sich Dungeon Keeper Online anschauen will: Auf dieser Website findet ihr noch einige Infos und Bilder.
Der größere Schock für die Fans kommt aber erst noch, nämlich im Jahr 2013. Da wird Dungeon Keeper für iOS und Android angekündigt. Die von Grund auf neu entwickelte App stammt aus der Feder von Mythic Entertainment (Dark Age of Camelot, Warhammer Online) und entpuppt sich als enttäuschendes Online-Debakel mit unverschämt gierigem Free2Play-Modell.
In unserem Special zu Dungeon Keeper (iOS und Android), beleuchten wir genauer, warum diese App die reinste Schande war!
Quelle: Electronic Arts
Das unsägliche Dungeon Keeper für iOS und Android sorgt für jede Menge Ärger bei den Fans.
Als wären die haarsträubenden Mikrotransaktionen nicht schlimm genug, sieht sich EA schnell auch mit dem Vorwurf konfrontiert, die User-Bewertungen in den App-Stores zu beeinflussen. Es ist ein Desaster auf ganzer Linie, das aber offenbar ein paar Jahre ausreichend Geld abwirft. Erst 2022 wird der furchtbare Reboot vom Netz genommen, heute ist die App nicht mehr spielbar. Ein Glück! Doch seither ist es wieder komplett still um die wunderbare Marke geworden, die bei EA nichts anderes tut, als Staub anzusetzen (übrigens genau wie Command & Conquer und Populous).
Dungeon Keepers Erben: Können die was?
Obwohl Dungeon Keeper eine treue Fangemeinde hat, ist es nur wenigen Teams gelungen, ein Spiel in der gleichen Machart abzuliefern.
Die Dungeons-Serie
Kalypso und Entwickler Realmforge versuchen es mit der Dungeons-Serie, die zwar enttäuschend startet, doch seit Dungeons 2 bewegen sich die Spiele mehr und mehr in die richtige Richtung. Schon Dungeons 3 stellt eine deutliche Steigerun dar und Dungeons 4 hat in unserem Test sogar ziemlich gut abgeschnitten. Der Humor ist zwar anstrengend und die Kämpfe an der Oberwelt enttäuschen, doch dafür punktet das Spiel mit einem launigen Aufbau-Part in der Unterwelt. Ihr bekommt Dungeons 4 auf Steam oder auf GOG.
Lese-Tipp: Unser Test zu Dungeons 4
Quelle: Kalypso Media
Das fröhlich-bunte Dungeons 4 ist der bislang beste Teil der Reihe.
War for the Overworld
Das Kickstarter-Projekt startet mit dem festen Ziel, einen würdigen Erben zu Dungeon Keeper auf die Beine zu stellen. Man heuert sogar den beliebten Erzähler aus Dungeon Keeper 2 an, um für die richtige Stimmung zu sorgen! Allerdings fehlt es den Entwicklern an Erfahrung und Mitteln, das Projekt erscheint darum 2015 in einem katastrophalen Zustand. In unserem Test zu War for the Overworld erkennen wir zwar das große Potenzial, doch über die unzähligen Bugs und einige stinklangweilige Missionen lässt sich nicht hinwegsehen.
Quelle: PC Games
War for the Overworld wurde in einem katastrophalen Zustand veröffentlicht. Heute ist das Spiel - dank unzähliger Patches - eine Empfehlung wert.
Doch zum Glück bessert sich die Lage: Mit der Zeit feuern die Entwickler zahllose Patches raus, die War for the Overworld stabiler, schneller und spaßiger machen, viele Elemente werden nachträglich poliert und verbessert, bis am Ende doch noch ein ordentliches Spiel dabei herauskommt. An Dungeon Keeper reicht es zwar nie heran, aber es hat einige gelungene Features im Gepäck und punktet mit einem vertrauten Spielgefühl. Wer es bislang nicht kennt, kann sich War for the Overworld hier auf Steam oder auf GOG schnappen.
Evil Genius
Hier verkörpert ihr einen Superschurken, der direkt aus einem James-Bond-Streifen entsprungen sein könnte. Euer Job: Einen Stützpunkt für eure Verbrechensorganisation aufbauen, Spezialisten ausbilden, Geld rauben und feindliche Agenten davon abhalten, eure Basis zu infiltrieren. Hat nicht mehr viel mit Dungeon Keeper zu tun, aber der Aufbaupart und die herrlich böse Grundidee zeigen zumindest Parallelen. Hier findet ihr unseren Spielbericht zu Evil Genius 2. Und wenn ihr Lust auf die Idee habt, schlagt einfach bei Steam zu.
Quelle: PC Games
In Evil Genius 2 spielen wir einen Superschurken und müssen für unsere Gaunerbande einen lauschigen Stützpunkt errichten.
Steamworld Build
Die beliebte Steamworld-Serie hat es mittlerweile auf zig Ableger gebracht, darunter sogar ein charmantes Aufbauspiel. Darin habt ihr die Aufgabe, eine lauschige kleine Wildwest-Siedlung aufzubauen. Als Besonderheit müsst ihr euch aber auch unterirdisch ausbreiten und mehrere Stollen ausheben, Ressourcen ernten, Gegner bekämpfen und Geheimnisse entdecken. Während der Aufbaupart an der frischen Luft eher an ein zugängliches Anno erinnert, spielt sich Steamworld Build im Untergrund eher wie ein klassisches Dungeon Keeper.
Quelle: Thunderful Games
In Steamworld Build baut ihr an der Oberfläche eine hübsche Wild-West-Siedlung. Parallel dazu werden unter der Erde Stollen gegraben und Spezialgebäude errichtet, ähnlich wie in Dungeon Keeper.
Die Idee ist toll und die Mechaniken machen Spaß, allerdings ist der Anspruch eher auf Einsteiger ausgelegt. In unserem Test zu Steamworld Build kommen wir trotzdem zu einem guten Ergebnis. Wer es ausprobieren will, wird hier auf Steam fündig.
Was sind eure Erinnerungen an Dungeon Keeper? Würdet ihr euch einen dritten Teil oder einen offiziellen Reboot wünschen? Wer könnte so etwas eurer Meinung nach gut umsetzen? Und welche Spiele empfiehlt ihr Dungeon-Keeper-Fans, die sich nach etwas Neuem sehnen? Schreibt uns gerne eure Gedanken in die Kommentare!
