Diablo Immortal: Wie Blizzard sich den Shitstorm hätte sparen können

Kolumne Carlo Siebenhüner
Diablo Immortal: Wie Blizzard sich den Shitstorm hätte sparen können
Quelle: Blizzard / pcgames.de

Die Ankündigung eine Farce, der Shitstorm riesig: Diablo Immortal wurde schon weit vor Release zerrissen. Doch jetzt kommt der Plot Twist von Redakteur Carlo Siebenhüner: Das Spiel ist gar nicht so schlecht, wie alle sagen und die allgemeine Abneigung in der Community hätte mit einem kleinen Kniff bei der Ankündigung vermieden werden können.

Packt das ruhmreiche Enthauptungsschwert und die erhabene Massakrieraxt ein: Es gibt ein neues Diablo, und das noch vor dem Release von Diablo 4. Nach langem Stillschweigen kommt Diablo Immortal endlich in die Gänge und bevor irgendjemand fragt, ob wir denn keine Handys haben - die braucht man gar nicht mehr zwingend. Diablo Immortal erscheint offiziell für den PC. Ich finde das gut, denn jetzt kommt der Plot-Twist: Diablo Immortal ist gar nicht so schlimm, wie alle immer sagen und obendrauf hätte sich Blizzard die allgegenwärtige Abneigung in der Community und den riesigen Shitstorm mit einem kleinen Kniff komplett ersparen können.

Wer mehr zur PC-Umsetzung von Diablo Immortal (jetzt kaufen ), unseren Eindrücken aus Alpha- und Beta-Phase lesen möchte, der schaut sich einfach unsere ausführliche Preview an. Wir konnten uns sowohl in der Alpha- und Beta-Phase des Spiels viele Stunden durch die Dämonenhorden prügeln. Außerdem durften wir als einzige deutsche Redaktion ein ausführliches Interview mit den Entwicklern führen, wie es zum Sinneswandel rund um die PC-Version kam.

Diablo Immortal ist gar nicht doof

Bevor jetzt Fragen aufkommen, ob das ein verspäteter Aprilscherz ist oder ich Geldkoffer von Blizzard bekomme. Nein, ist es nicht und nein, bekomme ich nicht. Ich durfte nur mit ein paar Kollegen Diablo Immortal bereits vor gut einem Jahr spielen, sowohl in der Alpha, als auch in der Beta. Tja, was soll ich sagen: Ich hatte damals ordentlich Spaß. Ja, die Alarmglocken läuteten auch bei mir: Ein Diablo für das Handy Der InGame-Shop hat alles, was man kennt. Zusätzwährungen, Battle Pass & Co.  Quelle: PC Games Der InGame-Shop hat alles, was man kennt. Zusätzwährungen, Battle Pass & Co.  mit Free2Play, alle Monetarisierungen, die mit diesem Geschäftsmodell einhergehen, sind enthalten. Also Zusatzwährungen, die man mit Echtgeld ersteht, Edelstein-Items, die man kaufen kann, Battle Pass und mehr.

Es ist also alles da, was die Core-Gamer-Seele im Strahl kotzen lässt, doch der wichtigere Punkt ist: Diese Dinge kann man getrost ignorieren und hat dann tatsächlich ein gut funktionierendes Diablo. Es gibt mehrere Klassen zur Auswahl, die sich so spielen, wie man das aus der Serie kennt. Der Barbar haut derbe drauf, Magier müssen Distanz halten, lasern aber alles weg. Dazu gibt es Mönch, Dämonenjäger, Totenbeschwörer und Kreuzritter.Nach dem ersten Spielstart habe ich ein wohlig warmes Gefühl des "nach Hause Kommens", denn als alter Diablo-3-Verfechter wirkt alles sofort vertraut. Der Grafikstil erinnert stark an den dritten Teil der Reihe und zumindest auf dem Smartphone sieht das nicht schlecht aus. Trotzdem geht es serientypisch morbid zu: Diablo Immortal ist blutig und bietet viel Fleischsalat in seinen Geschichten. Der Grafikstil erinnert sofort an Diablo 3.  Quelle: Blizzard Der Grafikstil erinnert sofort an Diablo 3.  Auch die Locations kennt man von früher. So schmeißt Diablo Immortal den Spieler zu Beginn in das Dörfchen Wortham, das man bereits aus Diablo 3 kennt, und sogar der olle Deckard Cain hat seinen Auftritt.

Aber auch der Kern eines jeden Diablo, das Spielgefühl, kommt einem rasch bekannt vor. Man läuft rum, erkundet die Welt, kloppt dabei fleißig Monster und Bossgegner um. Die lassen haufenweise Zeug fallen, mit dem man seinen Charakter ausstaffiert und verbessert. Die Loot-Spirale dreht sich in Diablo Immortal fröhlich weiter. Alles in allem fühlt es sich an wie ein Diablo 3,5 und das ist meiner Meinung nach absolut nichts Schlechtes. Im Gegenteil, hauptsächlich in Richtung Edgame steckt sogar mehr Content drin als im Hauptteil.

Ist der Ruf erst ruiniert...

Doch selbst, wenn Diablo Immortal das beste Spiel der Welt würde, ist der Ruf trotzdem ruiniert. Das Spiel ist Paradebeispiel, wie eine Präsentation zum absoluten Unfall wird und dabei das Endprodukt schon vor Release in den Abgrund reißt, obwohl dieses qualitativ gar nicht schlecht ist. Bevor wir dazu kommen, machen wir aber einen kurzen Recap.

Wir schreiben das Jahr 2018 und die BlizzCon, Blizzards Hausmesse, steht vor der Tür. Der Ruf des Herstellers hat zwar bereits ein paar Dellen, doch die Spieler sind positiv gestimmt und neugierig auf das, was sie von einer der legendärsten Spieleschmieden aufgetischt bekommen. Im Vorfeld gehen Gerüchte um, dass man etwas Neues zu Diablo sehen wird. Das Internet schießt sich darauf ein und hat auch richtig Bock darauf.
Die Messe kommt, der Livestream läuft und zeigt Updates zu Starcraft, WoW, Heroes of the Storm und ein Remaster für Warcraft 3. Wow!
(Das war damals eine gute Nachricht!)

Der Reveal von Diablo Immortal war ein Präsentation-gewordener Autounfall. Quelle: Blizzard Entertainment Der Reveal von Diablo Immortal war ein Präsentation-gewordener Autounfall. Doch dann folgt die finale Präsentation. Wyatt Cheng kommt auf die Bühne und hinter ihm flammt das Diablo-Logo auf. Die Fans vor Ort flippen beinahe aus. Nur merkt das Publikum schnell, dass etwas nicht stimmt. Denn dieser Wyatt Cheng faselt irgendwas von Mobile und Handys und schnell folgt die Ernüchterung. Dieses neue Diablo ist keineswegs Diablo 4, sondern ein Handyspiel mit Free2Play und Online-MMO-Features. Wer den Stream verfolgt, erlebt live mit, wie die Stimmung kippt und Blizzard den Neuwagen mit 120 gegen die Wand fährt.

Die Community tobt und selbst in der Halle formiert sich Widerstand. Der berühmte "Red-Shirt-Guy" stellt die unvergessene Frage, ob das ein verspäteter Aprilscherz sei und als ob das nicht genug gewesen wäre, sind die Entwickler auf der Bühne auch noch vollkommen überfordert und haben die Situation nicht im Griff. Da wird herumgestammelt, da versucht man gar nicht, die offensichtliche Überraschung über das negative Feedback zu verstecken und wird auch noch latent zickig mit der Frage, ob die Leute denn keine Handys hätten.

Weiter geht's auf Seite 2 mit dem eigentlichen Problem dieser Präsentation!

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