Diablo Immortal in der Vorschau: So spielt sich das Mobile-Diablo

Special Felix Schütz
Diablo Immortal in der Vorschau: So spielt sich das Mobile-Diablo
Quelle: Blizzard

Überraschung! Diablo Immortal erscheint schon in wenigen Wochen. Und zwar nicht nur für iOS und Android, sondern auch für den PC. Als einzige deutsche Redaktion haben wir mit den Entwicklern gesprochen und verraten euch hier, warum die PC-Fassung vielleicht anders wird, als ihr erwartet - und warum ihr dem Spiel trotzdem eine Chance geben solltet.

Was man auch tut, alles ist mundgerecht portioniert und auf schnelle Erfolge zugeschnitten. Hat man eine Aufgabe abgehakt oder einen Elite-Gegner gekillt, erscheint zum Beispiel einfach eine große Schatztruhe und spuckt Beute und Erfahrungspunkte aus. Hier merkt man deutlich, dass Diablo Immortal nicht nur, aber eben auch auf kurze Einheiten ausgelegt ist. Die Entwickler bestätigen im Interview, dass es ihnen sehr wichtig war, genügend Inhalte für kurze Sessions anzubieten: Je nachdem, worauf man Lust hat, können die Aktivitäten zwischen 3 und 20 Minuten in Anspruch nehmen. Wer's eilig hat, spielt vielleicht nur einen Rift oder erledigt einen Kopfgeldauftrag - und legt das Spiel danach wieder weg. Und wer mehr Zeit mitbringt, macht sich stattdessen auf Erkundungstour oder nimmt die Hauptquest wieder in Angriff.

In jedem Areal gibt es außerdem noch Quests, die alle Spieler in der Zone betreffen. Auf dem Friedhof spawnt beispielsweise regelmäßig ein untoter Steuereintreiber, der mit seinem Karren samt Geisterpferden durch die Landschaft pflügt. Auf dem Berg Zavain erscheint dagegen ein uralter Riesendämon, der nur verletzt werden kann, wenn man magische Säulen in der Nähe aktiviert - das ist ein Job für mehrere Spieler und sorgt für ein wenig Abwechslung.
Diablo Immortal fühlt sich über weite Strecken wie ein Nachfolger von Diablo 3 an. Quelle: Blizzard Diablo Immortal fühlt sich über weite Strecken wie ein Nachfolger von Diablo 3 an.

Items, Steine, Upgrades: Es gibt viel zu tun

Wer Diablo 3: Reaper of Souls gespielt hat, wird sich an die gefallene Stadt Westmark erinnern, die von Malthaels Todesengeln plattgemacht wurde. In Diablo Immortal erlebt man den Ort in seiner Blütezeit, eine stimmungsvolle mittelalterliche Festung, in der noch das Leben tobt. Westmark dient allen Spielern als zentraler Hub, das heißt, ein Stadtportal führt euch grundsätzlich immer hierher.

In dieser Stadt werdet ihr viel Zeit verbringen, denn hier entfalten sich nicht nur viele Ereignisse, es werden auch immer mehr Features und Fortschrittsmechaniken freigeschaltet. Denn in Diablo Immortal wimmelt es nur so von ineinander verzahnten Systemen, die etwas Eingewöhnungszeit brauchen. So könnt ihr eure Ausrüstung diesmal in Rängen aufwerten, das verschlingt irgendwann Unmengen an Ressourcen. Aber: Ränge lassen sich bequem auf neue Items übertragen, ihr verliert euren Fortschritt also nie. Das gilt auch für Set-Items und legendäre Gegenstände, die Modifikatoren für Talente mitbringen, wodurch sie im Grunde die Fähigkeitenrunen aus Diablo 3 ersetzen. Habt ihr den Höchstlevel erreicht, wird außerdem ein erweitertes Paragonsystem freigeschaltet, das mit mehreren kleinen Talentbäumen daherkommt.
Eure Items könnt ihr mit der Zeit aufwerten. Das ist teuer, allerdings lassen sich die Ränge unkompliziert auf neue Ausrüstung übertragen. (Screenshot aus der Beta) Quelle: PC Games Eure Items könnt ihr mit der Zeit aufwerten. Das ist teuer, allerdings lassen sich die Ränge unkompliziert auf neue Ausrüstung übertragen. (Screenshot aus der Beta)

Natürlich gibt es wieder Edelsteine für Sockelfassungen, die in Diablo Immortal sogar noch wichtiger sind als früher. Natürlich könnt ihr die Dinger wieder in zig Stufen aufwerten. Das gilt besonders für die legendären Steinchen, die besondere Eigenschaften liefern. Und dann kommen noch die vielen Aktivitäten hinzu, mit denen ihr Ressourcen verdienen könnt. Zig verschiedene Runen, die ihr fürs Crafting braucht. Zauber (Charms), die man extrahieren und neu zusammenbasteln muss, um Talentboni freizuschalten. Freispielbare Slots auf legendären Items, in die ihr neue Affixe einsetzen könnt. Steine mit eigenen Setboni, die zum Auswürfeln von Attributen verwendet werden. Ein Marktplatz, auf dem man das ganze Zeug handeln kann. (Keine Sorge, das Auktionshaus aus Diablo 3 kehrt nicht zurück!)

Später entdeckt man dann einen geheimen Horadrimtempel, wo weitere, dauerhafte Boni darauf warten, freigespielt zu werden. Und für hochstufigere Spieler wird nach einer Weile das Reliquiar der Hölle verfügbar, ein magisches Gerät, das sich - logisch - wieder mehrfach aufleveln lässt. Dazu müsst ihr allerdings Raid-Bosse bezwingen, für die ihr zwingend eine achtköpfige Spielergruppe braucht. Und das ist nicht mal alles. Es gibt noch mehr Währungen, Handwerksmaterialien und spezielle Händler, die erst nach der Hauptgeschichte wichtig werden. Das alles kann gerade in den ersten Stunden ganz schön verwirren - aber zumindest dürfte man damit eine ganze Weile beschäftigt sein.
Das neue Paragon-System verspricht mit seinen Talentbäumen mehr Tiefgang als in Diablo 3. (Screenshot aus der Beta) Quelle: PC Games Das neue Paragon-System verspricht mit seinen Talentbäumen mehr Tiefgang als in Diablo 3. (Screenshot aus der Beta) Dazu zählen auch die täglich wechselnden Herausforderungen und Erfolge, die in einem großen Journal vermerkt werden. Ihr könnt hier extra Ressourcen und viel Erfahrung einstreichen, indem ihr bestimmte Dungeons wiederholt, Gegner jagt, Aufgaben abarbeitet. Außerdem gibt's jede Menge Belohnungen, wenn ihr zum Beispiel alle Zufallsbosse in einer Zone besiegt oder bestimmte Events erledigt habt. Auch das ist nichts, was man an einem Wochenende erledigt.

Umfangreiches Endgame

Durch sein MMO-Fundament gibt es in Diablo Immortal auch deutlich mehr soziale Features. Ihr könnt euch beispielsweise schnell ein Team für einen Bosskampf suchen, euch zu zwanglosen Kampftrupps zusammenschließen oder aber ausgewachsene Gilden mit bis zu 150 Mitgliedern gründen. Auch für die Rifts und Elder Rifts, die ganz ähnlich wie in Diablo 3 funktionieren, sucht ihr euch über ein Matchmaking-System flott ein paar Mitspieler. Danach könnt ihr die Gruppe sofort wieder verlassen, wenn ihr das wollt. Einen Offline- oder Einzelspielermodus gibt es allerdings nicht.
Eine Gruppe bereitet sich auf den Kampf vor. Im Endgame nimmt PvP eine wichtige Rolle ein. (Screenshot aus der Beta) Quelle: PC Games Eine Gruppe bereitet sich auf den Kampf vor. Im Endgame nimmt PvP eine wichtige Rolle ein. (Screenshot aus der Beta) Ein zentrales Feature wartet dann im Endgame, das sich um die "Immortals" dreht: Darin müssen sich zwei Fraktionen - Schatten und Unsterbliche - um eine Krone kloppen. Und das fällt viel komplexer aus, als man es von einem Diablo vermuten würde. Da müsst ihr euch erst mal einer Seite anschließen, Charaktere kennenlernen, Aufgaben erfüllen, im Rang aufsteigen, PvP-Kämpfe gegen die andere Seite austragen und an Raubzügen mit eigenen Spielregeln teilnehmen.

So verdient ihr für euer Haus Punkte, bis ihr euch dann für einen großen Schlusskampf qualifizieren könnt. Die Siegergruppe erhält am Ende die Krone der Unsterblichen, wodurch sie mächtige Vorteile erhält - zumindest bis der Kreislauf wieder von vorne beginnt. Das Endgame ist aber nicht nur für gut vernetzte Vielspieler ausgelegt. Zwar sind einige Inhalte klar auf Gilden und PvP zugeschnitten, doch ihr könnt euch auch als Solospieler mit wenig Zeit einbringen und Fortschritte erzielen.

Free2Play - Ein Grund zur Sorge?

Der Shop versucht euch mit Angeboten zum Kauf zu bewegen. (Screenshot aus der Beta) Quelle: PC Games Der Shop versucht euch mit Angeboten zum Kauf zu bewegen. (Screenshot aus der Beta) Bei "Free2Play" läuten bei vielen Spielern die Alarmglocken. Es ist wichtig, diese Systeme zu hinterfragen und genauer hinzuschauen. Im Fall von Diablo Immortal fällt das aber gar nicht so leicht. Es gibt so viele Fortschrittsmechaniken, Ressourcen und Upgrades, dass es wie eine Mammutaufgabe anmutet, das alles fair auszubalancieren. Schließlich soll am Ende keine Kluft zwischen zahlenden und nicht-zahlenden Spielern entstehen. Blizzard beruft sich hier auf seinen Grundsatz "Gameplay first", das heißt, dass man auch als nicht-zahlender Spieler voll auf seine Kosten kommen soll. Es gibt zwar einen umfangreichen Shop, allerdings könnt ihr euch dort keine Items kaufen wie damals im Auktionshaus von Diablo 3. Stattdessen sind dort verschiedene Währungen, Ressourcen und Schatzkisten im Angebot, mit denen ihr euch zum Beispiel das Crafting etwas leichter machen könnt. Oder ihr erhaltet mehr Wappen, mit denen ihr Rifts aufwerten könnt, um eure Dropchancen auf seltene Beute zu erhöhen. Allerdings stellt sich hier schon die Frage, ob man das Zeug als halbwegs fleißiger Normalspieler überhaupt braucht. So etwas kann erst das fertige Spiel zeigen.
Der Battle Pass steht allen Spielern zur Verfügung. Gegen Echtgeld könnt ihr auch eine zweite Schiene (unten) freischalten, die noch mehr Belohnungen verspricht. (Screenshot aus der Beta) Quelle: PC Games Der Battle Pass steht allen Spielern zur Verfügung. Gegen Echtgeld könnt ihr auch eine zweite Schiene (unten) freischalten, die noch mehr Belohnungen verspricht. (Screenshot aus der Beta) Sicher ist aber: Es gibt einen Battlepass, den man durch verdiente Punkte aufleveln kann. Mit jeder Stufe werden dann verschiedenste Belohnungen freigeschaltet. Dieser Battlepass ist für jeden Spieler verfügbar, allerdings kann man sich für ein paar Euro auch eine Premium-Variante freischalten, die dann für eine Weile deutlich mehr Belohnungen ausspuckt. Wir haben so einen Kauf während der Closed Beta ausprobiert und hatten nicht das Gefühl, dass uns da als nicht-zahlender Spieler etwas Wichtiges entgeht. Was uns ohnehin wichtiger ist: Blizzard verspricht, dass alle neuen Updates und Inhalte immer kostenfrei verfügbar sein werden - ihr werdet laut Blizzard also nie für neue Klassen, Gebiete, Dungeons, Raids und so weiter bezahlen müssen.

Fazit und Ausblick

Es sind keine üblen Zeiten für Diablo-Fans! Die Veteranen haben Diablo 2: Resurrected bekommen. Und wer's lieber modern mag, kann sich vielleicht schon im nächsten Jahr Hoffnungen auf Diablo 4 machen. Bleibt nur noch die Frage, ob auch Diablo Immortal seine Lücke finden wird. Blizzard ist mit der Ankündigung vor vier Jahren ein Risiko eingegangen, das Image der Firma hat damals eine tiefe Delle abbekommen. Für die Entwickler eine bittere Lektion.

Bildergalerie

Rod Fergusson findet aber, dass sich die Stimmung seitdem deutlich gebessert hat: "Unsere Ankündigung hat damals viel Kritik hervorgerufen. Aber während wir dann durch unsere ganzen Testphasen gingen und über das Spiel sprachen und unsere Blogs machten, merkten wir, dass sich die Stimmung in den letzten 4 Jahren wirklich geändert hat. Jetzt werden wir oft gefragt, wann das Spiel endlich rauskommt. Darum freue ich mich sehr auf den Release am 2. Juni." Für Fergusson markiert Diablo Immortal einen wichtigen Schritt: "Wisst ihr, Diablo 2: Resurrected war toll, als wir es im September 2021 veröffentlicht haben. Aber es war eben ein Remaster eines 20 Jahre alten Spiels. Es gab seit fast zehn Jahren keine richtig neue Diablo-Erfahrung mehr. Wenn wir also mal das Franchise betrachten, ist der Release von Diablo Immortal für uns eine richtig große Sache. Wir gehen diesmal nicht nur auf die breite Masse zu, indem wir erstmals ein Mobile-Game machen. Es ist auch einfach das erste neue Diablo seit rund einer Dekade. Darum kann ich es kaum noch erwarten, die Spieler in Sanktuario wiederzusehen."

Auch Wyatt Cheng freut sich auf den Release und lobt vor allem den Einsatz der Community: "Zuerst haben wir das Spiel jahrelang in Abgeschiedenheit entwickelt. Und als wir dann endlich in unsere Alpha- und Betaphasen starteten, als die Leute das Spiel ausprobieren und uns Feedback schicken konnten, das hat das Spiel wirklich beeinflusst. Es war fantastisch. Ich bin wirklich dankbar für diese Community, die uns ständig dabei geholfen hat, das Spiel durch die Testphasen besser zu machen. Wir freuen uns jetzt riesig darauf, das Spiel endlich zu veröffentlichen."

Und jetzt seid ihr gefragt: Werdet ihr Diablo Immortal eine Chance geben? Und wenn ja, werdet ihr lieber auf Mobile oder auf dem PC starten? Schreibt uns eure Gedanken zu dem Thema! Und wenn ihr noch Fragen zu Diablo Immortal habt, nutzt gerne die Kommentarfunktion. Hier findet ihr noch mehr Infos rund um Diablo 4, Diablo Immortal und Diablo 2: Resurrected.

  1. Seite 1 Diablo Immortal: Es kommt für den PC! Termin, Gameplay + Interview in der Vorschau
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