Der schwierige Fall Dragon Age: Zwischen Meinungsdiktat und Verschwörungstheorie

Kolumne Antonia Dreßler
Der schwierige Fall Dragon Age: Zwischen Meinungsdiktat und Verschwörungstheorie
Quelle: PC Games

Um Dragon Age ist eine Debatte entbrannt, die über die reine Spielepresse hinaus immer mehr Leute erreicht. Warum es nicht hilfreich ist, Lager zu bilden, sondern das Problem an der Wurzel gepackt gehört, erklärt Toni in ihrer Kolumne.

Warum ist Diversität ein Problem?

Als Diversitätthemen vor einigen Jahren mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt sind, gab es erst einmal noch kein echtes Problem. Aber damals waren Leute, die heute als woke-feindlich gelten, zum ersten Mal irritiert und haben den Aufwind und die Relevanz dahinter nicht verstanden.

Darüber hat man noch Witze gemacht und so richtig hat niemand über die Leute gesprochen, die sich mit sexistischen Sprüchen langsam ins Abseits gestellt haben. Und vor allem hat niemand mit den Leuten gesprochen und ihnen erklärt, warum Themen wie Identität und das Aufbrechen des binären Systems etwas Gutes sein kann. Diese Entwicklung hat die Betroffenen überholt und sie sind damals im Abseits gelandet.

Inzwischen müssen sich Leute, die mit Diversität nichts anfangen können, damit auseinandersetzen, dass sie mit Nazis gleichgesetzt werden, man sie als alt und dumm bezeichnet und sie massiv anfeindet. Wenn ich ein Spiel starten würde, und das würde mich an solche Dinge in meinem Leben erinnern - also Sachen, denen ich eigentlich aus dem Weg gehen will - dann wäre ich auch genervt. Das ist der Grund, warum ich Stellar Blade nicht spiele. Aber wenn mein persönlicher Trigger in jedem Spiel vorkommen würde, wäre ich nicht mehr nur genervt, ich wäre richtig sauer.

Und ich würde irgendwann anfangen zu kommentieren, um meiner Frustration Luft zu machen, nur um mich wieder anmeckern zu lassen. Von denen, die schon längst mit Diversität klarkommen, für die das alles kein Problem ist und die klar zwischen "richtiger" und "falscher" Meinung unterscheiden.

Eine Gruppe Helden aus Dragon Age: The Veilguard Quelle: Electronic Arts

Das Toleranz-Paradoxon

Und ist es nicht auch völlig klar, dass man mit woke-feindlichen Leuten keine Diskussion führen kann? Immerhin ist die Ablehnung von einer bestimmten Menschengruppe keine valide Meinung. Und das Toleranz-Paradoxon lehrt uns, dass die Toleranz von intoleranten Leuten eine moralische Abwärtsspirale nach sich zieht, die zum Ende von Demokratien führt.

Aber der Clou ist, dass es bei Woke-Feindlichkeit eben nicht um die Ablehnung von bestimmten Menschen geht, sondern darum, dass sich Leute selbst abgelehnt fühlen. Intoleranz sorgt für Intoleranz, nicht andersherum. Menschen, die gegen woke sind, fühlen sich schon längst vom Diskurs ausgeschlossen und abgewiesen.

Eine Entwicklung, die so gekommen ist, weil man nicht über das Thema gesprochen hat, weil man manche Menschen nicht abgeholt hat und weil viele woke Dinge extrem abstrakt sind. Und zwar so abstrakt, dass man sie nur auf einer emotionalen und intellektuellen Ebene verstehen kann. Und eigentlich nur, wenn man mal mit jemandem spricht, der tatsächlich in der Haut steckt, um aus eigenen Erfahrungen zu sprechen.

Mutmaßliche Anschuldigungen

Ob es sich lohnt, beim Spiel Dragon Age anzufangen und hier erste sinnvolle Diskussionen zu führen, weiß ich nicht. Immerhin hat EA bei Dragon Age: The Veilguard selbst schon einige angebliche Fehltritte gemacht, die zur Aufregung beitragen. So haben sie wohl gezielt keine Codes an Content-Ersteller geschickt, die sich offen über woke Inhalte aufregen. Außerdem steht im Raum, dass EA bestimmten Kanälen Codes vorenthalten haben soll, die in ihren Vorschauen angeblich nicht positiv genug gewesen seien.

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