Doom: The Dark Ages ist im Test eine absolut höllische Erfahrung - und genau so muss das!
Test
Reuelos ballern wie bei Doom 1993, aber mit der mechanischen Komplexität von Doom Eternal: The Dark Ages erfindet die Doom-Formel mal wieder neu und liefert göttlich gute Shooter-Action - auch, wenn dabei manches auf der Strecke bleibt.
Wie sie klingen, wie sie sich anfühlen und welche Spuren sie an den Gegnern hinterlassen, denen wir wie in Eternal wieder Fleischbrocken aus dem Körper schießen können, das ist großes, wunderbar überzogenes Shooter-Kino. Und das martialische Gefühl kommt rüber, obwohl die Entwickler diesmal weitestgehend auf die größten Gewaltspitzen in Form der Glory Kills verzichten.
The Dark Ages reißt uns kaum aus dem Kampfgeschehen, wenn wir einem lila blinkenden Gegner den Garaus machen - meistens reicht ein Hieb mit einer der drei Nahkampfwaffen, der Dämon zerplatzt in seine Einzelteile und weiter geht's.
Viel wichtiger für den Gameplay-Loop sind Schildparaden und die Effekte, die wir damit auslösen. Die Entwickler haben ihr wichtigstes Feature nicht nur mit einem wahnsinnig befriedigenden "Klonk"-Sound veredelt, sondern gehen auch mechanisch in die Tiefe.
Je nach Schildrune und pariertem Angriff werden Gegner mal betäubt, mal angezündet, mal von einem automatischen Geschütz beschossen, und außerdem bestehen noch viele Synergien mit dem Waffenarsenal.
Quelle: Bethesda Softworks
Da wird etwa der Raketenwerfer nach einer Parade zum Selbstheilungsinstrument oder die Kettenkugel sofort maximal aufgeladen, damit ein Cyberdemon nach jedem einzelnen Schlag, den er austeilen möchte, erst einmal eine Abrissbirne in die Visage bekommt.
Wiedergewonnene Freiheit
Das Beste an diesen Synergien: Es gibt so viele davon, dass für jeden Zweck mehrere Optionen bereitstehen. Jede Ressource, also Lebenspunkte, Rüstung, Munition und Nahkampfladungen, kann von verschiedenen Werkzeugen in unserem Kit generiert werden. Zusätzlich haben die Gegner keine Schwachstellen mehr, die nur mit bestimmten Waffen ausgenutzt werden können, wie es in Eternal der Fall war.
Im Endeffekt bedeutet das: Wir werden viel weniger in vorgegebene Strategien gezwängt. Natürlich gibt es Waffen, die in manchen Situationen und gegen bestimmte Gegner effektiver sind, aber in meinem Durchgang auf dem normalen Schwierigkeitsgrad konnte ich stets benutzen, was ich wollte, und mit ein bisschen Planung zum Erzeugen meiner Ressourcen trotzdem effektiv sein.
Alle Schießeisen, Schildrunen und Nahkampfwaffen sind valide Optionen gegen so ziemlich jeden Gegner. Das macht The Dark Ages zwar insgesamt weniger anspruchsvoll als seinen knüppelhart durchchoreografierten Vorgänger, führt es aber auch wieder näher an die simplen Wurzeln der Reihe heran.
Quelle: Bethesda Softworks
Die einzige Vorgabe, die The Dark Ages macht, ist, sich die Nutzung des Schildes anzutrainieren - vor allem das Parieren, weil es nicht nur unsere Defensive, sondern auch die Offensive deutlich mächtiger macht.
Wer nun befürchtet, sich penible Timings wie in einem Souls-Spiel draufschaffen zu müssen, darf aufatmen: Bei den Zeitpunkten und Hitboxen ist id Software außerordentlich großzügig; so sehr, dass es fast schon befremdlich wirkt, wenn man mit einschlägigen Timing-Kampfsystemen vertraut ist.
Außerdem werden parierte Kugeln ganz, ohne zielen zu müssen, perfekt zum Absender zurückbefördert. Selbst auf dem Albtraum-Schwierigkeitsgrad ist das Parieren an sich kein großes Problem, es tut nur deutlich mehr weh, wenn doch mal ein Projektil durchkommt. Befriedigend ist es aber immer.
Insgesamt lässt sich beim Kern-Gameplay festhalten, dass es höllisch unterhaltsam geworden ist. The Dark Ages bietet old-schooliges Hochglanzgeballer mit Elementen moderner Timing-Actionspiele, und wenn Doom 1993 das eine und Eternal das andere Extrem ist, dann landet der neueste Spross in der angenehmen Mitte, die auch nach vielen Stunden am Stück weder zu monoton noch zu anstrengend wird.
Dazu trägt auch eine ordentliche Gegnervielfalt bei, denn egal, ob es die vielen bekannten oder die ganz neuen Dämonen sind: Sie alle passen gut ins Spiel und wurden souverän ans neue Kampfgeschehen angepasst, auch, wenn das bedeutet, dass gegen die meisten davon Schildparaden das Mittel der Wahl sind.
