Der schwierige Fall Dragon Age: Zwischen Meinungsdiktat und Verschwörungstheorie
Kolumne
Um Dragon Age ist eine Debatte entbrannt, die über die reine Spielepresse hinaus immer mehr Leute erreicht. Warum es nicht hilfreich ist, Lager zu bilden, sondern das Problem an der Wurzel gepackt gehört, erklärt Toni in ihrer Kolumne.
Ob beziehungsweise welche Teile dieser Behauptungen stimmen, können wir als PC-Games-Redaktion nicht sagen. Wir haben einen Code erhalten, und wir haben im Vorfeld keinerlei inhaltliche Versprechen gegeben oder Absprachen bezüglich unserer Wertung mit EA gehabt. So etwas gab es auch in der Vergangenheit noch nie - mit keinem Publisher.
Uns ist es im Falle von Forspoken auch einmal so ergangen, dass man uns aus dem Review-Prozess im Vorfeld der Veröffentlichung ausgeschlossen hat. Da war das schon vor dem Embargofall ein großes Thema, und wir hatten eine verlässliche Quelle, die uns damals bestätigte, dass das eine bewusste Entscheidung von Square Enix Japan war. Und immer wieder kommt es vor, dass sich Hersteller entscheiden, gar keine Codes vor Launch rauszuschicken, oder so knapp davor, dass eine rechtzeitige inhaltliche Bearbeitung gar nicht mehr möglich ist. So etwas ist nie schön und kann und soll zu Recht kritisiert werden - auch wenn die schlussendliche Entscheidung zur Bemusterung natürlich trotz allem beim Hersteller liegt.
Ein Meinungsdiktat ist keine Lösung
Für mich persönlich wären beide Gründe nicht valide, um Leute als mögliche Vorabtester und externe Stimmen auszuschließen, weil sie unterschwellige Meinungsmache enthalten, die versucht, den Diskurs vorzugeben. Alle sind sich offenbar einig, dass es nicht okay ist, Tester auszuschließen, die nie ein Wort über die woken Inhalte verloren haben. Aber wenn es um Personen geht, die sich offen gegen woke Inhalte aussprechen, ist es für manche durchaus vertretbar, kategorisch keine Codes mehr zu schicken.
Und mein erster Impuls ist ebenfalls, die entsprechenden Leute zu meiden, weil es extrem anstrengend für mich ist, diese Diskussion zu führen. Was ich primär daran festmache, dass die in den Raum geworfenen Argumente alle eher Schein als Sein sind. OP-Narben im Charakter-Editor sind genauso sinnvoll wie alle anderen Narben, die man seinem Avatar verpassen kann. Und die Verwendung von Neo-Pronomen ist nicht irritierender als irgendwelche Fantasy-Städtenamen, die ich mir nicht merken kann. Das wahre Problem für die Aufreger ist, dass Wokeness überhaupt vorkommt und das Problem ist, dass sich Leute angegriffen fühlen und selbst nicht ganz verstehen, warum.
Es gibt kein richtig und falsch
Dabei geht es mir nicht darum, Toleranz gegenüber intoleranten Menschen zu zeigen, sondern darum, Intoleranz zu überwinden. Denn kein Mensch ist grundlos schlecht, niemand handelt, um jemand anderem zu schaden, sondern immer nur, um sich selbst besser zu fühlen.
Und statt zu verurteilen, sollten wir genau die Frage stellen. Warum ist Wokeness ein Problem und was können wir dagegen tun, dass sich jemand schlecht fühlt, wenn er oder sie OP-Narben in einem Spiel sieht? Und wenn wir diese Kluft jemals überwinden, dann können wir auch wieder über die wichtigen Dinge in Spielen reden: Welche Rüstung die beste ist und warum welcher Drache den epischsten Bosskampf liefert.
Es ist so schade, dass Leute wirklich gute Spiele nicht spielen können, weil sie sich persönlich angegriffen fühlen. Und ich würde so gerne die Hand reichen und dann können ganz viele Leute Dragon Age spielen und ich Stellar Blade, ohne dass man sich die ganze Zeit aufregen muss. Sondern dass wir Spiele, einfach mal Spiele sein lassen.
