Diablo 2 wird 20 Jahre alt - Retro-Special zum Jubiläum des Königs des Hack & Slay

Special Matthias Dammes
Diablo 2 wird 20 Jahre alt - Retro-Special zum Jubiläum des Königs des Hack & Slay
Quelle: Blizzard

Happy Birthday Diablo 2. Der Klassiker und König des Hack&Slay-Genres feiert am 29. Juni 2020 seinen 20. Geburtstag. Wir schauen daher im Retro-Special auf die Erfolgsgeschichte des Action-Rollenspiels zurück und betrachten, was das Spiel für viele Fans so besonders gemacht hat.

Fans von Action-Rollenspiel warten derzeit gespannt auf Diablo 4, das von Blizzard auf der Blizzcon 2019 angekündigt wurde. Unter dem Gesichtspunkt, dass der kommende Teil der Reihe erst das vierte Spiel sein wird, könnte man fast vergessen, dass es sich bei Diablo bereits um eine wirklich altehrwürdige Marke handelt. Am heutigen 29. Juni 2020 feiert nun schon Diablo 2 seinen zwanzigsten Geburtstag. Das sagt viel über die langen Zeiträume aus, die Blizzard benötigt, um eine neue Version der beliebten Monsterhatz zu entwickeln. Es ist aber auch ein beeindruckendes Zeichen, dass sich die Reihe trotz der seltenen Neuveröffentlichungen eine anhaltende Faszination und treue Fanbasis bewahrt hat. Zu großen Teilen dazu beigetragen hat natürlich vor allem das heutige Geburtstagskind Diablo 2. Grund genug also im Retro-Special einmal auf das außergewöhnliche Spiel zurück zu blicken.

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Planlose Entwicklung

Das Genre der Action-Rollenspiele oder Hack&Slays ist vielseitig und bringt immer wieder sehr gute Titel hervor. Ausführlichere Betrachtungen des Genres, der Spiele und ihrer Schöpfer führen nicht selten zurück zu Blizzard North und seinem legendären Diablo 2. Für viele Fans gilt der Titel bis heute als das Musterbeispiel des Genres und nicht wenige Entwickler ziehen ihre Inspiration aus der Dämonenhatz aus dem Jahre 2000. Die Diablo 2 im Retro-Speci (2) Quelle: PC Games Diablo 2 im Retro-Speci (2) Namen ehemaliger Entwickler von Blizzard North tauchen nicht zufällig immer wieder im Umfeld von Entwicklern ähnlicher Spiele auf. Am prominentesten sind da natürlich die Brüder Erich und Max Schaefer sowie Matt Uelmen zu nennen, die zusammen seit Jahren an der Torchlight-Reihe arbeiten.

Angekündigt wurde Diablo 2 (jetzt kaufen 34,90 € ) bereits im Jahre 1997 nur kurze Zeit nach der Veröffentlichung des Vorgängers. Geplant war zu diesem Zeitpunkt auch, dass der zweite Teil bereits Anfang des folgenden Jahres erscheint. Ein unglaublich kurzer Entwicklungszyklus, den man dem heutigen Blizzard nicht mal im Traum zutrauen würde. Aber das Zeitangaben von Blizzard nicht zu trauen ist, sollte sich dann auch zu jener Zeit bereits herausstellen.

Dass die Entwicklung schließlich deutlich mehr Zeit in Anspruch nahm, lag vermutlich auch an der unzureichenden Organisation des Projekts. So schrieb Erich Schaefer in einem Artikel über die Entwicklung des Spiels wenige Monate nach dessen Release davon, dass Diablo 2 nie über ein vollständiges Design-Dokument verfügt habe. Stattdessen habe man im Team einfach drauf los entwickelt und immer wieder neue Sachen hinzugefügt.

Rekordwürdiger Erfolg

Am 29. Juni 2000 erschien das Spiel dann schließlich in Nordamerika und einen Tag später in Europa - zwei Jahre nach dem ursprünglich geplanten Release. Heute wissen wir, dass eine Entwicklungszeit von drei Jahren für Blizzard-Verhältnisse jedoch noch recht überschaubar ist. Auf den nächsten Teil der Reihe sollten Fans danach ganze zwölf Jahre warten.
Dem Erfolg taten die Verschiebungen aber keinen Abbruch, im Gegenteil. Diablo 2 schlug ein wie eine Bombe. Nach nur zwei Wochen vermeldete Blizzard eine Million verkaufte Einheiten, die Marke von zwei Millionen Diablo 2 im Retro-Speci (3) Quelle: PC Games Diablo 2 im Retro-Speci (3) wurde nach anderthalb Monaten geknackt. Für damalige Verhältnisse ein sensationelles Ergebnis. Vor allem vor dem Hintergrund, dass seinerzeit Raubkopien ein noch wesentlich größeres Problem waren als heute.

it seinen fantastischen Verkaufszahlen sicherte sich Diablo 2 sogar einen Eintrag im Guiness Buch der Rekorde des Jahres 2000 als das am schnellsten verkaufte Computerspiel aller Zeiten. Diesen Rekord hielt das Spiel immerhin zwei Jahre lang, bis Blizzard mit Warcraft 3 eine neue Bestmarke setzte. Auch in Deutschland ging das Spiel über die Ladentheke wie warme Semmeln. Nach nur einem Monat wurde der Titel bereits mit dem Platinaward für mehr als 200.000 verkaufte Einheiten ausgezeichnet.

Das Action-Rollenspiel war aber nicht nur ein kurzfristiger Verkaufsschlager, sondern sicherte Blizzard langfristigen Erfolg. Selbst noch 2010 tauchte der Titel in den Jahresverkaufslisten des amerikanischen Markforschungsinstituts NPD auf. Im selben Jahr wurde die Zahl der Nutzer von Blizzards Multiplayer-Plattform Battle.net mit rund elf Millionen angegeben, die noch immer Diablo 2 und das noch zwei Jahre ältere Starcraft spielten.

Helden-Builds und Beute

Dabei machte Diablo 2 nicht einmal so viel anders als der Vorgänger. Die Entwickler verstanden es aber in herausragender Weise auf dem guten Grundgerüst aufzubauen und alles noch größer, schöner und besser zu machen. Das begann schon bei Spielstart mit der Charaktererstellung, wo es nun fünf statt drei Klassen zur Auswahl gab. Amazone, Barbar, Totenbeschwörer, Paladin und Zauberin boten zudem spielerisch deutlich spannendere Ansätze als es das klassische Fantasy-Dreigestirn aus Kämpfer, Schurke und Magier im Vorgänger bot.

Diablo 2 im Retro-Speci (7) Quelle: PC Games Diablo 2 im Retro-Speci (7) Aber mit den Unterschieden der fünf Klassen war es nicht getan. Jede Klasse verfügte über drei einzigartige und vielseitige Talentbäume. Das führt zu einer der großen Stärken des Spiels: eine unglaubliche Vielfalt an Charakter-Builds mit unterschiedlichsten Ausrichtungen. Dabei entstanden auch eher außergewöhnliche Helden wie Nahkampf-Zauberinnen und Werwolf-Barbaren, die dennoch gut spielbar waren und ebenfalls ihre Anhänger fanden. Viele Spieler zogen allein aus dem experimentieren und austüfteln neuer Builds jede Menge Spielspaß.

Das lag auch daran, dass es dem Spiel gelang, ein sehr langanhaltendes Gefühl von befriedigendem Fortschritt zu erzeugen. Mit jedem Stufenaufstieg wurde der eigene Held stärker und bei aufgesammelter Beute bestand immer die Chance seine Ausrüstung wieder leicht zu verbessern. Zu keinem Zeitpunkt hatte man das Gefühl wirklich übermächtig zu werden, weil das Spiel einem gute Items nur so hinterher wirft. Aber es wurde auch nicht frustrierend, weil man zu selten etwas Nützliches fand. Eine Balance, die gar nicht so einfach hinzubekommen ist, wie Blizzard selbst später mit dem Nachfolger herausfinden sollte.

Düsteres Sanktuario

Eine weitere starke Neuerung war die Spielwelt, die nicht mehr nur aus Labyrinth-Leveln unter Tristram bestand. Stattdessen erschufen die Entwickler verschiedene Orte der Welt von Sanctuary, wo es diesmal auch an der Oberfläche viel zu entdecken und jede Menge Monster zu bekämpfen gab. Von der Bergwelt von Khanduras, über die Wüste rund um die Stadt Lut Gholein und den Sümpfen von Kurast bis zur Hölle selbst, die Verfolgung vom als dunklen Wanderer getarnten Diablo zeichnet erstmals das Bild einer vielfältigen und mit reichhaltiger Lore gefüllten Welt. Allen Gebieten gleich, war die durchweg düstere Stimmung, die nicht an schmutzigen und blutigen Details sparte, um den Einfluss der einfallenden Dämonenhorden deutlich zu machen.

Diablo 2 im Retro-Speci (4) Quelle: PC Games Diablo 2 im Retro-Speci (4) Wenn die Releaseversion von Diablo 2 kritisiert wurden, dann meist vor allem, weil diese technisch schon für damalige Verhältnisse nicht mehr ganz zeitgemäß war. So stellte das Spiel zunächst nur eine Auflösung von 640 mal 480 Pixeln zur Verfügung. Aber immerhin attestierten die Tester von PC Games seinerzeit, dass noch nie zuvor so schöne Grafik in dieser Auflösung gezaubert wurde. Allergemein stimmte bei Diablo 2 vor allem das Gesamtpaket, das eine faszinierende Sogwirkung auslöste. Das ließ unsere Tester sogar ganz offen von Augenringen, durchzechten Nächten und abgebrochenen Sozial-Kontakten berichten und gleichzeitig auch warnen.

Ein Jahr nach dem Release setzen die Entwickler auf das bereits fantastische Grundgerüst mit der Erweiterung Lord of Destruction noch eine Schippe drauf. Die Story wurde um einen fünften Akt rund um die Barbarenfest Harrogath am Fuße des Berges Arreat erweitert. Der Berg wird zum Schauplatz der Auseinandersetzung mit Baal, einem der drei großen Übel und Bruder von Diablo. Außerdem wurden mit der Assassine und dem Druide zwei neue Klassen einführt, die erneut vielseitige Spielweisen erlauben. Hinzu kamen diverse Komfortneuerungen wie ein vergrößerter Lagerplatz, zwei wechselbare Waffensetups und Ausrüstung für die Söldner-Begleiter. Auf technischer Seite wurde zudem endlich die Auflösung von 800 mal 600 Pixeln eingeführt.

Unmittelbar nach der Veröffentlichung starteten die Entwickler von Blizzard North noch im Jahre 2001 mit den Arbeiten an Diablo 3. Die Öffentlichkeit erfuhr davon jedoch lange Zeit nichts. Erst 2008 wurde der Nachfolger angekündigt, da gab es Blizzard North bereits gar nicht mehr. Bis zum Release sollte es aber noch einmal vier weitere Jahre dauern. Trotz oder gerade wegen dieser langen Entwicklungszeit mit mehreren kompletten Überarbeitungen des Spielkonzepts konnte der Nachfolger nicht völlig an die Qualität des Vorgängers anknüpfen. Spieler kritisierten vor allem die fehlenden Tiefe bei den Helden und das unbefriedigende Loot-System.

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