Sollte man zweieinhalb Stunden in einen oscarprämierten Gangsterfilm von Martin Scorsese investieren? Man sollte nicht, man muss!
Martin Scorsese hat es endlich geschafft. Als der Italo-Amerikaner am 25. Februar 2007 mit dem seit Jahrzehnten überfälligen "Oscar" für die beste Regie geehrt wurde, freuten sich nicht nur die mächtigen Laudatoren Steven Spielberg, Francis Ford Coppola und George Lucas. Ganz Hollywood und einfach jedem, der gute Filme zu schätzen weiß, fiel an diesem Abend ein Stein vom Herzen.
Nach sieben erfolglosen Nominierungen seit 1981 war die Vergabe des Goldjungen an Scorsese mehr als nur eine Momentaufnahme im Showbusiness. Die Academy, deren Kompetenz nicht nur aufgrund der chronischen Nichtbeachtung Scorseses immer wieder in Frage gestellt wurde, würdigte damit jenen akribischen Filmemacher, der das Genre des Gangsterfilms wie niemand sonst definierte und dessen Arbeit zum Vorbild für Generationen von Regisseuren wurde.
Augenzeuge
Dass Martin Scorsese heute als King of Crime-Cinema gilt, verdankt er primär seiner Kindheit und Jugend, die er im New Yorker Stadtteil Little Italy verbrachte. Dort erlebte er aus nächster Nähe Faszination und Folgen des Bandentums. Die Gründe, warum Menschen vom rechten Weg abkommen, um eine Karriere beim Mob zu starten, sind durchaus nachvollziehbar. Wer hat schon wirklich Lust, sich sein Leben lang für einen Tariflohn und das Finanzamt abzurackern, um am Ende als rücklagenloser Rentner dazustehen?
Das organisierte Verbrechen scheint da eine Alternative zu bieten. Es verspricht maximale Gewinnspannen in allen Geschäftsbereichen, flexible Arbeitszeiten mit überproportionalem Freizeitanteil und ein hohes Einkommen bei weitgehender Steuerfreiheit. Klingt doch nicht schlecht, oder? Die Wahrheit sieht jedoch anders aus, wie man z.B. in der Featurette "Crossing Crime Culture" auf der "Departed"-DVD erfahren kann. Tatsächlich landen Kriminelle wesentlich häufiger in Gefängnissen und auf Friedhöfen als im Altersheim.
