Doom: The Dark Ages ist laut, brutal, bockschwer - und hat mich wirklich überrascht!

Special Stefan Wilhelm
Doom: The Dark Ages ist laut, brutal, bockschwer - und hat mich wirklich überrascht!
Quelle: Bethesda

Für das neue Doom erfindet sich id Software mal wieder neu: Das Spielgefühl wurde ordentlich umgekrempelt, aber trotzdem ist The Dark Ages ein modernes Doom durch und durch - und ich durfte mich schon stundenlang drin austoben!

Ein höllischer Regenbogen

So, und jetzt wird's Zeit für ein bisschen Farbentheorie, denn ohne die wird man The Dark Ages nicht überleben können. Grundsätzlich ist der Kampf im neuen Doom der vertraute Loop aus Ballern, bis die Munition leer oder die Gesundheit niedrig ist, und dem Einsatz verschiedener Nahkampf-Fähigkeiten, um die Ressourcen wieder aufzufüllen.

Aber dagegen wehren sich die Feinde mit einer großen Bandbreite an farbig kodierten Angriffs- und Verteidigungsmaßnahmen.

Grün ist nämlich nur eine der Farben, die ich im Kampfgetöse im Bruchteil einer Sekunde erkennen und mit der richtigen Reaktion beantworten muss. Orangene Panzerung schützt Gegner vor Schaden und will per Schildwurf zerdeppert werden, aber erst, wenn sie nach ein paar Schüssen zu glühen beginnt.

Lila blinkende Damönen muss ich im Nahkampf angreifen, wobei kleinere dann direkt aus dem Leben geboxt werden und größeren erst irgendein Bestandteil des Körpers entfernt wird. Ein Beispiel: Bei einem Stierdämon geht's mit dem ersten Finisher dem bogenschießenden Reiter an den Kragen, danach ist sein "reitbarer" Untersatz dran.

Der Slayer kämpft mit der Shotgun gegen einen Dämonenreiter. Quelle: Bethesda Rote Geschosse fliegen in allen möglichen Formen durch die Arena, und die müssen ausmanövriert oder geblockt werden. Dann gibt's noch blaue Energieschilde, die per Schildwurf entfernt oder mit einer Energiewaffe zum Bersten gebracht werden und verschiedenfarbige Item-Pickups, mit denen man währenddessen haushalten muss.

Ach ja, und natürlich hat man irgendwann wieder jederzeit sein komplettes Waffenarsenal dabei, inklusive Umwandlungen, und das Spiel erwartet durchaus, dass man das meiste davon auch in den richtigen Momenten benutzt.

Statt mit dem Enterhaken stürmt der Slayer diesmal etwa mit einem Schild-Dash auf seine Gegner zu. Der ist jederzeit und mit allen Waffen nutzbar, aber erst so richtig effektiv, wenn darauf eine Schrotladung aus der doppelläufigen Variante folgt. Hoffentlich hab' ich vorher die richtige Waffe ausgerüstet und sie in die Super-Shotgun umgewandelt!

Kein Doom wie (ganz) früher

All diese Elemente, das farbig kodierte Gameplay und der größere Nahkampffokus führen dazu, dass sich Doom: The Dark Ages fast schon anfühlt, wie ein Hack & Slash, nur eben aus der Ego-Perspektive und mit vielen Schusswaffen. Aber selbst mit denen reicht es nicht, einfach nur draufzuhalten - Kombo-Möglichkeiten wollen genutzt und das richtige Schießeisen zur richtigen Zeit rausgeholt werden.

Es ist ein heilloses, nitro-geboostetes Chaos, aber in der Theorie stellt das Spiel alle nötigen Werkzeuge zur Verfügung, um es kontrollierbar zu machen. Elementar wird dabei sein, dass The Dark Ages seine vielen Bestandteile nacheinander und behutsam einführt, aber nach den beiden Vorgängern und den paar Tutorial-Missionen, die ich spielen durfte, bin ich guter Dinge, dass id Software das auch diesmal wieder hinbekommt.

Sollte das nicht klappen, könnte bei einigen Spielern aber auch der Eindruck eines ganz schön überladenen Kampfsystems entstehen. Den hatte ich zumindest, als ich zum Ende der Anspielsession in einen späteren Abschnitt mit jeder Menge freigeschalteten Waffen und Fähigkeiten gesetzt wurde. Die Gegnermenge und -zähigkeit hatte da auch bereits ordentlich angezogen.

Der Slayer stellt sich mit dem Nagelgewehr einer Horde Dämonen. Quelle: Bethesda Beim Ansehen meines Gameplays merke ich aber schnell, woran es gehapert hat: Ich versuche zu sehr, The Dark Ages wie seinen Vorgänger zu spielen, hüpfe zu viel durch die Arena und arbeite nicht so oft mit dem Schild, wie ich sollte.

Der rechtzeitige Waffenwechsel sitzt auch noch überhaupt nicht, und der wird ebenfalls wieder eine große Rolle spielen. Man wird hier nach und nach über sich hinauswachsen und sich auf das Spiel einlassen müssen, wie es auch schon bei Eternal war - also zumindest bei mir.

Aber dann stehen alle Zeichen darauf, dass uns hier wieder ein Actionspiel par excellence erwartet, bei dem wir nach und nach zum Meister heranwachsen und nur noch müde darüber lachen können, wie unbeholfen wir einmal angefangen haben.

Darf's etwas langsamer sein? Oder SCHNELLER?

Für alle, die nicht bereit sind, sich so in Doom hineinzusteigern, oder die Cracks, die sich alles noch viel schwerer machen wollen, hat id Software diesmal aber eine große Bandbreite an Anpassungsmöglichkeiten im Angebot.

Der Schwierigkeitsgrad lässt sich zusätzlich zu den klassischen Stufen nämlich noch feinjustieren: Das Zeitfenster zum Parieren, wie viele gegnerische Attacken gleichzeitig ausgelöst werden können, die Geschwindigkeit der Bullet-Hell-Geschosse, ja, sogar die Geschwindigkeit des Spiels an sich. Alles, was irgendwie Einfluss aufs Gameplay nimmt, lässt sich einstellen.

Gut, alles außer der Spielerprogression, denn die macht auch wieder einen großen Teil des Reizes aus. The Dark Ages wechselt zwischen geradlinigen und offeneren Missionen, wo wir Ziele in beliebiger Reihenfolge angehen können. Natürlich gibt es wieder Secrets noch und nöcher zu finden, darunter Kosmetisches wie Skins für den Slayer und seine Waffen, aber auch Upgrade-Material und Extraleben, die uns beim Tod eine zweite Chance geben.

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