Wir haben Dragon's Dogma 2 mehrere Stunden gespielt und stellen euch seine Besonderheiten vor. Ist das Action-RPG-Highlight eine gute Wahl für euch?
Meine Strategie fußte aber auf Kenntnissen des ersten Dragon's Dogma, denn dort gab es Kuriositätenhändler, bei denen sich unter anderem Questitems duplizieren und gefälschte Dokumente kaufen ließen. Ich spazierte also - wieder ohne einen auffälligen Hinweis des Spiels, wohlgemerkt - zum örtlichen Markt und trieb in irgendeinem Hinterhof den richtigen Händler auf. Einen gefälschten Passierschein für Menschen hatte der zwar nicht im Angebot, aber dafür die nächstbeste Lösung: eine täuschend echte Biestren-Maske, mit der ich den Grenzmann überlisten konnte!
Ich habe also ein Kind vor Wölfen gerettet und mich durch einen Grenzposten geschummelt. Diese beiden kleinen Aufgaben beschäftigten mich locker die Hälfte meiner Anspielzeit, weil einem Dragon's Dogma 2 oftmals keine andere Wahl lässt, als draufloszuspielen und verschiedene Routen und Strategien auszuprobieren.
Da kann es natürlich durchaus passieren, dass man viele Minuten lang in der Pampa herumirrt und nicht begreift, was das Spiel gerade verlangt, weil es eben auch unkonventionelle Dinge verlangen könnte oder der Questlog gleich gar keine oder nur sehr grobe Ziele anzeigt. Dafür springt das Belohnungszentrum aber umso mehr an, wenn die geschaffte Quest ein richtiger Eigenverdienst ist.
Die Spielwelt(en): Wehe dem, der falsch abbiegt
Zusätzliche Komplexität erhält Dragon's Dogma 2 durch das Design seiner Spielwelt und der Karte. Enthüllt wird die nämlich nur, indem sie bereist wird, und das geschieht erstmal per pedes. Die allseits beliebten Aussichtstürme sucht man hier vergebens. Wer die oft belanglosen, teils aber auch nützlichen Kommentare der gesprächigen Vasallen ignoriert, kann sich schon mal auf der falschen Seite eines Gebirgszugs wiederfinden.
Dann ist guter Rat teuer: Schon mit einem moderat gefüllten Rucksack bewegt sich die Spielfigur recht langsam und die Schnellreise in die letzte Stadt hat eine Bezahlschranke in Form eines seltenen Kristalls. Schwimmen kann der Erweckte, den ich spiele, nicht, klettern nur an vorgegebenen Stellen und Brücken sind gerne mal eingestürzt. Habe ich schon erwähnt, dass in dieser Spielwelt überall riesige Drachen, Oger und Greife ihr Unwesen treiben?
Einkalkuliert werden muss außerdem der Tag-Nacht-Zyklus, denn nach Sonnenuntergang ist die Spielwelt nicht nur stockfinster, sondern auch von gefährlicheren Monstern bevölkert. Abhilfe schafft ein Camping-System, mit dem an bestimmten Stellen gerastet und gekocht werden kann, das dafür nötige Zelt treibt die Inventarbelastung und damit den Ausdauerverbrauch beim Sprinten aber ordentlich nach oben.
Die Kämpfe: Brachiale Action mit hochkomplexem Unterbau
Läuft man Gegnern in die Hände, gilt es nicht nur, die Stufen des eigenen Charakters und seiner Ausrüstung auf die (unsichtbaren) Werte der Monster abzustimmen, sondern auch die der Vasallen. Durch die vier Startklassen und vielen Entwicklungsmöglichkeiten lässt sich eine große Bandbreite an Teams erstellen.
Die Vasallen steigen dabei nicht nur im Level auf. Sie können sich mit der Zeit (und indem sie mit anderen Spielern unterwegs sind) Kenntnisse über Gegner, Gebiete und Quests aneignen, wodurch ein verbündeter Magier mich beispielsweise auf Geheimpfade hinweist oder erkennt, mit welchem Element er meine Waffen verzaubern muss, damit ein Goblin den größtmöglichen Schaden einsteckt.
Quelle: PC Games
Fest an meiner Seite wächst dabei aber nur der von mir erstellte Hauptvasall heran, die anderen beiden werden online ausgeliehen oder vom Spiel erstellt und sollten ausgetauscht werden, sobald der Content ihr Level übersteigt. Zusätzlich besitzen die Vasallen auch noch diffusere Werte, die etwa ihre Bereitschaft beeinflussen, auf große Feinde zu klettern oder Items einzusammeln. Zumindest besaßen sie die im Vorgänger, und ich gehe nicht davon aus, dass Capcom an irgendeinem der etlichen Systeme die Schere angesetzt hat.
Gleiches gilt für die notorisch komplizierte und kaum nachvollziehbare Schadensberechnung, die im ersten Teil gerne mal zur Folge hatte, dass sich die Lebensleiste eines Bossgegners nur unter dem Mikroskop verkleinerte. Das bekam ich auch in meiner Anspielsession zu spüren, als ich in die Robe eines magischen Bogenschützen schlüpfte und direkt in einen irren Kampf zwischen zwei Golems und einem Greifen geriet.
