Diablo 4 im Test + Video: Jetzt mit Wertung - Für Diablo bricht ein neues Zeitalter an
Test
Die Zukunft von Diablo ist da, online, weitläufig und herrlich düster! Aber steckt unter der Haube immer noch das gleiche, unverwüstliche Spielprinzip? Motiviert das Endgame, kann die Story überzeugen - und was machen eigentlich Solo-Spieler? Das alles und mehr klären wir im großen Test zu Diablo 4.
Nur in den PvP-Zonen erhaltet ihr sogenannte Samen des Hasses, das ist eine Sonderwährung, die ihr aber erst mal in einem Ritual säubern müsst. In dieser Zeit seid ihr Freiwild für andere Spieler in der Gegend. Ist es vollbracht, könnt ihr euch mit der verdienten Währung bei speziellen PvP-Händlern mit neuer Ausrüstung eindecken. Alles, was ihr hier kaufen könnt, ist jedoch rein kosmetisch. In Feldern des Hasses dürft ihr also ausschließlich neue Skins für eure Waffen, Rüstungen und euer Reittier freischalten, spielerische Vorteile lassen sich nicht verdienen. Und überhaupt wirkt es fast so, als habe Blizzard das ganze PvP nur pro forma eingebaut, denn letztendlich ist es vollkommen freiwillig und man wird auch nie dazu gedrängt. Wer also keinen Bock auf PvP hat, kann es komplett ignorieren und verpasst auch nix Wichtiges. Dass das Feature allerdings so groß auf der offiziellen Website beworben wird, wundert uns doch ein wenig - in seiner jetzigen Form ist es dafür eigentlich zu unwichtig.
Gruppenzwang... aber nur ein bisschen
Schon in der Beta haben wir die riesigen Weltbosse kennengelernt, die man nur mit größeren Gruppen bezwingen kann. Es gab in der Beta zwar ein paar Spieler, die so ein Riesenvieh im Alleingang gelegt haben, aber so ist es definitiv nicht gedacht (und nebenbei ist es auch stinklangweilig). In größeren Gruppen kommt aber Freude auf: Die Giganten sind richtig cool inszeniert und hauen ganz mächtig rein, die Kämpfe machen Laune! Letztendlich sind die Weltbosse aber auch nichts, womit man sich wirklich langfristig beschäftigen kann. Das liegt auch daran, dass die Weltbosse nur zu bestimmten Zeiten spawnen, die sich auch nicht beeinflussen lassen. Ihr könnt also nicht einfach eine Truppe zusammentrommeln und einen Raid starten, wenn ihr gerade Lust darauf habt.
Das Gleiche gilt auch für die Legion-Events, die ebenfalls rein zufällig auf der Weltkarte auftauchen. Das sind im Grunde einfach nur größere Zufallsereignisse, ähnlich wie die normalen Events, für die ihr aber zwingend ein paar Mitspieler braucht. (Völliges Chaos übrigens, aber witzig!) Zusammen mit den Weltbossen sind das allerdings schon die einzigen Spielinhalte, die ein Zusammenspiel erfordern. Alles andere in Diablo 4 lässt sich problemlos im Alleingang erledigen.
Das MMO, das keines sein will
Überhaupt ist der MMO-Faktor in Diablo 4 überraschend gering. Man begegnet zwar immer wieder anderen Spielern, wird aber nie dazu ermutigt, mit ihnen zu interagieren oder Gruppen zu bilden - obwohl man dafür sogar einen kleinen Bonus auf Erfahrungspunkte bekommt. Es gibt keine Spielersuche für Albtraumdungeons, keine Anreize für Clans, keinen Handelsplatz abseits vom Chat und auch sonst nur wenige Sozialfunktionen. Im Grunde also das genaue Gegenteil zu Diablo Immortal, das komplett um seine Gilden herumgestrickt ist. Natürlich ist es denkbar, dass Blizzard erst mal das Feedback der Käufer abwartet und dann entscheidet, ob der MMO-Aspekt in Diablo 4 noch weiter ausgebaut wird. Wir können aber natürlich nur den Zustand bei Launch bewerten - und der spricht eine deutliche Sprache: Diablo 4 hätte auch problemlos als Singleplayer-Spiel funktioniert.
Langzeitspaß oder nicht?
In unserem Test konnten wir nur eines noch nicht ausprobieren, und zwar war die vierte Schwierigkeitsstufe. Auf der droppen noch bessere Items und auch die Gegner sollen nochmal wesentlich härter zuhauen. Soweit wir wissen, ist das aber auch schon alles, was die höchste Weltenstufe zu bieten hat, neue Features gibt es da scheinbar nicht. Auch wenn wir natürlich noch keine Langzeiteinschätzung zum Endgame abgeben können, ist das Angebot zum Launch recht überschaubar: Egal ob Albtraumdungeons oder Flüsterbaum-Aufträge, das alles sind im Grunde nur Umwege, um an Erfahrungspunkte und Beute zu kommen, ähnlich wie im Abenteuermodus in Diablo 3. Das Endgame steht damit zwar auf einer grundsoliden Basis, lässt aber noch viel Luft nach oben, denn frische Ideen sind hier Mangelware. Die Entwickler sagen übrigens selbst, dass Diablo 4 eigentlich nicht dazu gedacht ist, um endlos gespielt zu werden. Irgendwann ist man einfach mit allem durch und der Machtgipfel für euren Helden ist erreicht. Der Langzeitspaß dürfte also eher von den Seasons ausgehen und dem Reiz, eine Klasse neu anzufangen und hochzuleveln.
Quelle: PC Games
Am Ende von Albtraumdungeons wertet ihr Glyphen auf - eines der wenigen Langzeitziele.
Genau darum könnten die geplanten Seasons auch richtig interessant werden, denn die sollen nochmal viele Stunden neue Ziele und kostenlose Belohnungen bieten, auf die man hinarbeiten kann. Das könnte tatsächlich die ideale Ergänzung zum Endgame sein. Wie motivierend das aber wirklich wird, bleibt abzuwarten, die erste Season soll schließlich erst im Juli starten. Sicher ist aber schon jetzt, dass die Seasons nicht die Hauptgeschichte weitererzählen sollen. Solche Inhalte wird sich Blizzard wohl lieber für größere Add-ons aufheben, laut Blizzard wird bereits an zwei kostenpflichten Erweiterungen gearbeitet.
Monetarisierung: Seasons und Shop
Spätestens jetzt müssen wir auf die Monetarisierung zu sprechen kommen, die bei der Community für reichlich Diskussionsstoff gesorgt hat. Das Wichtigste: Ihr könnt euch für Echtgeld keine Macht oder spielerischen Vorteile kaufen. Blizzard will im Shop einzig und allein kosmetische Items anbieten, und das ist zum Launch auch der Fall. Eigentlich eine gute Lösung, wenn es wirklich dabei bleibt: Die Kostüme bieten bislang nichts, was der Atmosphäre im Spiel schadet und natürlich findet man auch im Spiel selbst massenhaft Beute, um sein Aussehen anzupassen. Die gesalzenen Preise im Shop werfen trotzdem einen hässlichen Schatten auf Blizzards Geschäftsmodell: Für ein komplettes Rüstungsset werden bis zu 25 Euro verlangt! Von Mikrotransaktionen kann also keine Rede mehr sein, wenn Preise herrschen, die einem Drittel der Vollversion entsprechen. Die meisten Spieler dürften da lachend abwinken, doch es gibt natürlich immer eine empfindliche Zielgruppe (die sogenannten "Wale"), die man mit solchen Käufen melken kann. Und natürlich werden diese Skins auch nicht zum Direktkauf angeboten, was zumindest noch eine gewisse Transparenz gewährleisten würde. Stattdessen greift Blizzard zu einer Masche, die man schon aus unzähligen Free2Play-Spielen kennt: Man muss sich zuerst mit echten Geld eine Ingame-Währung namens Platinum kaufen, die in verschiedenen Paketen angeboten wird - erst damit lassen sich dann die kosmetischen Inhalte freischalten.
Quelle: PC Games
Kennt die Gier also keine Grenzen? Diablo 4 ist schließlich ein Vollpreisspiel, 70 Euro werden auf dem PC fällig, 80 Euro auf Konsolen - und zwar nur für die Standardversion. Doch es geht hier nicht nur darum, die Taschen von Bobby Kotick zu füllen. Letztendlich soll Diablo 4 auch über viele Jahre laufen und dabei alle drei Monate mit neuen Seasons versorgt werden, die frische Inhalte nachliefern - und zwar kostenlos für alle, davon profitiert also die gesamte Community. Genau das hatte Diablo 3 all die Jahre gefehlt, vermutlich auch, weil Blizzard nach der Schließung des Auktionshauses keine laufenden Einnahmen mehr mit dem Spiel erzeugen konnte. Das soll Diablo 4 nun ändern - und die Zeit wird zeigen, ob Blizzard damit Erfolg hat, ohne irgendwann doch noch in die Pay2Win-Falle zu tappen. Denn so viel ist klar: Sollte Blizzard jemals spielerische Vorteile für echtes Geld verkaufen, wird es die Community mit einem Sturm der Entrüstung danken - die schaut seit Diablo Immortal nämlich sehr genau hin.
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Die Debatte um die Monetarisierung wird in Zukunft aber nicht nur den Shop, sondern auch die Seasons selbst betreffen. Die enthalten nämlich auch einen Battle Pass, der sich in drei Varianten unterteilt: Es gibt einen kostenlosen Battle Pass für alle, einen Premium-Battle Pass, der 1.000 Platinum kostet (das entspricht 10 Euro) und einen beschleunigten Premium-Battle Pass, der 20 Stufensprünge und einen besonderen kosmetischen Gegenstand bieten soll - zum Preis von 2.800 Platinum, was euch etwa 25 Euro kosten wird. Das Wichtigste dabei: Alles, was euch spielerische Vorteile verschafft, also Booster, Ressourcen und so weiter, sollt ihr kostenlos erhalten. Der Premium-Pass wird dagegen nur Kosmetik beinhalten - sagt zumindest Blizzard. Allerdings gab es bei den Fans schon einige Debatten zu dem Thema, denn der Premium-Pass wird es euch wohl erlauben, Battle-Pass-Ränge zu überspringen - und das könnte bedeuten, dass man auch die nützlichen Booster womöglich schneller erhält, was ein spielerischer Vorteil wäre. Blizzard hält dagegen, dass man zum Freischalten der Booster einen bestimmten Charakterlevel erreicht haben muss, unabhängig von den Battle-Pass-Stufen. Damit will man sicherstellen, dass zahlende Spieler keinen Vorteil haben. Ob sich das aber wirklich so bewahrheitet, weiß derzeit niemand: Gewissheit haben wir erst, wenn die erste Season von Diablo 4 startet - voraussichtlich im Juli geht's los.
Shop, Seasons, Battle Pass und Abos: Alle Infos zu den Kosten von Diablo 4 findet ihr hier unserer Übersicht.
PC und Konsole
Dass die Technik völlig in Ordnung geht, haben wir ja schon mit der Beta abklopfen können. Das Spiel läuft selbst auf älteren Konsolen wie der PS4 noch überraschend ordentlich. Und auf aktuellen Modellen wie der Xbox Series S bekommt ihr ein scharfes Bild, sehr kurze Ladezeiten und flüssige 60 Bilder pro Sekunde geboten. Da macht das Spielen Spaß! Auf dem PC hatten wir durchgängig hohe Frameraten, nervige Ruckler traten auf einer SSD so gut wie nie auf - auch dank DLSS-Support und jeder Menge Grafikoptionen.
Quelle: PC Games
Egal ob auf PC oder Konsolen: Die Technik hinterlässt einen guten Eindruck.
Wer mag, kann übrigens auch am PC mit einem Gamepad spielen und dann das Interface der Konsolenfassung nutzen. Dank Crossplay und Cross Progression können PC- und Konsolenbesitzer sogar gemeinsam zocken oder auch mal die Plattform wechseln (sofern sie das Spiel mehrmals gekauft haben). Da es sich um ein reines Online-Spiel handelt, werden eure Spielstände bequem über das Battlenet verwaltet - ganz egal, auf welcher Plattform ihr spielt. Einziger Wermutstropfen für PC-Besitzer: Der lokale Couch-Koop, bei dem zwei Spieler an einem Gerät spielen können, ist allein den Konsolenspielern vorbehalten. Am PC müsst ihr leider darauf verzichten.
Hinweis für Konsolenspieler: Wer in Deutschland eine Playstation 4/5 oder Xbox One/Series nutzt und Diablo 4 inklusive aller Online-Features wie Chat, Handel, usw.... spielen will, muss dazu zwingend ein PS-Plus-Abo bzw eine Xbox-Live-Mitgliedschaft haben. Mehr Infos dazu gibt's in dieser Übersicht zu den Kosten von Diablo 4.
Diablo 4 ist für PC, PS4, PS5, Xbox One und Xbox Series S/X erhältlich.
Die Zukunft von Diablo
Nach unserem Test haben wir keine Zweifel mehr: Diablo 4 ist gekommen, um zu bleiben. Alles, was es macht, macht es gut, teilweise sogar großartig. Wer Diablo liebt, wird hier sicher ein neues Zuhause finden. Es ist aber auch ein Spiel, das sehr vieles auf einmal versucht und dabei ständig darauf bedacht ist, bloß keine Fans zu verschrecken. Egal ob Open-World, MMO-Elemente, Charakterbau oder Beute - im Grunde geht Blizzard bei allem auf Nummer sicher und traut sich nicht, aus der alten Formel auszubrechen. Das ist für den Großteil der Fans wahrscheinlich genau das richtige, Diablo richtet sich an die Massen.
Aber natürlich wird es auch solche Fans geben, denen es vielleicht zu finster, zu online, zu eintönig, zu altbacken oder einfach zu wenig Path of Exile ist. Wir finden: Diablo 4 ist in seinem aktuellen Zustand ein richtig starkes Spiel geworden, genau das liefert, was Blizzard versprochen hat. Die düstere Atmosphäre passt prima, der Spielfluss stimmt und die Monsterhatz macht so viel Spaß wie eh und je. Dass manche Features wie das Paragon-System oder das Endgame noch keine Begeisterungsstürme auslösen, klingt zwar wie ein Dämpfer, macht uns aber keine Sorgen: Diablo 4 ist ein Live-Service-Game, das gerade erst begonnen hat - und wir rechnen fest damit, dass sich das Spiel in den kommenden Monaten und Jahren noch kräftig weiterentwickeln wird. Ob zum Guten oder Schlechten, das muss die Zeit zeigen - aber wir werden auf jeden Fall wieder mit dabei sein und euch darüber berichten.
