Die Lore von Dark Souls fasziniert Fans bis heute. Autor Malik wagt einen Streifzug durch das düstere Fantasy-Universum und erzählt euch die Geschichte durch die Augen der Figuren, die sie geprägt haben. Teil 3 ist ein flüchtiger Traum ...
Als ich die Leiter wieder hinabstieg, bemerkte ich eine Gestalt, die mich am Fuße des Turms erwartete. Ein Prediger in schwarzer Kluft stand da, seine Gesichtszüge verborgen hinter einer Maske, die fast seine gesamte Haut bedeckte. Mit ausgebreiteten Armen, die eine Mischung aus Willkommen und Beurteilung ausdrückten, sprach er: "Sei gegrüßt. Ich bin Oswald von Carim, der Ablassprediger. Ihr seid ein Freund. Euch gilt mein herzliches Willkommen. Kommt Ihr zur Beichte? Oder zum Beschuldigen? Denn wahrlich, die Sünde ist mein Reich."
"Die Sündengöttin Velka hat ein Auge auf mich, wie es scheint."
Oswald antwortete nicht, sondern verharrte regungslos, seine maskenhafte Erscheinung ebenso unheimlich wie faszinierend. Ich schob mich an ihm vorbei, zurück ins blendende Licht der Morgensonne, das sich über die Dächer legte. Eine zweite Glocke wartete darauf, geläutet zu werden. Sie würde mir schon zeigen, wo mein Schicksal liegt.
Quelana von Izalith
Abends, am Feuerbandschrein, erzählten die flüsternden Stimmen von der übrigen Glocke - verborgen in der Tiefe, so hieß es. Noch vor dem ersten Licht der Morgenröte begann mein Abstieg in die Finsternis. Giftpfeile, Keulen und bluthungrige Zähne warfen mich immer und immer wieder ins Reich der Toten, zurück an die warmen Funken des Leuchtfeuers. Dort erntete ich höhnische Blicke. "Es vermag wohl nicht jeder, die Glocke zu läuten", stichelte der Ritter in Kettenrüstung. Ich widerstand nur knapp dem Drang, ihm die Nase zu brechen.
Tag um Tag kämpfte ich mich tiefer, bis ich schließlich knietief in einem scheußlichen Sumpfmeer stand. Faustgroße Mücken summten um mich, und verrottende Gestalten fielen unter meiner Klinge. Am Rand des Sumpfes kniete ein Schatten, gehüllt in dunkle Kleider. Träge hob sie den Blick und richtete ihn auf mich.
Quelle: From Software
"Obwohl Ihr untot seid, könnt Ihr mich sehen?"
Ich nickte knapp.
"Faszinierend ... Ich bin Quelana von Izalith. Nicht oft zeige ich mich jenen, die im Fleische wandeln. Ihr besitzt eine Gabe. Strebt ihr auch nach meiner Pyromantie?"
"Ich suche die zweite Glocke."
"Ja, natürlich. Das war zu erwarten." Quelana sog scharf die feuchte Luft ein. "Für meine Pyromantie müsst ihr etwas aufgeben. Seid ihr dazu bereit?"
Ich nickte erneut, unwissend, welche Macht die Pyromantie barg. "Was treibt Euch in diese Tiefen? Wartet Ihr auf den Tod?" Ich versuchte, in ihr Gesicht zu spähen, die Schatten fingen allerdings meine Blicke ab.
Der Anflug eines müden Lächelns ließ sich auf ihren trockenen Lippen nieder. "Meine Mutter leidet Qualen. Sie ist die Hexe von Izalith, wisst Ihr? Sie verlor die Kontrolle über ihr Feuer. Es verdarb sie und meine Schwestern." Quelanas Stimme drohte zu brechen, als würde sie die Kontrolle über diese verlieren - so wie ihre Mutter einst die Kontrolle über das Feuer verloren hatte.
"Es verdarb meinen Bruder ... bis auf Knochen und Mark. Ich entkam, und nun harrte ich in Einsamkeit. Ich warte darauf, dass sie alle jemand erlöst. Ich kann es nicht selbst tun - mir fehlt die Kraft und der Mut ..." Quelana blinzelte in den Sumpf, dorthin, wo sich Schlamm und ein feines Lichtspiel kreuzten. "Dort findet ihr auch eure ersehnte Glocke."
"Ihr seid feige."
Sie nickte kaum merklich, wie um meine Worte zu bestätigen. "Ich erinnere mich an den Tod der Drachen. Es war der letzte Tag, an dem ich mutig war."
Ich wandte ihr den Rücken zu. "Was wird das Läuten der Glocken bewirken?" Gänsehaut kroch über meine sehnigen Arme. Ich lauschte angestrengt. "Die Tore nach Anor Londo sollen sich dadurch öffnen. Ihr werdet Einlass finden in das Reich Eures Königs, Gwyn." Sie atmete leise ein. "Seine Tochter Gwynevere herrscht nun dort, seit der König verschwunden ist."
