Diablo 2: Der Blizzard-Meilenstein hat ein Vermächtnis, das bis heute nachhallt

Special Matthias Dammes
Diablo 2: Blizzards chaotisches Meisterwerk ist bis heute unerreicht
Quelle: Blizzard

Diablo 2 gilt bis heute als die Krönung des Genres. Sein Vermächtnis wirkt bis heute nach und hat auch das gelungene Remaster nach sich gezogen.

Düsteres Sanktuario

Eine weitere starke Neuerung war die Spielwelt, die nicht mehr nur aus Labyrinth-Leveln unter Tristram bestand. Stattdessen erschufen die Entwickler verschiedene Orte der Welt von Sanktuario, wo es dieses Mal auch an der Oberfläche viel zu entdecken und unzählige Monster zu bekämpfen gab. Von der Bergwelt von Khanduras, über die Wüste rund um die Stadt Lut Gholein und den Sümpfen von Kurast bis zur Hölle selbst. Die Verfolgung vom als dunkler Wanderer getarnten Diablo zeichnet erstmals das Bild einer vielfältigen und mit reichhaltiger Lore gefüllten Welt. Allen Gebieten gleich, war die durchweg düstere Stimmung, die nicht an schmutzigen und blutigen Details sparte, um den Einfluss der einfallenden Dämonenhorden deutlich zu machen.

Der erste größere Boss im Spiel ist Andariel, eine der niederen Übel. Quelle: PC Games Der erste größere Boss im Spiel ist Andariel, eine der niederen Übel. Wenn die Releaseversion von Diablo 2 kritisiert wurde, dann meist vor allem, weil diese technisch schon für damalige Verhältnisse nicht mehr ganz zeitgemäß war. So stellte das Spiel zunächst nur eine Auflösung von 640 mal 480 Pixeln zur Verfügung. Aber immerhin attestierten die Tester von PC Games seinerzeit, dass noch nie zuvor so schöne Grafik in dieser Auflösung gezaubert worden war. Allgemein stimmte bei Diablo 2 vordergründig das Gesamtpaket, das eine faszinierende Sogwirkung auslöste. Das ließ unsere Tester sogar ganz offen von Augenringen, durchzechten Nächten und abgebrochenen Sozial-Kontakten berichten und gleichzeitig auch warnen.

Lord of Destruction

Trotz der weiter oben beschriebenen physischen und mentalen Kosten, die der Release von Diablo 2 einigen Entwicklern abverlangte, schafften sie es ein Jahr später noch, die Erweiterung Lord of Destruction nachzuschieben. Mit dem Addon setzten sie auf das bereits fantastische Grundgerüst noch eine Schippe drauf. Die Story wurde um einen fünften Akt rund um die Barbarenfestung Harrogath am Fuße des Berges Arreat erweitert. Der Berg wird zum Schauplatz der Auseinandersetzung mit Baal, einem der drei großen Übel und Bruder von Diablo.

Außerdem wurden mit der Assassine und dem Druiden zwei neue Klassen eingeführt, die erneut vielseitige Spielweisen erlauben. Hinzu kamen diverse Komfortneuerungen wie ein vergrößerter Lagerplatz, zwei wechselbare Waffensetups und Ausrüstung für die Söldner-Begleiter. Auf technischer Seite wurde zudem endlich die Auflösung von 800 mal 600 Pixeln ermöglicht.

Zwei neue Klassen waren nur eine von diversen Neuerungen in Lord of Destruction. Quelle: PC Games Zwei neue Klassen waren nur eine von diversen Neuerungen in Lord of Destruction. Unmittelbar nach der Veröffentlichung starteten die Entwickler von Blizzard North noch im Jahre 2001 mit den Arbeiten an Diablo 3. Die Öffentlichkeit erfuhr davon jedoch lange Zeit nichts. Erst 2008 wurde der Nachfolger angekündigt, da gab es Blizzard North bereits gar nicht mehr. Bis zum Release sollte es aber noch einmal vier weitere Jahre dauern. Trotz oder gerade wegen dieser langen Entwicklungszeit mit mehreren kompletten Überarbeitungen des Spielkonzepts konnte der Nachfolger nicht völlig an die Qualität des Vorgängers anknüpfen. Spieler kritisierten vor allem die fehlende Tiefe bei den Helden und das unbefriedigende Loot-System.

Legacy und Resurrected

Unabhängig von den inzwischen erschienenen Nachfolgern bleibt das Vermächtnis von Diablo 2 bis heute ungebrochen. Über ein Jahrzehnt hat Blizzard das Spiel mit Updates versorgt. Erst im März 2016 erschien der letzte offizielle Patch, der das Spiel mit moderneren Betriebssystemen wie Windows 7 und OS X 10 kompatibel gemacht hat. Aber auch darüber hinaus blieben die Spieler der Monsterjagd treu. Die Ladder, das Ranglistensystem von Diablo, hat Veteranen immer wieder nach Sanktuario gelockt. Gleichzeitig stampften Fans Initiativen wie Project Diablo 2 aus dem Boden, das bis heute das Spiel verbessert und für konstante Ladder-Herausforderungen sorgt.

Diese Verbundenheit der Fans zu Diablo 2 blieb auch den Entscheidern bei Blizzard nicht verborgen. So begannen 2019 das Diablo-Team von Blizzard zusammen mit Vicarious Visions an einem Remaster für den Klassiker zu arbeiten. Ein Unterfangen, das zunächst gar nicht so einfach erschien, da große Teile des originalen Source-Code schon unmittelbar nach dem Release des Spiels verloren gegangen sind. Man konnte jedoch genug zusammentragen, um das Projekt anzugehen. Das oberste Ziel des Projekts war dabei, das Game so unverändert wie nur möglich zu lassen, damit Fans das gleiche Spielgefühl bekommen, wie sie es gewohnt waren.

Optisch auf Hochglanz poliert, bietet Resurrected das gleiche Spielerlebnis wie damals, für ein modernes Publikum. Quelle: PC Games Optisch auf Hochglanz poliert, bietet Resurrected das gleiche Spielerlebnis wie damals, für ein modernes Publikum. Entsprechend stand die visuelle Auffrischung im Vordergrund. Die neu modellierte Grafik wurde dabei wie ein Filter über das darunterlaufende Originalspiel gelegt. Das ermöglichte es auch, dass der Spieler jederzeit zwischen der modernen Optik und dem Original-Grafikstil hin- und herschalten konnte. Andere Eingriffe in das Spiel beschränkten sich auf Komfortfunktionen wie automatisch aufgehobenes Gold und eine accountweit geteilte Lagertruhe.

Diablo 2: Resurrected wurde auf der BlizzCon 2021 angekündigt und noch im selben Jahr am 23. September veröffentlicht. Erstmals erschien das Spiel dabei auch für andere Plattformen wie Playstation 4/5, Xbox und Nintendo Switch. Die Neuauflage wurde ein voller Erfolg für Blizzard. Im ersten halben Jahr verkaufte sich das Remaster fünf Millionen Mal. Fast fünf Jahre nach seinem Release wurde das Spiel sogar noch einmal mit dem Warlock als neuer Klasse erweitert. Damit hat Resurrected erstmals Inhalte erhalten, die es im Original nicht gibt. Möglicherweise ist die Geschichte von Diablo 2 auch nach über 25 Jahren noch immer nicht zu Ende erzählt.

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