Doom: The Dark Ages ist im Test eine absolut höllische Erfahrung - und genau so muss das!

Test Stefan Wilhelm
Doom: The Dark Ages ist im Test eine absolut höllische Erfahrung - und genau so muss das!
Quelle: Bethesda, PC Games

Reuelos ballern wie bei Doom 1993, aber mit der mechanischen Komplexität von Doom Eternal: The Dark Ages erfindet die Doom-Formel mal wieder neu und liefert göttlich gute Shooter-Action - auch, wenn dabei manches auf der Strecke bleibt.

Wer sich das Dämonenschlachten gerne schwerer (oder leichter) machen möchte, der findet im Schwierigkeitsmenü alles, was das Herz begehrt. Das Parierzeitfenster, der Schaden, die Geschwindigkeit und die Aggressivität der Gegner, sogar, wie schnell das ganze Spiel insgesamt läuft, all das lässt sich feinjustieren.

Mit diesen Optionen sollte jeder ein für sich passendes Erlebnis zusammenstellen können - bei hoher Spielgeschwindigkeit und niedrigem Parierzeitfenster dürften hoffentlich auch die Leute überzeugt werden, die Doom wie einen E-Sport-Titel spielen wollen.

Alles raus, was keine Miete zahlt

Apropos E-Sport: Auf einen Multiplayer-Modus hat id Software diesmal komplett verzichtet. Und das ist nicht das einzige Feature, das der Schere zum Opfer gefallen ist: Frühere Bonusmodi wie ein Map-Editor, ein Arcade- oder ein Hordenmodus existieren auch nicht. Es gibt nur die Kampagne in vielen verschiedenen Schwierigkeitsgraden, wovon mich der normale, inklusive der meisten Sammelgegenstände, etwa 15 Stunden lang beschäftigt hat.

Die Progression hat id Software auch deutlich entschlackt. Es gibt drei Ressourcen, mit denen Waffen und Schildrunen hochgerüstet werden, sowie drei Container für Lebenspunkte, Rüstung und Munitionskapazität.

Ein großes Monster aus Doom The Dark Ages Quelle: Bethesda Softworks Alles andere ist entweder weggefallen oder schaltet nur noch kosmetische Items frei - es gibt keine Anzugrunen, keine Cheat-Codes, keine Slayer-Tore, die Waffenherausforderungen sind nur für goldene Skins gut und der Slayer hat auch keine Basis mehr, die Bonuswaffen, Musik und geheime Räume bereithält.

Ich plädiere zwar gerne für kürzere, vom nicht mit unendlich viel Zeit ausgestatteten Durchschnittspieler beendbare Spiele, und die Kampagne bietet ja durchaus eine respektable Länge. Aber etwas mehr optionale Inhalte hätte id Software für die veranschlagten 80 Euro dann doch bereitstellen dürfen.

Vor allem das Fehlen der Slayer-Tore nimmt der Kampagne jene Momente aus Eternal, bei denen ich schon vorher wusste, dass ich gleich wirklich alles geben muss. Aber auch die vielen anderen Kleinigkeiten, die nun weggefallen sind, haben in Summe aus den Vorgängern gefühlt noch wertigere Gesamtpakete gemacht.

Wer keine Motivation mitbringt, sich in die höheren Schwierigkeitsgrade zu verbeißen, der ist hier nach einem Durchgang fertig und muss auf den geplanten DLC warten.

Eine Szenerie aus Doom The Dark Ages Quelle: Bethesda Softworks Wo wir schon bei Dingen sind, die fehlen: Nach einem sehr öffentlichen Zerwürfnis mit id Software war Mick Gordon diesmal nicht für die Musikuntermalung zuständig. Und auch, wenn der neue Sound ähnlich treibende Metal-Töne anschlägt und hier und da zum Mitnicken animiert, so läuft er doch meistens nur im Hintergrund und wirkt viel weniger sorgfältig eingesetzt. Ich hatte ihn jedenfalls schon kurz nach Abschluss der Kampagne nicht mehr im Kopf.

Gleiches gilt für die Story, auf die diesmal ein größerer Fokus gelegt wird - oder eher gelegt werden soll. Neben ein paar mehr Cutscenes am Anfang und gegen Ende dominiert nämlich eine simple McGuffin-Jagd den Großteil der Spielzeit, die nicht viel mehr leistet, als uns von einem Level in den nächsten zu scheuchen, und auch von den dichter erzählten ersten und letzten Stunden bleibt einfach nichts hängen.

Wenn Dooms Geschichte mal nicht nur für Lore-Cracks interessant sein soll, dann bräuchte es dringend Charaktere mit mehr Präsenz und Persönlichkeit, von denen wir mehr erfahren, als bloß, dass sie gut oder böse oder erst gut und dann böse sind. Meistens reicht es ja nicht einmal dafür.

Dinge müssten gezeigt anstatt nur in Collectibles erzählt werden, die die meisten Spieler ja sowieso nicht lesen. Für mich darf die Story auch gerne weiterhin nur Mittel zum Zweck sein, Doom ist immerhin Gameplay-fokussiert und das soll es auch bleiben. Zumindest ein interessanter Gegenspieler, bei dem man sich auf das Aufeinandertreffen freut, hätte The Dark Ages aber doch gutgetan.

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